• 22.12.2010, 18:11:08
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Der Standard Kommentar: "Ernsthaft und hoffnungslos" von Eric Frey

Straches Israel-Offensive // Ausgabe vom 23.12.2010

Wien (OTS) - Claus Pándi hat seine Krone.tv-Doku über
Heinz-Christian Straches Israel-Besuch vor allem dazu benutzt, um
sich über die Abenteuer des FP-Chefs im Heiligen Land lustig zu
machen, und Kritiker sehen in der Reise sowie Straches jüngste
Anbiederung an die israelische Rechte die Kosmetik eines
Unverbesserlichen. Aber hinter dem, was Strache und sein Einflüsterer
Andreas Mölzer tun, steht ein ernsthaftes Projekt, das einiges über
die Visionen der FPÖ aussagt.
Strache will Österreichs drittes Lager neu positionieren - weg von
NS-Nostalgie und Antisemitismus hin zum modernen Anti-Islamismus.
Ohne braunen Ballast, so die Überlegung, spricht man neue Wähler an
und findet leichter Koalitionspartner. Sein Vorbild ist der
niederländische Rechtspopulist Geert Wilders, der Muslime verteufelt
und das von Hamas und Hisbollah bedrohte Israel als Verbündeten in
diesem Kampf sieht. Diese Allianz schließt auch jüdisch-europäische
Intellektuelle wie Henryk Broder und Leon de Winter ein, die offen
vor dem Islamismus warnen.
Es ist gut möglich, dass Strache wirklich dorthin will. Deshalb war
ihm schon bei der Präsidentschaftskandidatur des nationalen
Urgesteins Barbara Rosenkranz so unwohl. Mögen seine
Gesinnungsgenossen im Osten, wie etwa Jobbik in Ungarn, in alter
Sitte gegen Juden und Roma wettern - in Westeuropa definiert sich der
neue, schicke Rechtspopulismus lieber als Pendant zur amerikanischen
Tea Party und ihrer Anführerin Sarah Palin.
Antiislamismus ist auch eine Form der Hetze, aber angesichts des
schrecklichen geschichtlichen Erbes wäre es bereits ein Fortschritt,
wenn auch Österreichs Rechte den Antisemitismus und die Beschönigung
der NS-Zeit hinter sich lassen würde. Man kann Strache auf seinem Weg
daher viel Glück wünschen. Allerdings sind die Chancen, dass er ihn
zu Ende geht, sehr gering.
Straches eigene Sozialisierung in der Burschenschaftsbewegung, die
entgegen Mölzers krausen Thesen sehr wohl eine Säule des
Nationalsozialismus war, macht ihm die Verwandlung zum Judenfreund
sehr schwer; das beweist sein Fauxpas, mit einer
Burschenschafter-Kappe in die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem zu
gehen. Dazu kommt, dass antisemitische - und antiisraelische - Töne
unter seinen Parteifreunden und Wählern viel zu gut ankommen, als
dass ein leidenschaftlicher Populist wie Strache ganz darauf
verzichten kann.
Auch Jörg Haider, für den Strache und Mölzer zu rechts waren, ist
einst in Kanada im Schnee herumgetappt, weil er auf einer
jüdisch-orthodoxen Hochzeit seinen Philo-_semitismus beweisen wollte.
Am Ende hat ihn die emotionale Loyalität zu seinen Nazi-Eltern immer
eingeholt.
Der Italiener Gianfranco Fini hat Jahrzehnte gebraucht, um sich vom
Neofaschisten zum gemäßigten Konservativen zu wandeln, der von
führenden israelischen Politikern empfangen wird. Straches
Verbrüderung mit rechtsextremen israelischen Siedlern ist im
Vergleich dazu läppisch.
Wenn der FP-Chef wirklich einen Schlussstrich zur braunen
Vergangenheit seiner Bewegung ziehen will, dann müsste er nicht nur
klare Worte sprechen, sondern sich von jedem trennen, der die
NS-Ideologie nicht bedingungslos verurteilt. Doch dann wäre seine
Partei leergefegt.

Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

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