- 11.12.2010, 09:37:15
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Leitartikel der Tiroler Tageszeitung von MARIO ZENHÄUSERN "Stillstand in der Regierung ist peinlich"
Ausgabe vom 11. Dezember 2010
Innsbruck (OTS) - Rot und Schwarz liefern ein Paradebeispiel
dafür, wie man mit dem PISA-Debakel nicht umgehen darf.
Zugegeben: Österreichs Schülerinnen und Schüler haben sich beim
PISA-Test nicht mit Ruhm bekleckert. Ob absichtlich oder aus purem
Unvermögen sei dahingestellt. Fakt ist: Dieser Test ist voll in die
Hose gegangen.
Als ob das nicht Blamage genug wäre, liefert die heimische Politik
als Konsequenz auf das schlechte Abschneiden der heimischen Jugend
derzeit einen geradezu peinlichen Anschauungsunterricht dafür, wie
man mit derart schlechten Resultaten nicht umgeht. Statt sich
ernsthaft Gedanken über Verbesserungen im Schulsystem zu machen,
versuchen Rot und Schwarz lediglich, die Schuld am Desaster dem
jeweils anderen in die Schuhe zu schieben. Die Regierungsparteien
beweisen damit nur einmal mehr, dass sie nicht miteinander können
oder wollen. Und dass sie ganz offensichtlich nicht mehr in der Lage
sind, anstehende Probleme zu lösen.
Diese parteipolitisch motivierte Lähmung lässt Düsteres erahnen,
wenn es in Zukunft um inhaltliche Positionen in der Bildungspolitik
geht. Bei der Gesamtschule der 10- bis 14-Jährigen etwa oder bei den
Studiengebühren an den Universitäten. Zwei Bereiche, in denen sich
Rot und Schwarz bisher gegenseitig blockierten, statt endlich alle
Argumente dafür oder dagegen zu diskutieren. Selbst wenn am Ende nur
ein Kompromiss herausschaut, muss das nicht per se schlecht sein.
Immerhin hat diese Form der Politik in Österreich Tradition.
Wenn aber nicht einmal diese kleinen Schritte mehr möglich sind, wenn
sich beide Regierungspartner weiter hinter ihrer Parteiideologie
verschanzen - dann wird Innenministerin Maria Fekter die Produktion
von Rot-Weiß-Rot-Cards intensivieren müssen. Die Spitzenkräfte, die
Österreich auch und gerade im Bildungsbereich so dringend braucht,
werden dann nämlich nur noch im Ausland zu finden sein.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
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