- 14.12.2010, 11:47:59
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Leicht verbesserte USDA-Weizenbilanz vorerst ohne Einfluss auf Preise
USDA: Mehr Futterweizen - bessere Qualitäten rar - COPA/COGECA fordern starke GAP
Wien (OTS/aiz.info) - Die am Markt mit Interesse erwartete und am
vergangenen Freitag nachmittags veröffentlichte monatliche Schätzung
der globalen Getreidebilanzen des US-Landwirtschaftsministeriums USDA
weist zwar im Monatsabstand eine leichte Zunahme der globalen
Weizenerzeugung 2010/11 und der Endlager sowie überraschend auch der
Endbestände an Mais in den USA aus, konnte aber den knapp versorgten
Märkten nichts an ihrer Nervosität nehmen und blieb daher zu Beginn
der Woche ohne großen Einfluss auf die Kurse an den internationalen
Warenterminbörsen. Die weltweiten Getreidebilanzen bleiben 2010/11 im
tiefroten Bereich, vor allem hochwertiger Brotweizen bleibt trotz
eines Plus an Futterweizen knapp und bereiten die Aufgangsbedingungen
für die Wintersaaten zur kommenden Ernte 2011 weiterhin Sorgen. Von
einer neuen Richtung, die der USDA-Bericht den Märkten geben könnte,
war zu Wochenbeginn nur mehr wenig die Rede. Es hieß vielmehr an den
internationalen Warenterminbörsen, die Weizen- und Getreidekurse
könnten dieser Tage bestenfalls eine Atempause einlegen, in der Folge
bestehe aber weiterhin bullishes Sentiment.
Der europäische Weizenfutures an der Euronext in Paris für den
Fronttermin Jänner 2011 befand sich am vergangenen Freitag sogar
neuerlich um EUR 1,75 pro t im Plus und schloss auf einem
Kontrakthoch von EUR 242,- pro t und nahe einem
Zweieinhalb-Jahres-Hoch. In den USA gab der Futures für den
qualitativ schwächeren Soft Red Winter an der Chicagoer CBOT am
Freitag wegen Gewinnmitnahmen leicht nach, aber in Minneapolis
schloss der hochwertige Hard Red Spring ebenfalls im Plus. Am Montag
drehten die Kurse an den US-Börsen - auch wegen eines schwächeren
US-Dollars und der in China wieder abgeblasenen Leitzinserhöhung -
aber wieder ins Plus. Übrigens notierte am Montag an der CBOT wegen
der Trockenheit im Weizengürtel der USA erstmalig die neue Ernte 2011
höher als der vorderste Liefertermin. Unter anderem im Zuge der
Verteuerung von Rohöl schlossen in Chicago auch Mais und der
Sojakomplex deutlich im Plus. An der Euronext pendelte Weizen am
Montag um die Nulllinie, ehe er am Ende des Tages 50 Cent pro t vom
Gewinn des Vortages wieder abgab. "Ich denke, die Fragen
konzentrieren sich weiter auf die australische Ernte und die
Trockenheit in den USA und China. Diese Wettersorgen überschatten
möglicherweise weiterhin jegliche Veröffentlichungen des USDA",
zitierte Reuters einen Händler. In den USA folgen im Mittelwesten auf
die Trockenheit nun Eiseskälte und Schneestürme.
Die USA und die EU profitieren zurzeit vom Ausfall Russlands und
Australiens als Brotweizenlieferanten von einer starken
Exportnachfrage vom Weltmarkt. Die EU soll dieser Tage mit 75.000 t
Weizen in einer Ausschreibung Tunesiens erfolgreich gewesen sein. In
den USA wie in Europa ziehen deshalb nicht nur die Futures an,
sondern auch physische Ware mit hohen Proteingehalten. In Italien
verteuerte sich am Kassamarkt Weizen binnen Wochenfrist um EUR 10,-
bis 15,- pro t. Ähnlich in Australien: Von der um 1,5 Mio. t höheren
Ernte sollen alleine 1 Mio. t zusätzlich in den Futtertrog wandern,
weil sie nicht als Brotweizen taugen. Dagegen ist der vor allem in
Westaustralien geerntete Weizen mit hohem Proteingehalt sehr knapp,
sodass die Preise steigen und die australischen Farmer ihre Ware
zurückhalten.
