• 21.12.2010, 10:30:11
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  • OTS0059 OTW0059

Erwerbsinaktivität und soziale Sicherungssysteme - Österreich im europäischen Vergleich

Wien (OTS/WIFO) - Im europäischen Vergleich sind in Österreich
überdurchschnittlich viele Personen im erwerbsfähigen Alter
erwerbstätig. Auch ist der Anteil der Arbeitslosen relativ niedrig.
Ein Vergleich der Größe und Struktur der Nichterwerbspersonen deutet
allerdings auf ein verhältnismäßig großes ungenutztes
Erwerbspotential insbesondere unter Frauen mit Betreuungspflichten
und Älteren hin.

Die Arbeitslosenquote bildet den Umfang des unausgeschöpften
Erwerbspotentials nur unzureichend ab, da auch unter den
Erwerbsinaktiven potentiell Erwerbstätige sind. Eine Analyse der
beschäftigungspolitischen Performance einer Volkswirtschaft sollte
demnach nicht nur auf den Indikatoren Erwerbstätigenquote und
Arbeitslosenquote beruhen, sondern auch den Anteil der
Nichterwerbspersonen berücksichtigen.

Österreich weist in einem Vergleich mit acht europäischen Ländern
(Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Großbritannien,
Niederlande, Schweden und Slowenien) eine leicht
überdurchschnittliche Erwerbstätigenquote und einen relativ geringen
Anteil der Arbeitslosen auf. Gleichzeitig liegt der Anteil der
Nichterwerbspersonen leicht über dem Durchschnitt. Im Jahr 2008 waren
von der 15- bis 64-jährigen Bevölkerung 72,1% erwerbstätig
(Länderdurchschnitt 71,8%), 25,0% erwerbsinaktiv (Länderdurchschnitt
24,3%) und 2,9% arbeitslos (Länderdurchschnitt 4,0%).

Gemäß den europäisch vergleichbaren Arbeitsmarktdaten aus der
Arbeitskräfteerhebung, einer regelmäßigen und repräsentativen
Befragungen, ist der Anteil der Nichterwerbspersonen, die angeben,
arbeitsbereit zu sein, aber nicht aktiv nach Arbeit suchen, in
Österreich am höchsten unter den untersuchten Ländern. Im Jahr 2008
gaben 26,2% der Nichterwerbspersonen (rund 365.000 Personen) an,
arbeiten zu wollen, obwohl sie nicht nach Arbeit suchten. 2,6% der
Nichterwerbspersonen waren grundsätzlich arbeitsbereit, aber
kurzfristig nicht verfügbar. In Österreich besteht dementsprechend
ein großes ungenutztes Erwerbspotential.

Die Größe und auch die Zusammensetzung der Gruppe der
Nichterwerbspersonen unterscheiden sich in den untersuchten Ländern.
Diese Unterschiede spiegeln die jeweilige Ausgestaltung des Bildungs-
und Sozialsystems wider. Insgesamt haben Ausbildung und berufliche
Fortbildung, aber auch Krankheit oder Erwerbsunfähigkeit als Gründe
der Erwerbsinaktivität geringe Bedeutung. Im Jahr 2008 waren in
Österreich 7,0% der 15- bis 64-jährigen Bevölkerung aufgrund von
Ausbildung oder beruflicher Fortbildung erwerbsinaktiv, im
Durchschnitt der acht Vergleichsländer waren es 8,0%. Aus
gesundheitlichen Gründen waren in Österreich 2,2% vorübergehend oder
dauerhaft erwerbsinaktiv, in den Vergleichsländern mehr als doppelt
so viele (4,7%). Andererseits war aufgrund von Ruhestand mit 8,6% ein
überdurchschnittlich hoher Anteil der Personen zwischen 15 und 64
Jahren erwerbsinaktiv, in den Vergleichsländern waren es 5,5%. Auch
der Anteil der Erwerbsinaktiven aufgrund von Betreuungspflichten
gegenüber Kindern oder pflegebedürftigen Erwachsenen liegt in
Österreich mit 2,8% über dem Durchschnitt von 1,9%. Zudem spielen
"andere persönliche oder familiäre Gründe" in Österreich mit 2,9%
(Länderdurchschnitt 1,5%) eine überdurchschnittliche Rolle.

Abbildung 1: Bevölkerung in Österreich (15 bis 64 Jahre) nach
Erwerbsstatus und Gründen der Erwerbsinaktivität - auf der
WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Ein besonderes Potential für eine etwaige Steigerung der
Erwerbsbeteiligung scheint in Österreich bei zwei Gruppen gegeben zu
sein: Frauen im Haupterwerbsalter (25- bis 49-Jährige) mit
Betreuungspflichten und ältere Frauen und Männer (50- bis 64-Jährige)
im Ruhestand. Ein wichtiger Ansatzpunkt zur Erhöhung der
Erwerbstätigkeit von Frauen liegt in einem forcierten Ausbau der
institutionellen Kinderbetreuung in quantitativer und qualitativer
Hinsicht. Auch eine Verstärkung der Anreize zu einer
partnerschaftlichen Aufteilung der Elternkarenz und Betreuungsarbeit
dient der besseren Integration der Frauen in den Arbeitsmarkt.

Mit einem vergleichsweise niedrigen Pensionsantrittsalter der
Frauen und den Möglichkeiten zum vorzeitigen Pensionsübertritt
(Korridorpension, Langzeitversichertenpension) weist Österreich einen
hohen Anteil an Erwerbsinaktiven in der Altersgruppe der 55- bis
64-Jährigen auf.

Vor diesem Hintergrund müssten Maßnahmen zur Verbesserung der
Arbeitsmarktintegration der Älteren einerseits darauf abzielen, die
individuelle Beschäftigungs- und Arbeitsfähigkeit bis zum
Regelpensionsalter zu erhalten. Andererseits sollten die
sozialrechtlichen Anreize zu einer längeren Erwerbstätigkeit
verstärkt werden. Darüber hinaus sind nachhaltige Strukturänderungen
auf der betrieblichen Ebene erforderlich, um altersgerechte
Arbeitsplätze zu forcieren und so die Möglichkeit eines späteren
Erwerbsaustritts zu schaffen.

Abbildung 2: Gründe der Erwerbsinaktivität der 15- bis 64-jährigen
Nichterwerbspersonen - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Rückfragen bitte am 21. Dezember 2010 an
Mag. Christine Mayrhuber, Tel. (1) 798 26 01/269,
[email protected] (9:00 bis 13:30 Uhr),
MMag. Rainer Eppel, Tel. (1) 798 26 01/328, [email protected]
(10:00 bis 17:00 Uhr).

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
12/2010
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=40978&typeid=8&
display_mode=2).

Rückfragehinweis:
Mag. Christine Mayrhuber (WIFO), Tel. (1) 798 26 01/269, [email protected] (9:00 bis 13:30 Uhr),
MMag. Rainer Eppel (wiiw), Tel. (1) 798 26 01/328, [email protected] (10:00 bis 17:00 Uhr)

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