Nationaler Gewässerbewirtschaftungsplan 2009 liegt vor Auswirkungen des Klimawandels auf die heimischen Gewässer

Wien (PK) - Der Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft hat dem Nationalrat kürzlich den -
alle sechs Jahre erscheinenden - Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan (III-198 d.B.) zur Debatte und Kenntnisnahme vorgelegt. In Form von "Steckbriefen" zu Donau,
Rhein und Elbe dokumentiert das zweibändige Werk die Hydrogeographie der österreichischen Flussgebiete mit allen signifikanten Belastungen und menschlichen Einwirkungen auf den Gewässerzustand. Auf dieser Grundlage informieren die Autoren
über Planungen und Maßnahmen, die auf eine wasserwirtschaftliche Ordnung zielen, in der alle Lebens- und Wirtschaftsverhältnisse aufeinander abgestimmt sind. Alle Schutzgebiete werden
aufgelistet und die Programme zur stufenweisen Verbesserung des Zustandes der Gewässer samt Prioritätenreihung und Hinweis auf
die zuständigen Behörden dargestellt. Gewässerabschnitte sind nach dem Grad ihrer Veränderung durch Aktivitäten des Menschen bewertet und Fortschritte angeführt. Dazu kommen Analysen zum wirtschaftlichen Wassergebrauch, die Darstellung der Überwachungsnetze und ein Überblick zu den Umweltzielen für Oberflächengewässer, Grundwasser und Schutzgebiete.

Auswirkungen des Klimawandels auf die Gewässer

Ein spezielles Kapitel des Berichts dokumentiert auf Basis eines Berichts von Experten des Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverbandes die schon erkennbaren und messbaren Folgen des Klimawandels auf die österreichischen Gewässer. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Temperaturen bis zum
Ende des Jahrhunderts im Jahresmittel um bis zu 4,5 Grad Celsius steigen werden, wobei die Erwärmung im Sommer ausgeprägter sein wird. Die Alpen bilden in Europa eine Übergangsregion zwischen
dem Süden, wo mit steigender Trockenheit zu rechnen ist, und dem Norden, der zunehmende Niederschlägen erwartet. Prognosen über Veränderungen bei den Niederschlägen in den Alpenregionen sind daher schwierig, allgemein sind tendenziell abnehmende Sommerniederschläge und zunehmende Winterniederschläge zu erwarten.

Hochwässer - kleine Einzugsgebiete durch Starkregen gefährdet

Kein klares Bild besteht daher hinsichtlich der Häufigkeit
extremer Hochwasserereignisse. Allgemein ist im Winter mit einer Zunahme des Abflussgeschehens zu rechnen, im Sommer hingegen mit einem signifikanten Rückgang. Mittlere und große Einzugsgebiete erwarten keine Veränderungen. Handlungsbedarf sehen die Experten aber wegen tendenziell zunehmender Starkniederschläge in
kleineren Einzugsgebieten. Auch seien Maßnahmen notwendig, um dem Mehreintrag von Nährstoffen in die Gewässer zu begegnen. Im hochalpinen Bereich wird der Anstieg der Permafrostgrenzen einen zusätzlichen Geschiebeeintrag in die Gewässer bewirken. Zentrale Bedeutung sprechen die Autoren des Berichts dem Schutz der vorhandenen Retentionsräume zu und machen darauf aufmerksam, dass die EU-Hochwasserrichtlinie Maßnahmen verbietet, die das Hochwasserrisiko anderer Länder erhöhen.

Die zunehmende Sommerdürre und ihre Auswirkungen auf Gewässer

In den häufigeren und intensiveren Trockenwetterperioden werden
die Bauern in den Trockengebieten im Norden, Osten und Südosten ihre Kulturen vermehrt bewässern, was - zusätzlich zu den Folgen verstärkter Verdunstung - die Grundwasserneubildung beeinträchtigen und die Sanierung belasteter Grundwässer erschweren und verzögern wird. In der Oststeiermark wird die jährliche Grundwasserneubildung um bis zu 40 % und im Marchfeld
um bis zu 60 % zurückgehen, heißt es im Gewässerbewirtschaftungsplan 2009.

Der wachsende Bewässerungsbedarf bei Sommerkulturen wie Mais, Zuckerrüben und Gemüse wird in Zeiten extrem niedriger Wasserstände auch gravierende Auswirkungen auf die Ökologie der Gewässer haben. Mittel- und langfristig wird es daher notwendig sein, Wasser in der Fläche zurückzuhalten, wassersparend zu bewässern, Grundwasser künstlich anzureichern und die Sicherheit der Trinkwasserversorgung durch einen erweiterten Netzverbund zu erhöhen, raten die Experten.

Mehr Wasserkraft im Winter, weniger im Sommer

Erhöhte Verdunstung durch steigende Temperaturen wird die Jahresabflusssumme der Gewässer bis zum Ende des Jahrhunderts um bis zu 18 % reduzieren, wobei die Winterabflüsse leicht steigen, die Niederwasserperioden im Sommer aber häufiger und länger werden. Die Wasserkraftproduktion wird im Winter zunehmen, also
dem tatsächlichen Bedarf besser als bisher angepasst sein. Das Auftauen der alpinen Permafrostböden wird Steinschlag und Hangrutschungen auslösen, den Sedimenthaushalt der Flüsse verändern und Probleme für Wasserkraftanlagen mit sich bringen. Höhere Wassertemperaturen werden das Artenspektrum in den Flüssen verändern: Der Lebensraum kälteliebender Arten wird sich auf Kosten wärmeliebender Arten verkleinern.

In den Alpen werden sich die Klimazonen um 400 bis 600 Höhenmeter bergwärts verschieben und der Schneeanteil am Niederschlag um bis zu 50 % zurückgehen. Daher ist in den Wintertourismusgebieten ein Ausbau der Beschneiungsanlagen samt Errichtung zusätzlicher und größerer Beschneiungsteiche zu erwarten. Dabei halten es die Experten für notwendig, Füllregeln für die Beschneiungsreservoirs zu entwickeln und zusätzliche Entnahmen bei niedrigem Wasserstand der Flüsse zu verringern.

Die Autoren des Berichts regen an, ein Messstellennetz zur Beobachtung der verschiedenen Klimaeinflüsse (Niederschläge, Temperatur, Abflüsse, Wassertemperaturen, Schneedecken)
aufzubauen, um die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wasserhaushalt langfristig zu beobachten. Unter dem Titel "Anpassungsstrategien an den Klimawandel für Österreichs Wasserwirtschaft" wird die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik gemeinsam mit der Technischen Universität Wien eine weitere Studie zum Thema vorlegen. (Schluss)

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