Berlakovich präsentierte 5-Punkte-Sofortprogramm für Schweinebauern

Österreichs Agrarvertreter für europaweites Umdenken im Lebensmittel-Bereich

Berlin (OTS/aiz.info) - Da die Negativfolgen des deutschen Dioxinskandals nun auch auf die Schweinepreise in den angrenzenden Ländern überzuschwappen drohen, stellte Österreichs Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich heute bei der traditionellen Pressekonferenz anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin ein 5-Punkte-Sofortprogramm für die heimischen Bauern vor. Die darin enthaltenen Schritte sind gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Österreich und dem Bauernbund Österreich erarbeitet worden. Dazu zählen eine verstärkte Vermarktung, mehr Kontrollen und die Forderung von Marktentlastungsmaßnahmen auf europäischer Ebene.

Auch die Präsidenten der Landwirtschaftskammer Österreich, Gerhard Wlodkowski, und des Österreichischen Bauernbundes, Fritz Grillitsch, unterstrichen, dass alles getan werden müsse, um eine Gefährdung der heimischen Schweinebranche zu verhindern. Zusammen mit der Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) wird dies den EU-Landwirtschaftsministerrat zu Beginn der kommenden Woche in Brüssel dominieren. Auch der Pressesprecher von EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos, Roger Waite, kündigte für Montag eingehende Diskussionen über die Situation des Schweinemarktes an. Man werde die Situation prüfen und - falls nötig - entsprechende Entlastungsschritte für die Bauern setzen.

Berlakovich fordert neues europäisches Lebensmittel-Modell

Angesichts von BSE, Gammelfleisch, Schimmelkäse und Dioxin in den vergangenen Jahren in anderen EU-Mitgliedstaaten müsse es europa- und weltweit endlich zu einem Umdenken kommen, forderte Berlakovich, der sogar von einem "neuen europäischen Lebensmittelmodell" spricht. Der Preisdruck in der Lebensmittelkette werde immer größer und es werde versucht, auch noch den letzten Cent aus den einzelnen Teilnehmern herauszupressen. Dies verführe manche zu Handlungen, die Gaunereien seien, wie etwa die angeklagte Futtermittelfirma in Deutschland zur Verwendung technischer Fette anstelle von Futterfetten, worunter nun eine ganze Branche leide. Es gelte vielmehr, neue Wege zu beschreiten und eine ordentliche Lebensmittelversorgung zu gewährleisten, bei der jeder seinen fairen Anteil bekomme, unterstrich der Landwirtschaftsminister. Das Motto müsse "Klasse statt Masse" lauten.

5-Punkte-Sofortprogramm für die heimischen Schweinebauern

Obwohl Österreich mit seinem vorbildhaften Kontrollsystem, das Deutschland nun übernehmen möchte, sehr gut aufgestellt sei und für Sicherheit der Konsumenten sorge, seien wegen der internationalen Marktbewegungen und des deutschen Exportdrucks nun auch die heimischen Schweinebauern in ihrer Existenz gefährdet, so Berlakovich. Aus diesem Grund habe das Landwirtschaftsministerium gemeinsam mit LK Österreich und Bauernbund ein 5-Punkte-Sofortprogramm ausgearbeitet, berichtete der Minister. Erstens verstärke die AMA Marketing massiv ihre diesbezüglichen Marketingaktivitäten, besonders in Printmedien und mit City Lights. Zweitens werde ein Schulterschluss mit dem Lebensmittelhandel gesucht, damit in erster Linie österreichisches Schweinefleisch verarbeitet und angeboten werde. Erfolge seien bereits mit der Handelskette Spar zu verzeichnen.

Motto: Qualität statt Quantität

Drittens bemühe sich Österreich auf EU-Ebene, die EU-Kommission gemeinsam mit Frankreich und anderen Verbündeten dazu zu bewegen, Marktentlastungsmaßnahmen, wie die Private Lagerhaltung oder auch Exportsubventionen, zu ergreifen. Viertens soll in wenigen Wochen das österreichische und EU-weit einzigartige Herkunfts-Sicherungssystem für den Schweinefleisch-Bereich "Sus" präsentiert werden, das bereits seit einiger Zeit vorbereitet werde. Fünftens soll es im Futtermittelbereich verstärkte Kontrollen seitens der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) geben. "Damit wollen wir den Konsumentinnen und Konsumenten signalisieren, dass sie sich beim österreichischen Schweinefleischgenuss auf der sicheren Seite befinden", so Berlakovich. Das Motto laute "Qualität statt Quantität". Dies könnte sich gerade auch im Exportbereich als Chance erweisen.