USDA revidiert Weizenerzeugung und Verfütterung hinauf
Laut USDA werde sich nach Berichten von agrarzeitung.de durch
größer als bisher angenommene Weizenernten in Australien, Kanada und
Pakistan die globale Weizenversorgung etwas verbessern. Aufgrund der
schlechteren Weizenqualitäten geht das US-amerikanische
Landwirtschaftsministerium von etwas mehr Verfütterung aus. Gegenüber
der vorangegangenen Schätzung hat das USDA die globale
Weizenproduktion für 2010/11 um 3,6 Mio. t auf knapp 647 Mio. t
angehoben. Vor allem die australische Weizenernte mit einem Plus von
1,5 Mio. t, Kanada mit einer Steigerung von 1 Mio. t und Pakistan mit
einer höheren Weizenproduktion von 1,3 Mio. t tragen dazu bei.
Infolge der Qualitätsprobleme in Kanada und Australien rechnet das
USDA aber mit einer steigenden Weizenverfütterung und mit einem etwas
kleineren Exportaufkommen. Die globalen Weizenexporte werden
voraussichtlich um rund 1,7 Mio. t zurückgehen. Für die EU und die
USA werden unveränderte Weizenexporte erwartet. Die globalen
Endbestände fallen mit 177 Mio. t in der neuen Schätzung um 4,2 Mio.
t größer als im Report vom Vormonat aus. Gegenüber dem Vorjahr haben
sie sich zwar um 20 Mio. t abgebaut, doch das Verhältnis von
Endbeständen zum Verbrauch bleibt mit 26,5% komfortabel.
Trotz größer geschätzter Maisernte kaum Verbesserung negativer Bilanz
Die Maisernten in Europa werden nach Ansicht des USDA ebenfalls
etwas größer ausfallen, als erwartet, so agrarzeitung.de weiter. Auf
die globale Maisbilanz werden sich die höheren Ernten aber kaum
niederschlagen. Für die EU hat das USDA seine Ernteschätzung um
350.000 t auf 55,2 Mio. t angehoben. Dadurch wird sich die Bilanz in
der EU etwas verbessern und die Endbestände könnten mit 4,8 Mio. t
auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr bleiben. Auch die Ukraine
wird mit 12 Mio. t Mais etwa 500.000 t mehr ernten, als zuletzt
geschätzt. Trotz der größeren europäischen Maisernten wird sich die
tiefrote globale Bilanz für 2010/11 kaum verändern. Bei Endbeständen
von 130 Mio. t bleibt das Verhältnis der Reserven zum Verbrauch mit
15,5% eng.
Überraschenderweise wurden die Maisendbestände in den USA für
diese Saison um 127.000 t nach oben korrigiert. Der Markt hatte mit
einer Reduzierung gerechnet. Die leichte Anhebung ändert nichts an
der sehr engen US-Maisbilanz mit dem niedrigsten Verhältnis von
Endbeständen zum Verbrauch seit 15 Jahren.
Die weltweiten Sojabohnenbestände sollen sich zum Ende der Saison
gegenüber dem Vorjahr trotz eines höheren Verbrauchs kaum verändern.
Gegenüber dem vorangegangenen Bericht hat das USDA die globalen
Endbestände für 2010/11 zwar um 1,3 Mio. t zurückgenommen, doch mit
60,4 Mio. t liegen sie auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr. Für
die USA wurden die Endbestände aufgrund besserer Exportaussichten
erwartungsgemäß um 540.000 t nach unten korrigiert. Für die EU lässt
sich ein Anstieg der Sojabohnenimporte von 500.000 t auf 14 Mio. t in
dieser Saison erwarten, berichtet agrarzeitung.de schließlich.
