- 10.12.2010, 14:56:44
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Internationale Getreidemärkte setzten Preisrallye fort
Österreich: Lagerhäuser fixieren zweites Akonto aus der Poolvermarktung von Weizen
Wien (OTS/aiz) - Die internationalen Getreidemärkte, insbesondere
jene von Weizen, setzten in der abgelaufenen Woche ihre Preisrallye
fort. Der Jänner-Weizenfutures an der europäischen Leitbörse Euronext
in Paris erklomm ein neues Zweieinhalb-Jahre-Hoch und schloss am
Donnerstag mit EUR 240,25 pro t. Von den fundamentalen Marktdaten
wogen weiterhin die weltweit knappe Qualitätsweizenversorgung, unter
anderem aktuell mit der verregneten Ernte in Australien, sowie
Trockenheit in den Winterweizenanbaugebieten der USA. Mit Spannung
erwarten die Warenterminmärkte den heute, Freitag, am frühen
Nachmittag angekündigten Dezember-Bericht des US-Agrarministeriums
USDA zu den weltweiten Getreidebilanzen "wasde". Insbesondere wie die
Märkte die überraschend nach oben revidierte Ernteprognose für
Australien aufnehmen, sollte dann die weitere Richtung der
Terminnotierungen vorgeben. Wegen des Feiertages fiel diesen Mittwoch
die wöchentliche Notierungssitzung an der Wiener Produktenbörse aus.
Die heimischen Kassamarktpreise seien aber weiter gestiegen, so
Händler. Das Vermarktungsdach der Lagerhausgruppe, die Raiffeisen
Ware Austria AG (RWA), gab heute offiziell die zweite Akontozahlung
aus der Poolvermarktung von Weizen der Ernte 2010 bekannt: Landwirte
erhalten für 50% der im Pool aufgekauften Premium-, Qualitäts- und
Mahlweizen-Mengen EUR 50,- pro t exkl. MwSt. mit Valuta Ende Jänner
2011 gutgeschrieben.
In einer Aussendung zur Fixierung des zweiten Akontos kommentiert
die RWA den bisherigen Verlauf des Getreidemarktes als "ein
Paradebeispiel dafür, wie kurzfristig und heftig der internationale
Markt auf Veränderungen reagiert. Noch im Mai gingen alle Schätzungen
für die Ernte 2010 von hohen Erträgen und drückenden Überschüssen
aus. Die Meldungen im Juli und August über die Folgen der
Frühsommer-Trockenheit in Europa und der Dürrekatastrophe in Russland
ließen die Preise für Weizen innerhalb weniger Wochen um ein Drittel
steigen. Die erwartete Beruhigung des Marktes war aber immer nur von
kurzer Dauer. Eine Kette weiterer 'Schadensmeldungen' hielt den
Bullenmarkt laufend am Leben: Ernteausfälle und Qualitätsschäden in
Kanada, Trockenheit in Süd-Amerika, kritischer Anbau-Rückgang bei
Winterweizen in Russland aufgrund fehlender Niederschläge und ganz
aktuell heftige Regenfälle während der Ernte in Australien. Die RWA
rechnet daher weiterhin mit stabiler bis fester Tendenz am
Weizenmarkt".
Die Poolvermarktung sei ein bislang sehr erfolgreiches
Vermarktungssystem und habe sich auch vor dem Hintergrund derart
hektischer Märkte bewährt. Als erster Schritt sei im August, mitten
in der Phase des extremen Preisanstiegs, ein Akonto ausgezahlt
worden, das um mehr als 40% über dem Akonto des Vorjahres gelegen
sei. Die Strategie des Pools sei auf eine gute, durchschnittliche
Vermarktung ausgerichtet. Damit würden einerseits die steigenden
Preise nach der Ernte genutzt - zu denen heuer auch einige Mengen zu
Fixkonditionen gehandelt wurden. Andererseits werde für den Pool auch
das aktuell steigende Marktniveau für die Landwirte genutzt, so die
RWA.
