Grenzüberschreitende Zusammenarbeit: BMW-Bande festgenommen

Neun Tatverdächtige verursachten einen Gesamtschaden von rund 1,3 Millionen Euro

Wien (OTS) - Aufgrund der akkordierten grenzüberschreitenden Zusammenarbeit des Bundeskriminalamtes, der SOKO-Kfz, des Landeskriminalamtes Wien, der Staatsanwaltschaft Eisenstadt sowie der Budapester Polizei, konnte eine ungarische Tätergruppe ausgeforscht und neun Personen festgenommen werden. Der Bande, die sich auf den Diebstahl von hochpreisigen Modellen der Marken BMW und AUDI spezialisiert hatte, konnten bislang 39 Diebstähle angelastet werden. Der Gesamtschaden beträgt rund 1,3 Millionen Euro.

Seit Juli 2010 kam es im Norden des Burgenlandes vermehrt zu Diebstählen von hochwertigen Fahrzeugen der Marken BMW und AUDI. Auf Grund der verstärkten Polizeipräsenz verlagerten die ungarischen Täter ihren Tätigkeitsbereich ab Mitte August 2010 in die südliche Steiermark und das mittlere Burgenland. Dort konnten diese ungarischen Täter beim versuchten Diebstahl eines AUDI Q7 von der Polizei überrascht werden, jedoch unerkannt auf ungarisches Staatsgebiet flüchten.

Im September 2010 wurde in Podersdorf am See (Burgenland) der ungarische Staatsbürger Bela Jozsef S. beim Versuch des Diebstahles eines BMW X6 und eines BMW X5 auf frischer Tat festgenommen. Als flüchtige Mittäter konnten die ungarischen Staatsbürger Zoltan N. und Zsolt V. ausgeforscht werden. Im Zuge der weiteren gemeinsamen Erhebungen mit der Budapester Polizei konnten insgesamt 22 ungarische Täter und Hehler ausgeforscht sowie insgesamt sieben gestohlene BMW und AUDI in Ungarn sichergestellt werden.

Ab August 2010 war diese Täterbande auch in Wien aktiv. So wurden die ungarischen Staatsbürger Richard H. und Zoltan H. durch Beamte des Landeskriminalamtes Wien beim Diebstahl eines AUDI in Wien auf frischer Tat betreten und festgenommen. Weitere Erhebungen führten auch zur Festnahme eines ungarischen Mittäters namens Balazs V. Der ungarische Staatsangehörige Zoltan N. und zwei weiteren Personen versuchten im September 2010 in Wien ein Fahrzeug der Marke BMW zu entwenden. Den Tätern gelang trotz Schussabgabe die Flucht.

In der Nacht vom 3. auf den 4.Oktober 2010 verübten vier vorerst unbekannte Täter in einer Tiefgarage in Wien-Liesing einen versuchten und drei weitere Diebstähle von Fahrzeugen der Marke BMW. Im Zuge einer polizeilichen Sofortfahndung konnten zwei dieser gestohlenen BMW auf der Autobahn A3 in Fahrtrichtung Ungarn erkannt werden. Ein gestohlener BMW wurde in Eisenstadt sichergestellt. Der zweite Tatverdächtige konnte vorerst mit dem gestohlenen BMW flüchten. Das Fahrzeug wurde kurze Zeit später durch die ungarische Polizei in Budapest in Teile zerlegt aufgefunden. Als Täter konnten die ungarischen Staatsangehörigen Zoltan N., Balazs V., Istvan R. und Tibor T. eindeutig identifiziert werden.

