• 21.01.2011, 10:31:50
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Altes Gymnasium für die Kinder der besseren Leut' und neue Mittelschule für den Rest.

Österreichische LehrerInnen Initiative - Unabhängige GewerkschafterInnen für mehr Demokratie orten nur wenig Bewegung bei den Bildungsbetonmischern der ÖVP.

Wien (OTS) - Auf den fünf Seiten des neuen
ÖVP-Bildungsprogramms stehen wie gehabt soziale Selektion der Kinder
im Volksschulalter, die Bewahrung des herkömmlichen Gymnasiums und
als Innovation mittlere Reifeprüfungen nach der vierten Klasse der in
neue Mittelschule umbenannten Hauptschule. Die Ausweitung des
Schulversuchs neue Mittelschule ist die einzige Bewegung, weil sie
das Abgehen vom Bestemm auf die 10% Klausel bei nMS-Schulversuchen
bedeutet, mit einer individuell fördernden und sozial integrativen
ganztägigen Gesamtschule hat die ÖVP nach wie vor nichts am Hut. Von
der Umbenennung versprechen sich ÖVP-Landeshauptleute mehr Bundesgeld
für mehr LandeslehrerInnendienstposten samt Landesverwaltungsposten
für von Land zu Land wechselnde Modelle. Für die HauptschülerInnen
und ihre LehrerInnen dürfen die Arbeitsbedingungen je nach
Landesmodell schon besser werden, wenn nur an der Langform der AHS
nicht gerüttelt wird. Und da hat die ÖVP bereits einen auf
Tüchtigsein und Auslese versessenen Mitstreiter gefunden: FPÖ-Strache
profiliert sich bereits als Verteidiger des abendländischen
Gymnasiums und Abwehrkämpfer gegen jede Art Gesamtschule.

Zwt.: Die ÖVP dreht sich rückwärts um sich selbst

In der ÖVP-Zustimmung zur Ausweitung der Schulversuche und in der
vom Finanzminister und ÖVP-Parteichef in Aussicht gestellten
Ausweitung des Bildungsbudgets zu ihrer Finanzierung sieht die ÖLI-UG
einen Bewegungsansatz, allerdings will sich die ÖVP nur rückwärts um
sich selber drehen. Neue Landes-Mittelschulen ändern nichts am
Selektionsdruck, der Volksschulkindern und ihren LehrerInnen
zugemutet wird, nichts am fragmentiert-zerspragelten
Hauptschul-AHS-Unterstufensystem, nichts am Versickern von
Bundesmitteln in einem von Landespartei-Interessen dominierten
Pflichtschulbereich. Allerdings bietet der Ausweitungs-Passus im
ÖVP-Bildungsprogramm der SPÖ-Bildungsministerin und den
schulreformorientierten Abgeordneten die Chance, die zusätzlichen
Budgetmittel an bundeseinheitliche pädagogische Standards zu binden,
zu denen die Zusammenarbeit jedes Hauptschulstandortes mit einem AHS-
bzw. BMHS-Standort ebenso gehört wie die Öffnung des Schulversuchs
für alle AHS - und hier hätte die AHS-fcg.GÖD ihre Chance, ihre
Schulversuchsboykotterie zu überdenken und dafür einzutreten, dass
auch die AHS-Unterstufe zu zusätzlichen Ressourcen für
Individualisierung und Förderung kommt - und zu Kooperation und
Austausch mit APS-KollegInnen.

Zwt.: Für einen attraktiven LehrerInnenberuf

Dass es in den nächsten Jahren einen LehrerInnenmangel geben wird,
sehen auch die Unabhängigen GewerkschafterInnen als Problem, aber
anders als APS-Vorsitzender Walter Riegler oder der neue
AHS-Vorsitzende Ekkehard Quin, beide fcg.GÖD, nicht als
Killer-Argument gegen notwendige Schulreformen. Ressourcenzuwachs
jetzt! Ähnlich sehen das übrigens auch die InitiatorInnen des
Bildungsvolksbegehrens. Die parteiunabhängige ÖLI-UG versucht, nicht
erst seit dem PV-Wahljahr 2009, mit der Losung "Keine Angst vor
Reformen, her mit den Bildungsmilliarden!" die Freude am Lehrberuf
und die Idee einer anderen, menschenfreundlicheren Schule zu leben.
Die Studierendenzahlen an PHs und Unis steigen, ein verbessertes
Schulsystem mit besseren Lern- und Arbeitsbedingungen, dazu eine
verbesserte und universitäre LehrerInnenbildung befördern die
Attraktivität des Lehrberufes und seine soziale Anerkennung.
Verstärkter Selektionsdruck, Schulangst und soziale Diskriminierung,
ohne die sich Strache und der Retro-Flügel der ÖVP Schule nicht
vorstellen können, bewirken das Gegenteil.

Die ÖVP bewegt sich - sie dreht sich mit ihrem Bildungsprogramm
rückwärts im Kreis. Immerhin. Der großkoalitionäre Jubel darüber ist
unangebracht. Aber wenn vor langem erstarrter Beton ins Drehen kommt,
ist es vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis er zerfällt.

Reinhart Sellner, Ingrid Kalchmair (AHS)
Gabriele Bogdan, Wilfried Mayr (APS)
Katharina Bachmann, Gary Fuchsbauer (BMHS)

Die ÖLI ist eine parteiunabhängige Berufsvereinigung von
LehrerInnen, die sich in Personalvertretung und Gewerkschaft, in
ihrer Zeitung "Kreidekreis" und in Veranstaltungen für die
beruflichen Interessen der LehrerInnen einsetzt. Nach den letzten
Personalvertretungswahlergebnissen repräsentiert die ÖLI 15% der
LehrerInnen (von 10% bei den LandeslehrerInnen bis 26% bei den
BMHS-LehrerInnen).

Rückfragehinweis:
Josef Fuchsbauer: [email protected],Tel: 0680/2124358,
Wilfried Mayr: [email protected], Tel: 0676/5081498,
Reinhart Sellner: [email protected], Tel: 0676/3437521,

Internet: www.oeli-ug.at,

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