• 21.01.2011, 14:34:21
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Berlakovich präsentierte 5-Punkte-Sofortprogramm für Schweinebauern

Österreichs Agrarvertreter für europaweites Umdenken im Lebensmittel-Bereich

Berlin (OTS/aiz.info) - Da die Negativfolgen des deutschen
Dioxinskandals nun auch auf die Schweinepreise in den angrenzenden
Ländern überzuschwappen drohen, stellte Österreichs
Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich heute bei der
traditionellen Pressekonferenz anlässlich der Internationalen Grünen
Woche in Berlin ein 5-Punkte-Sofortprogramm für die heimischen Bauern
vor. Die darin enthaltenen Schritte sind gemeinsam mit der
Landwirtschaftskammer Österreich und dem Bauernbund Österreich
erarbeitet worden. Dazu zählen eine verstärkte Vermarktung, mehr
Kontrollen und die Forderung von Marktentlastungsmaßnahmen auf
europäischer Ebene.

Auch die Präsidenten der Landwirtschaftskammer Österreich, Gerhard
Wlodkowski, und des Österreichischen Bauernbundes, Fritz Grillitsch,
unterstrichen, dass alles getan werden müsse, um eine Gefährdung der
heimischen Schweinebranche zu verhindern. Zusammen mit der Zukunft
der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) wird dies den
EU-Landwirtschaftsministerrat zu Beginn der kommenden Woche in
Brüssel dominieren. Auch der Pressesprecher von EU-Agrarkommissar
Dacian Ciolos, Roger Waite, kündigte für Montag eingehende
Diskussionen über die Situation des Schweinemarktes an. Man werde die
Situation prüfen und - falls nötig - entsprechende
Entlastungsschritte für die Bauern setzen.

Berlakovich fordert neues europäisches Lebensmittel-Modell

Angesichts von BSE, Gammelfleisch, Schimmelkäse und Dioxin in den
vergangenen Jahren in anderen EU-Mitgliedstaaten müsse es europa- und
weltweit endlich zu einem Umdenken kommen, forderte Berlakovich, der
sogar von einem "neuen europäischen Lebensmittelmodell" spricht. Der
Preisdruck in der Lebensmittelkette werde immer größer und es werde
versucht, auch noch den letzten Cent aus den einzelnen Teilnehmern
herauszupressen. Dies verführe manche zu Handlungen, die Gaunereien
seien, wie etwa die angeklagte Futtermittelfirma in Deutschland zur
Verwendung technischer Fette anstelle von Futterfetten, worunter nun
eine ganze Branche leide. Es gelte vielmehr, neue Wege zu beschreiten
und eine ordentliche Lebensmittelversorgung zu gewährleisten, bei der
jeder seinen fairen Anteil bekomme, unterstrich der
Landwirtschaftsminister. Das Motto müsse "Klasse statt Masse" lauten.

5-Punkte-Sofortprogramm für die heimischen Schweinebauern

Obwohl Österreich mit seinem vorbildhaften Kontrollsystem, das
Deutschland nun übernehmen möchte, sehr gut aufgestellt sei und für
Sicherheit der Konsumenten sorge, seien wegen der internationalen
Marktbewegungen und des deutschen Exportdrucks nun auch die
heimischen Schweinebauern in ihrer Existenz gefährdet, so
Berlakovich. Aus diesem Grund habe das Landwirtschaftsministerium
gemeinsam mit LK Österreich und Bauernbund ein
5-Punkte-Sofortprogramm ausgearbeitet, berichtete der Minister.
Erstens verstärke die AMA Marketing massiv ihre diesbezüglichen
Marketingaktivitäten, besonders in Printmedien und mit City Lights.
Zweitens werde ein Schulterschluss mit dem Lebensmittelhandel
gesucht, damit in erster Linie österreichisches Schweinefleisch
verarbeitet und angeboten werde. Erfolge seien bereits mit der
Handelskette Spar zu verzeichnen.

Motto: Qualität statt Quantität

Drittens bemühe sich Österreich auf EU-Ebene, die EU-Kommission
gemeinsam mit Frankreich und anderen Verbündeten dazu zu bewegen,
Marktentlastungsmaßnahmen, wie die Private Lagerhaltung oder auch
Exportsubventionen, zu ergreifen. Viertens soll in wenigen Wochen das
österreichische und EU-weit einzigartige Herkunfts-Sicherungssystem
für den Schweinefleisch-Bereich "Sus" präsentiert werden, das bereits
seit einiger Zeit vorbereitet werde. Fünftens soll es im
Futtermittelbereich verstärkte Kontrollen seitens der
Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit
(AGES) geben. "Damit wollen wir den Konsumentinnen und Konsumenten
signalisieren, dass sie sich beim österreichischen
Schweinefleischgenuss auf der sicheren Seite befinden", so
Berlakovich. Das Motto laute "Qualität statt Quantität". Dies könnte
sich gerade auch im Exportbereich als Chance erweisen.

