Der Standard Kommentar: "Ernsthaft und hoffnungslos" von Eric Frey

Straches Israel-Offensive // Ausgabe vom 23.12.2010

Wien (OTS) - Claus Pándi hat seine Krone.tv-Doku über Heinz-Christian Straches Israel-Besuch vor allem dazu benutzt, um sich über die Abenteuer des FP-Chefs im Heiligen Land lustig zu machen, und Kritiker sehen in der Reise sowie Straches jüngste Anbiederung an die israelische Rechte die Kosmetik eines Unverbesserlichen. Aber hinter dem, was Strache und sein Einflüsterer Andreas Mölzer tun, steht ein ernsthaftes Projekt, das einiges über die Visionen der FPÖ aussagt.
Strache will Österreichs drittes Lager neu positionieren - weg von NS-Nostalgie und Antisemitismus hin zum modernen Anti-Islamismus. Ohne braunen Ballast, so die Überlegung, spricht man neue Wähler an und findet leichter Koalitionspartner. Sein Vorbild ist der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders, der Muslime verteufelt und das von Hamas und Hisbollah bedrohte Israel als Verbündeten in diesem Kampf sieht. Diese Allianz schließt auch jüdisch-europäische Intellektuelle wie Henryk Broder und Leon de Winter ein, die offen vor dem Islamismus warnen.
Es ist gut möglich, dass Strache wirklich dorthin will. Deshalb war ihm schon bei der Präsidentschaftskandidatur des nationalen Urgesteins Barbara Rosenkranz so unwohl. Mögen seine Gesinnungsgenossen im Osten, wie etwa Jobbik in Ungarn, in alter Sitte gegen Juden und Roma wettern - in Westeuropa definiert sich der neue, schicke Rechtspopulismus lieber als Pendant zur amerikanischen Tea Party und ihrer Anführerin Sarah Palin.
Antiislamismus ist auch eine Form der Hetze, aber angesichts des schrecklichen geschichtlichen Erbes wäre es bereits ein Fortschritt, wenn auch Österreichs Rechte den Antisemitismus und die Beschönigung der NS-Zeit hinter sich lassen würde. Man kann Strache auf seinem Weg daher viel Glück wünschen. Allerdings sind die Chancen, dass er ihn zu Ende geht, sehr gering.
Straches eigene Sozialisierung in der Burschenschaftsbewegung, die entgegen Mölzers krausen Thesen sehr wohl eine Säule des Nationalsozialismus war, macht ihm die Verwandlung zum Judenfreund sehr schwer; das beweist sein Fauxpas, mit einer Burschenschafter-Kappe in die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem zu gehen. Dazu kommt, dass antisemitische - und antiisraelische - Töne unter seinen Parteifreunden und Wählern viel zu gut ankommen, als dass ein leidenschaftlicher Populist wie Strache ganz darauf verzichten kann.
Auch Jörg Haider, für den Strache und Mölzer zu rechts waren, ist einst in Kanada im Schnee herumgetappt, weil er auf einer jüdisch-orthodoxen Hochzeit seinen Philo-_semitismus beweisen wollte. Am Ende hat ihn die emotionale Loyalität zu seinen Nazi-Eltern immer eingeholt.
Der Italiener Gianfranco Fini hat Jahrzehnte gebraucht, um sich vom Neofaschisten zum gemäßigten Konservativen zu wandeln, der von führenden israelischen Politikern empfangen wird. Straches Verbrüderung mit rechtsextremen israelischen Siedlern ist im Vergleich dazu läppisch.
Wenn der FP-Chef wirklich einen Schlussstrich zur braunen Vergangenheit seiner Bewegung ziehen will, dann müsste er nicht nur klare Worte sprechen, sondern sich von jedem trennen, der die NS-Ideologie nicht bedingungslos verurteilt. Doch dann wäre seine Partei leergefegt.

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