- 17.01.2011, 14:27:30
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Nationaler Gewässerbewirtschaftungsplan 2009 liegt vor Auswirkungen des Klimawandels auf die heimischen Gewässer
Wien (PK) - Der Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft,
Umwelt und Wasserwirtschaft hat dem Nationalrat kürzlich den -
alle sechs Jahre erscheinenden - Nationalen
Gewässerbewirtschaftungsplan (III-198 d.B.) zur Debatte und
Kenntnisnahme vorgelegt. In Form von "Steckbriefen" zu Donau,
Rhein und Elbe dokumentiert das zweibändige Werk die
Hydrogeographie der österreichischen Flussgebiete mit allen
signifikanten Belastungen und menschlichen Einwirkungen auf den
Gewässerzustand. Auf dieser Grundlage informieren die Autoren
über Planungen und Maßnahmen, die auf eine wasserwirtschaftliche
Ordnung zielen, in der alle Lebens- und Wirtschaftsverhältnisse
aufeinander abgestimmt sind. Alle Schutzgebiete werden
aufgelistet und die Programme zur stufenweisen Verbesserung des
Zustandes der Gewässer samt Prioritätenreihung und Hinweis auf
die zuständigen Behörden dargestellt. Gewässerabschnitte sind
nach dem Grad ihrer Veränderung durch Aktivitäten des Menschen
bewertet und Fortschritte angeführt. Dazu kommen Analysen zum
wirtschaftlichen Wassergebrauch, die Darstellung der
Überwachungsnetze und ein Überblick zu den Umweltzielen für
Oberflächengewässer, Grundwasser und Schutzgebiete.
Auswirkungen des Klimawandels auf die Gewässer
Ein spezielles Kapitel des Berichts dokumentiert auf Basis eines
Berichts von Experten des Österreichischen Wasser- und
Abfallwirtschaftsverbandes die schon erkennbaren und messbaren
Folgen des Klimawandels auf die österreichischen Gewässer.
Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Temperaturen bis zum
Ende des Jahrhunderts im Jahresmittel um bis zu 4,5 Grad Celsius
steigen werden, wobei die Erwärmung im Sommer ausgeprägter sein
wird. Die Alpen bilden in Europa eine Übergangsregion zwischen
dem Süden, wo mit steigender Trockenheit zu rechnen ist, und dem
Norden, der zunehmende Niederschlägen erwartet. Prognosen über
Veränderungen bei den Niederschlägen in den Alpenregionen sind
daher schwierig, allgemein sind tendenziell abnehmende
Sommerniederschläge und zunehmende Winterniederschläge zu
erwarten.
Hochwässer - kleine Einzugsgebiete durch Starkregen gefährdet
Kein klares Bild besteht daher hinsichtlich der Häufigkeit
extremer Hochwasserereignisse. Allgemein ist im Winter mit einer
Zunahme des Abflussgeschehens zu rechnen, im Sommer hingegen mit
einem signifikanten Rückgang. Mittlere und große Einzugsgebiete
erwarten keine Veränderungen. Handlungsbedarf sehen die Experten
aber wegen tendenziell zunehmender Starkniederschläge in
kleineren Einzugsgebieten. Auch seien Maßnahmen notwendig, um dem
Mehreintrag von Nährstoffen in die Gewässer zu begegnen. Im
hochalpinen Bereich wird der Anstieg der Permafrostgrenzen einen
zusätzlichen Geschiebeeintrag in die Gewässer bewirken. Zentrale
Bedeutung sprechen die Autoren des Berichts dem Schutz der
vorhandenen Retentionsräume zu und machen darauf aufmerksam, dass
die EU-Hochwasserrichtlinie Maßnahmen verbietet, die das
Hochwasserrisiko anderer Länder erhöhen.
Die zunehmende Sommerdürre und ihre Auswirkungen auf Gewässer
In den häufigeren und intensiveren Trockenwetterperioden werden
die Bauern in den Trockengebieten im Norden, Osten und Südosten
ihre Kulturen vermehrt bewässern, was - zusätzlich zu den Folgen
verstärkter Verdunstung - die Grundwasserneubildung
beeinträchtigen und die Sanierung belasteter Grundwässer
erschweren und verzögern wird. In der Oststeiermark wird die
jährliche Grundwasserneubildung um bis zu 40 % und im Marchfeld
um bis zu 60 % zurückgehen, heißt es im
Gewässerbewirtschaftungsplan 2009.
Der wachsende Bewässerungsbedarf bei Sommerkulturen wie Mais,
Zuckerrüben und Gemüse wird in Zeiten extrem niedriger
Wasserstände auch gravierende Auswirkungen auf die Ökologie der
Gewässer haben. Mittel- und langfristig wird es daher notwendig
sein, Wasser in der Fläche zurückzuhalten, wassersparend zu
bewässern, Grundwasser künstlich anzureichern und die Sicherheit
der Trinkwasserversorgung durch einen erweiterten Netzverbund zu
erhöhen, raten die Experten.
Mehr Wasserkraft im Winter, weniger im Sommer
Erhöhte Verdunstung durch steigende Temperaturen wird die
Jahresabflusssumme der Gewässer bis zum Ende des Jahrhunderts um
bis zu 18 % reduzieren, wobei die Winterabflüsse leicht steigen,
die Niederwasserperioden im Sommer aber häufiger und länger
werden. Die Wasserkraftproduktion wird im Winter zunehmen, also
dem tatsächlichen Bedarf besser als bisher angepasst sein. Das
Auftauen der alpinen Permafrostböden wird Steinschlag und
Hangrutschungen auslösen, den Sedimenthaushalt der Flüsse
verändern und Probleme für Wasserkraftanlagen mit sich bringen.
Höhere Wassertemperaturen werden das Artenspektrum in den Flüssen
verändern: Der Lebensraum kälteliebender Arten wird sich auf
Kosten wärmeliebender Arten verkleinern.
In den Alpen werden sich die Klimazonen um 400 bis 600 Höhenmeter
bergwärts verschieben und der Schneeanteil am Niederschlag um bis
zu 50 % zurückgehen. Daher ist in den Wintertourismusgebieten ein
Ausbau der Beschneiungsanlagen samt Errichtung zusätzlicher und
größerer Beschneiungsteiche zu erwarten. Dabei halten es die
Experten für notwendig, Füllregeln für die Beschneiungsreservoirs
zu entwickeln und zusätzliche Entnahmen bei niedrigem Wasserstand
der Flüsse zu verringern.
Die Autoren des Berichts regen an, ein Messstellennetz zur
Beobachtung der verschiedenen Klimaeinflüsse (Niederschläge,
Temperatur, Abflüsse, Wassertemperaturen, Schneedecken)
aufzubauen, um die Auswirkungen des Klimawandels auf den
Wasserhaushalt langfristig zu beobachten. Unter dem Titel
"Anpassungsstrategien an den Klimawandel für Österreichs
Wasserwirtschaft" wird die Zentralanstalt für Meteorologie und
Geodynamik gemeinsam mit der Technischen Universität Wien eine
weitere Studie zum Thema vorlegen. (Schluss)
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