COPA/COGECA: EU-Ernte 2010 schwach - 2011 nur wenig mehr - Ruf nach
starker GAP
Die EU-Landwirte- und Genossenschaftsverbände COPA und COGECA
schätzten indes die Ernte für die EU-27 im heurigen Jahr auf 277 Mio.
t Getreide und Mais (davon 126,54 Mio. t Weichweizen, 55,50 Mio. t
Gerste und 55,51 Mio. t Mais) und betonen den scharfen
Produktionseinbruch von 12 Mio. t gegenüber der Ernte 2009. Die
Aussichten für 2011 schätzen die Verbände kaum besser, die
Anbaufläche werde im Großen und Ganzen gleichbleiben, obwohl in
Europa 1 Mio. ha brach liege, und bei Ölsaaten sogar schrumpfen. Die
Versorgung 2011/12 werde daher stark vom Wetter abhängen.
COPA/COGECA-Generalsekretär Pekka Pesonen unterstrich daher, dass
"diese extreme Marktvolatilität die Notwendigkeit bestärkt, die
Marktmaßnahmen der EU in der künftigen GAP zu verbessern, um die
Produktivität anheben und die Nahrungsmittelsicherheit für 500 Mio.
Menschen gewährleisten zu können. Weiters müssen die Direktzahlungen
an die Landwirte in der Zukunft erhalten bleiben, um ihnen zu helfen,
mit der wachsenden Volatilität zurechtzukommen. Schließlich muss die
GAP in Zukunft ein starkes Budget haben, um einen dynamischen und
wettbewerbsfähigen Agrarsektor in der EU sichern zu können".
COPA/COGECA sehen 2011 in der EU lediglich eine 1%ige Steigerung
der Weichweizenernte auf 127,9 Mio. t auf der Basis, dass die
Anbaufläche auch um 1% von 22,8 Mio. ha auf 23 Mio. ha zunehmen
werde. Die Gerstenproduktion 2011 soll demnach bei einer auf 12,7
Mio. ha stagnierenden Fläche um 0,5% auf 54,8 Mio. t sinken und die
von Mais leicht um 0,6% auf 55,8 Mio. t steigen, wobei die
Anbaufläche ebenfalls mit 8,1 Mio. ha gleich bleiben solle.
Der EU-Getreidehändlerverband COCERAL sieht die Weizenernte 2010
der EU dank etwas größeren Ernten in Großbritannien, Frankreich,
Deutschland, Tschechien, Polen und Rumänien mit 128,07 Mio. t um 1
Mio. t höher als bei seiner letzten Schätzung im vorigen Quartal.
Dies bleibe aber immer noch unter den 130,97 Mio. t aus 2009. Rund
200.000 t kleiner als im September setzt COCERAL die EU-Gerstenernte
mit 52,76 Mio. t (2009: 57,56 Mio. t) an, um 200.000 t größer dagegen
als im vorigen Quartal die Maisernte mit 55,14 Mio. t nach 57,56 Mio.
t im Vorjahr. Die Ölsaatenmenge in der EU soll 28,16 Mio. t erreichen
(2009: 29,14 Mio. t), davon 20,50 Mio. t Raps (2009: 21,49 Mio. t).
In der Ukraine, die heuer arg von Trockenheit heimgesucht wurde
und nur 38,6 Mio. t Getreide einbrachte, nachdem sie 2009 noch 46
Mio. t geerntet hat, wirkt der Wassermangel auch ins nächste Jahr
hinein: Die mit Wintersaaten bestellte Fläche musste gegenüber dem
Vorjahr um 5% von 8,619 Mio. ha auf 8,199 Mio. ha eingeschränkt
werden.
(Schluss) pos
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