EU-Kommission: Markt prüfen und reagieren, wenn nötig

Auch der Sprecher von EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos, Roger Waite, kündigte gegenüber aiz.info an, dass die Situation des Schweinemarktes am Montag auf EU-Ebene eingehend diskutiert werde. Es gelte, den Markt zu prüfen, um reagieren zu können, wenn dies nötig sei. Waite nannte in diesem Zusammenhang ebenso denkbare Entlastungsmaßnahmen, wie Private Lagerhaltung und Exportsubventionen. Mittels Artikel 68 seien zudem Sondermaßnahmen in Krisensituationen möglich. So habe es infolge der Vogelgrippe eine öffentliche Intervention für Geflügel gegeben. Primär gelte es aber, die Preisentwicklung unter die Lupe zu nehmen. Außertourliche Hilfen für die Bauern seien zudem auf nationaler Ebene in einzelnen Mitgliedstaaten überlegenswert.

Grillitsch: Nur Gewinnmaximierung ist zu wenig

Unterdessen betonte Bauernbund-Präsident Grillitsch: "Es muss endlich Schluss sein damit, nur Umsätze und Gewinne zu maximieren", wenn es um die Lebensmittel-Sicherheit und bäuerliche Existenzen gehe. Er erachtet das 5-Punkte-Sofortprogramm für die Schweinebauern als sehr wichtig. Er sei zuversichtlich, dass es gemeinsam mit Deutschland, Frankreich und anderen Ländern gelinge, die EU-Kommission zur Ergreifung von Marktentlastungs-Maßnahmen zu bringen.

Wlodkowski: Überschwappen des Preisdrucks verhindern

Unterstrichen wurden all diese Forderungen von LK Österreich-Präsident Wlodkowski. Die Schweinebranche sei ein wichtiges Standbein für die österreichischen Bauern. "Wir müssen alles tun, um diesen Sektor in Qualität und Menge zu behalten. Der Preisdruck in Deutschland darf nicht auf die österreichischen Bauern durchschwappen", so Wlodkowski. Die Situation in den letzten Monaten sei schon schlimm genug gewesen. Österreichs Schweinebauern dürften nicht unschuldig zum Handkuss kommen.

AMA-Gütesiegel als Aushängeschild heimischer Qualität

Ferner hob der LK Österreich-Präsident das AMA-Gütesiegel als Aushängeschild der hervorragenden und kontrollierten österreichischen Qualität hervor. "Wir sind froh, dass die Handelsketten mehr und mehr auf dieses Programm aufspringen", so Wlodkowski. In Österreich sei auch deswegen höchste Futtermittel- und folglich Lebensmittelsicherheit gegeben, weil die Schweine überwiegend mit Getreide gefüttert werden, das von den eigenen Feldern der Bauern stammt. So müsse nur ein geringer Teil des Futters zugekauft werden. Für das AMA-Gütesiegel werden die Futtermittel zusätzlich durch das System "pastus" kontrolliert. Eine Dioxinüberprüfung sei enthalten.

Auch der Geschäftsführer der AMA Marketing, Stephan Mikinovic, hatte gestern bei einem Pressegespräch in Berlin betont, dass Konsumenten, die bei Frischfleisch und Verarbeitungsprodukten wie Wurst sicher sein wollten, kein deutsches Schweinefleisch zu sich zu nehmen, zu AMA-Gütesiegel-Produkten greifen sollten. Laut seinen Angaben werden jährlich rund 2 Mio. Schweine von Österreich importiert, die zu 80% aus Deutschland kommen. Wer jedoch AMA-Gütesiegelwurst und -fleisch kaufe, könne sicher sein, heimische Tiere zu essen.

Rohstoff-Herkunftsangabe auch bei Verarbeitungsprodukten gefordert

Angesichts solcher Importzahlen fordert die LK Österreich, dass künftig bei Milch- und Fleischprodukten die Herkunft des Hauptrohstoffs anzugeben ist, wie dies bereits bei Rindfleisch und entsprechenden Erzeugnissen im EU-Recht geregelt sei. Italien habe im Alleingang bereits eine Regelung für die Herkunftsangabe bei Lebensmitteln erarbeitet. Auch bei verarbeiteten Produkten muss demnach das Land angegeben sein, in dem der letzte wichtige Verarbeitungsschritt erfolgt ist und aus dem die Zutaten des Produkts stammen. Diese Bestimmung sei bereits bei der EU-Kommission notifiziert. Wlodkowski bezeichnete diese italienische Herkunftskennzeichnungs-Lösung als Vorbild - auch für Österreich. (Schluss) jun

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