Auf Grund intensiver Strukturermittlungen gelang es weitere Personen dieser Tätergruppierung zuzuordnen. Im Oktober 2010 wurde der ungarische Staatsbürger Balazs V. gemeinsam mit drei weiteren ungarischen Staatsangehörigen einer anderen Tätergruppe festgenommen. Im Zuge dieser Amtshandlung versuchten diese Personen sich der Anhaltung durch die Polizei zu widersetzen und gefährdeten dabei das Leben eines Polizeibeamten und beschädigten ein Dienstfahrzeug. Die Beschuldigten wurden wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und versuchter schwerer Körperverletzung bereits zu mehrjährigen Haftstrafen durch das Landesgericht Eisenstadt verurteilt. Balazs V. konnte eindeutig als Mittäter der BMW-Diebstähle im Oktober 2010 in Wien identifiziert werden. Er ist zu einer Vielzahl von weiteren Kfz-Diebstählen geständig. Der seinerzeitige Mittäter Zoltan N. konnte im November 2010 von Polizistinnen und Polizisten, die im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen (AGM) tätig waren, festgenommen werden. Diese Exekutivbediensteten sind im erweiterten Grenzraum zur Kriminalitätsbekämpfung und Verhinderung der illegalen Migration eingesetzt.

Für Zoltan N., Istvan R. und Tibor T. wurden vom Landesgericht Eisenstadt EU-Haftbefehle erteilt. Tibor T. wurde am 17. Jänner 2011 in Wien festgenommen und in die Justizanstalt Eisenstadt eingeliefert. Der in Wien wohnhafte Tibor T. ist geständig, für diese Tätergruppe mögliche Tatorte und interessante Fahrzeuge ausgekundschaftet und die unmittelbaren Täter bei der Tatausführung unterstützt zu haben.

Istvan R., welcher ebenfalls einen Wohnsitz in Wien hat, wurde am 18. Jänner 2011 aufgrund des EU-Haftbefehles durch Beamte der Budapester Polizei in Budapest festgenommen. Er wird in den nächsten Wochen nach Österreich überstellt werden.

Aufgrund der umfangreichen Strukturermittlungen, der Geständnisse und Aussagen der Beschuldigten und der Vielzahl von Beweismitteln konnten dieser ungarischen Tätergruppe bisher insgesamt 25 vollendete und 14 versuchte Kfz-Diebstähle im Gesamtwert von rund 1,3 Millionen Euro nachgewiesen werden. Weiters liegen bereits Geständnisse zu einer Vielzahl weiterer Kfz-Diebstähle in Wien vor, welche derzeit aber noch keinen konkreten Tatorten zugeordnet werden konnten. Diesbezüglich werden noch weitere Erhebungen geführt.

Tätergruppenstruktur und Modus Operandi:

Die entsprechenden Zielfahrzeuge wurden von in Österreich ansässigen ungarischen Staatsangehörigen ausgesucht und die Standorte an die Mittäter in Ungarn übermittelt. Zur Ausführung der eigentlichen Tat kamen drei bis fünf Personen aus Ungarn. Eine Person öffnete die ausgewählten Fahrzeuge, eine andere veränderte die Fahrzeugsoftware und überwand somit die elektronische Wegfahrsperre. Mehrere Personen wurden als Fahrer für den Transport der gestohlenen Fahrzeuge nach Ungarn eingesetzt.

Unmittelbar nach dem Diebstahl wurden die Fahrzeuge über kleine ehemalige Grenzübergänge im Burgenland, wie zum Beispiel Andau, St.Margarethen, Klingenbach, nach Ungarn überstellt und dort abgestellt. Die gestohlenen Fahrzeuge wurden um ungefähr zehn Prozent des Zeitwertes verkauft. Als Hehler konnten die ungarischen Staatsangehörigen Jozsef S. und Levente T. ausgeforscht werden. Von diesen wurden die gestohlenen Fahrzeuge in Teile zerlegt und weiterverkauft oder die Identitätsmerkmale der Fahrzeuge so verändert, dass mittels gefälschter Dokumente eine ungarische Zulassung erschlichen werden konnte. Die weiteren Erhebungen gegen diese Hehler werden durch die ungarischen Behörden geführt. Für einen Teil der gestohlenen Fahrzeuge lagen bereits Bestellungen vor. Sie wurden daher von den Tätern aufgrund der Farben und Ausstattung gezielt ausgesucht.

Rückfragen & Kontakt:

Helmut Greiner, Oberst
Pressesprecher des Bundeskriminalamtes
Mobil: 0043 664 8132128

Andreas Kummer, Chefinspektor
SOKO Kfz
Mobil: 0043 664 4242008

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | BUK0001