EU-Kommission: Markt prüfen und reagieren, wenn nötig

Auch der Sprecher von EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos, Roger
Waite, kündigte gegenüber aiz.info an, dass die Situation des
Schweinemarktes am Montag auf EU-Ebene eingehend diskutiert werde. Es
gelte, den Markt zu prüfen, um reagieren zu können, wenn dies nötig
sei. Waite nannte in diesem Zusammenhang ebenso denkbare
Entlastungsmaßnahmen, wie Private Lagerhaltung und
Exportsubventionen. Mittels Artikel 68 seien zudem Sondermaßnahmen in
Krisensituationen möglich. So habe es infolge der Vogelgrippe eine
öffentliche Intervention für Geflügel gegeben. Primär gelte es aber,
die Preisentwicklung unter die Lupe zu nehmen. Außertourliche Hilfen
für die Bauern seien zudem auf nationaler Ebene in einzelnen
Mitgliedstaaten überlegenswert.

Grillitsch: Nur Gewinnmaximierung ist zu wenig

Unterdessen betonte Bauernbund-Präsident Grillitsch: "Es muss
endlich Schluss sein damit, nur Umsätze und Gewinne zu maximieren",
wenn es um die Lebensmittel-Sicherheit und bäuerliche Existenzen
gehe. Er erachtet das 5-Punkte-Sofortprogramm für die Schweinebauern
als sehr wichtig. Er sei zuversichtlich, dass es gemeinsam mit
Deutschland, Frankreich und anderen Ländern gelinge, die
EU-Kommission zur Ergreifung von Marktentlastungs-Maßnahmen zu
bringen.

Wlodkowski: Überschwappen des Preisdrucks verhindern

Unterstrichen wurden all diese Forderungen von LK
Österreich-Präsident Wlodkowski. Die Schweinebranche sei ein
wichtiges Standbein für die österreichischen Bauern. "Wir müssen
alles tun, um diesen Sektor in Qualität und Menge zu behalten. Der
Preisdruck in Deutschland darf nicht auf die österreichischen Bauern
durchschwappen", so Wlodkowski. Die Situation in den letzten Monaten
sei schon schlimm genug gewesen. Österreichs Schweinebauern dürften
nicht unschuldig zum Handkuss kommen.

AMA-Gütesiegel als Aushängeschild heimischer Qualität

Ferner hob der LK Österreich-Präsident das AMA-Gütesiegel als
Aushängeschild der hervorragenden und kontrollierten österreichischen
Qualität hervor. "Wir sind froh, dass die Handelsketten mehr und mehr
auf dieses Programm aufspringen", so Wlodkowski. In Österreich sei
auch deswegen höchste Futtermittel- und folglich
Lebensmittelsicherheit gegeben, weil die Schweine überwiegend mit
Getreide gefüttert werden, das von den eigenen Feldern der Bauern
stammt. So müsse nur ein geringer Teil des Futters zugekauft werden.
Für das AMA-Gütesiegel werden die Futtermittel zusätzlich durch das
System "pastus" kontrolliert. Eine Dioxinüberprüfung sei enthalten.

Auch der Geschäftsführer der AMA Marketing, Stephan Mikinovic,
hatte gestern bei einem Pressegespräch in Berlin betont, dass
Konsumenten, die bei Frischfleisch und Verarbeitungsprodukten wie
Wurst sicher sein wollten, kein deutsches Schweinefleisch zu sich zu
nehmen, zu AMA-Gütesiegel-Produkten greifen sollten. Laut seinen
Angaben werden jährlich rund 2 Mio. Schweine von Österreich
importiert, die zu 80% aus Deutschland kommen. Wer jedoch
AMA-Gütesiegelwurst und -fleisch kaufe, könne sicher sein, heimische
Tiere zu essen.

Rohstoff-Herkunftsangabe auch bei Verarbeitungsprodukten gefordert

Angesichts solcher Importzahlen fordert die LK Österreich, dass
künftig bei Milch- und Fleischprodukten die Herkunft des
Hauptrohstoffs anzugeben ist, wie dies bereits bei Rindfleisch und
entsprechenden Erzeugnissen im EU-Recht geregelt sei. Italien habe im
Alleingang bereits eine Regelung für die Herkunftsangabe bei
Lebensmitteln erarbeitet. Auch bei verarbeiteten Produkten muss
demnach das Land angegeben sein, in dem der letzte wichtige
Verarbeitungsschritt erfolgt ist und aus dem die Zutaten des Produkts
stammen. Diese Bestimmung sei bereits bei der EU-Kommission
notifiziert. Wlodkowski bezeichnete diese italienische
Herkunftskennzeichnungs-Lösung als Vorbild - auch für Österreich.
(Schluss) jun

Rückfragehinweis:
aiz.info - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst,
Tel.: 01/533 18 43
mailto:[email protected]
www.aiz.info

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