Erwartete demographische Entwicklung wird Aufwendungen für Sachleistungen in der langfristigen Pflege steigern

Wien (OTS/WIFO) - Derzeit teilen sich die öffentliche Hand und die privaten Haushalte die Finanzierung des Pflegebedarfs in Österreich etwa in einem Verhältnis von 1 : 1. Mit den vorhandenen Mitteln werden monetäre und Sachleistungen finanziert: das Pflegegeld, die Eigenvorsorge bzw. die Unterstützung durch pflegende Angehörige und die Sachleistungen sozialer Dienste. Insgesamt gab die öffentliche Hand 2008 4,1 Mrd. Euro für Pflegeleistungen aus; die privaten Haushalte trugen direkte Kosten aus Eigenleistungen, Selbstbehalten und Kostenbeiträgen von 550 Mio. Euro und indirekte Kosten durch informelle Pflegeleistungen im Ausmaß von 2,7 Mrd. Euro. Der erwartete demographische Wandel stellt das System der Pflegeleistung vor große finanzielle Herausforderungen.

Gemäß der demographischen Prognose von Statistik Austria aus dem Jahr 2009 wird der Anteil der Personen im Alter von 65 oder mehr Jahren an der gesamten Bevölkerung von derzeit 17,6% (2009) auf 24,18% (2030) und 28,1% (2050) steigen. Der Großteil der Pflegeleistungen fällt aber für die Altersgruppe der über 80-Jährigen an: Rund die Hälfte Personen, die Pflegegeld beziehen, sind mindestens 81 Jahre alt. Der Anteil dieser Altersgruppe wird von derzeit 4,8% (2009) der Bevölkerung auf 7% (2030) und 11,5% (2050) steigen (Abbildung 1). Da die Bevölkerung bis dahin weiter wächst, nimmt die Zahl der Personen in dieser Altersgruppe von 400.000 auf 1,090.000 noch deutlicher zu.

Diese Entwicklung der Bevölkerungsstruktur würde selbst bei gleichbleibender Pflegeinzidenz einen steigenden Bedarf an Pflegeleistungen mit sich bringen. Der demographische Wandel hat jedoch auch potentiell kostensenkende Folgen. Die Mehrzahl medizinischer Untersuchungen deutet darauf hin, dass sich mit dem Anstieg der Lebenserwartung und der Verbesserung der medizinischen Vorsorge die Phase des Pflegebedarfs verkürzt bzw. die in Gesundheit verbrachte Zeit länger sein wird. Gemäß einer darauf aufbauenden langfristigen Projektion des WIFO dürfte diese "Kompression" der Pflegephase dennoch nicht ausreichen, um die Dynamik der Aufwendungen für Sachleistungen in der Pflege nachhaltig zu dämpfen. Der Aufwand für Sachleistungen wird von 0,5% des BIP (2008) auf bis zu 1,5% des BIP (2030) steigen.

Abbildung 1: Bedeutung der über 80-Jährigen in der österreichischen Bevölkerung0 - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

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