- 23.01.2011, 21:00:10
- /
- OTS0053 OTW0053
Viel zu viel Steine für Darabos - Leitartikel von Michael Sprenger
Die Debatte zur Wehrpflicht lässt schon jetzt eine Mutmaßung zu. Eine gute Lösung kommt so nicht raus.
Innsbruck (OTS/TT) - Verteidigungsminister Norbert Darabos ist
wahrlich nicht zu beneiden. Er hat sich in der Wehrpflicht-Debatte in
eine schier aussichtslose Situation manövriert. Wenn es ihm nicht
rasch gelingt, zumindest die offene Front mit seinen Generälen zu
schließen, dann kann er aus dieser Debatte nur als Verlierer
aussteigen. Da ist dann auch der Boulevard als Verbündeter zu wenig.
Es sind einfach zu viele Steine auf dem Weg zur geplanten
Abschaffung der Wehrpflicht. Zuerst steht der von Darabos selbst
gemeißelte Stein als Mahnmal für seine Glaubwürdigkeit im Weg. Er hat
es bis heute nicht verstanden, seinen Schwenk von der apodiktischen
Beibehaltung der Wehrpflicht zur Aufgabe derselbigen nachvollziehbar
zu argumentieren. Dies gilt übrigens auch für Bundeskanzler Werner
Faymann und für die gesamte Sozialdemokratie. Sein Ansatz, Modelle
für die Zukunft des Bundesheeres ausarbeiten zu lassen, war richtig.
Aber dann hätte er anhand dieser Modelle eine Diskussion moderieren
müssen. Hat er aber nicht. Er präsentierte die Modelle und legte sich
sogleich auf sein Modell Berufsarmee plus Freiwilligenmiliz fest.
Bei dieser Wende wollte Generalstabschef Entacher nicht mit. Er
warf Darabos Steine in den Weg. Daraufhin drohte der Minister dem
SPÖ-nahen Heereschef unverblümt mit der Abberufung. Zuvor musste sich
der Minister von Bundespräsident Heinz Fischer noch fragen lassen, ob
Darabos' Steine aus Butter seien. Immerhin hat Darabos einst für
Fischer erfolgreich dessen Wahlkampf gemanagt. Aber das mit der
Dankbarkeit in der Politik kennt der Minister nur zu gut.
Dass die unsäglichen Attacken der Offiziersgesellschaft beim
Minister abperlen, ist nachvollziehbar. Aber wenn die Generäle den
Aufstand proben, der Koalitionspartner sich auf Darabos einschießt,
dann kann auf diesem steinigen Weg keine anständige Lösung mehr
herauskommen.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PTT






