TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 6. Jänner 2011 von Peter Nindler "Das politische Klima und der Generalverdacht"

Die Betroffenheit über die Briefbombenattrappe rechtfertigt keinen General-verdacht. Politisches Feingefühl ist gefragt.

Innsbruck (OTS) - Wenn Dinkhauser die Bauern und indirekt Toni Steixner für die Briefbombenattrappe verantwortlich macht, ist das letztklassig.

Hoffentlich wird der Absender der Briefbombenattrappe an Bürgerforums-Mandatar Andreas Brugger geschnappt und mit allen Konsequenzen zur Rechenschaft gezogen. Es war ein hinterhältiger und feiger Versuch, einzuschüchtern und Angst zu verbreiten. Ob auch Hass im Zusammenhang mit der Agrargemeinschaftsdebatte mitgespielt hat, wird sich erst bei Ausforschung des Täters klären lassen - ist letztlich aber unerheblich. Denn es geht darum, eine spürbare Radikalisierung in Worten und Taten zu bekämpfen, aber nicht Generalverdächtigungen auszusprechen.

Ein politischer Schulterschluss gegen Radikalisierungstendenzen aller Art wäre notwendig, aber die Reaktion von Bürgerforum-Chef Fritz Dinkhauser beweist, wie er zwanghaft versucht, noch draufzuhauen, anstatt politisches Feingefühl an den Tag zu legen. Seine Bürgerpolitik und sein Einsatz in der Agrardebatte haben einen Nachdenkprozess in Tirol eingeleitet, doch Dinkhauser überschreitet wegen seines biblischen Hasses auf Agrarreferent LHStv. Toni Steixner und die Bauernfunktionäre selbst politische Grenzen. Wenn er indirekt Steixner und den VP-Bauernbund für die Briefbombenattrappe verantwortlich macht, so ist das letztklassig - nicht nur politisch.

Bauernbund und Dinkhauser haben sich in den vergangenen Jahren verbal nichts geschenkt, keiner war zimperlich. Doch die verständliche Betroffenheit Dinkhausers über die Briefbombenattrappe rechtfertigt sicher keinen Generalverdacht gegen den politischen Kontrahenten. Mit seinen Attacken auf Steixner und Co. heizt er das politische Klima nur noch weiter an. Fritz Dinkhauser sollte deshalb einmal darüber nachdenken, dass auch er als Oppositionspolitiker Verantwortung für die Politik im Lande trägt.

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