"Dieser ungewöhnlich guten Preisentwicklung wird nun durch eine
zweite Akontozahlung Rechnung getragen: Für 50% der im Pool
aufgekauften Premium- Qualitäts- und Mahlweizen-Mengen wird ein
Betrag von EUR 50,- pro t exkl. MwSt. mit Valuta Ende Jänner 2011
gutgeschrieben", heißt es in der Aussendung. Eine Endabrechnung, also
die Ermittlung der Vermarktungserlöse, werde damit nicht
vorweggenommen - dazu sei die offene, noch nicht vermarktete
Liefermenge einfach noch zu hoch. "Die Hochrechnung der bisherigen
Verkäufe und die aktuell positive Einschätzung der
Absatzmöglichkeiten sollen dazu genutzt werden, unsere Partner, die
Landwirte, in den Genuss von höheren Anzahlungen kommen zu lassen.
Letztendlich wird damit auch die Überlegenheit des
Pool-Vermarktungssystems - auch unter extremen Marktentwicklungen -
unter Beweis gestellt", so Ernst Gauhs, Bereichsleiter
Landwirtschaftliche Erzeugnisse der RWA.
Lagerhäuser bieten auch Preisfixierung für Ernte 2011 mit
Euronext-Ableitung an
Weiters erfuhr aiz.info aus der RWA, dass die Lagerhäuser
Landwirten ab sofort auch wieder die Möglichkeit anbieten, Fixpreise
für Mahl- und Qualitätsweizen der kommenden Ernte 2011 in Ableitung
von den aktuellen Kursen des europäischen Weizenfutures an der
Euronext in Paris ab sofort zu sichern. Die Preise, die Landwirte
dabei fixieren können, errechnen sich netto, das heißt exkl.
Mehrwertsteuer, aus dem Tageskurs des für die kommende Ernte
relevanten Weizenfutures zum Liefertermin November 2011 abzüglich der
regional üblichen Aufkäuferspanne des Lagerhauses in der Höhe
zwischen EUR 25,- und 30,- pro t für Mahlweizen und EUR 15,- bis 20,-
pro t für Qualitätsweizen.
Als Beispiel für den heutigen Tag errechnet aiz.info aus dem
Schlusskurs des Pariser Weizenfutures für den November 2011 von
gestern, Donnerstag, in Höhe von EUR 215,25 pro t einen
Landwirte-Fixpreis für Mahlweizen der Ernte 2011 von - je nach
Lagerhausspanne - rund EUR 187,75 pro t exkl. MwSt. und für
Qualitätsweizen von EUR 197,75 pro t exkl. MwSt. Auf Anfrage von
aiz.info zeigte sich Gauhs "erfreut darüber, dass dieses Instrument
zur Preissicherung für Landwirte wieder zur Verfügung steht". Aus
seiner Sicht sei den Landwirten zu empfehlen, den Deckungsbeitrag
zumindest für einen Teil der 2011 erwarteten Ernte aus den von den
zurzeit im langjährigen Preisvergleich sehr attraktiven
Euronext-Notierungen zu errechnen. Gleichzeitig erinnert Gauhs daran,
dass die jüngsten Hochpreisphasen auf den Getreidemärkten wie 2007/08
in den Folgejahren stets eine Ausdehnung der Anbauflächen nach sich
gezogen haben und - so das Wetter passte - die Preise wieder
verfallen sind. Die aktuellen Schätzungen der weltweiten
Weizenanbauflächen für 2011/12 sprächen eindeutig für eine
Wiederholung dieses Szenarios.
Gauhs erklärte weiters, dass die Möglichkeit der Preisfixierung
für Weizen der Ernte 2011 zeitlich zwar ohne Begrenzung gelte, aber
nur in einer bestimmten Menge möglich sei. Da die einzelnen Verträge
mit einem Lagerhaus an die an der Euronext definierten Lots
(Kontraktmengen) von 50 t gebunden seien, rät er Landwirten auch,
sich mit anderen Kollegen zusammenzutun und sich gemeinsam an ihr
Lagerhaus zu wenden. Ebenso würden die Lagerhäuser mit den Landwirten
Lösungen finden, sollten die tatsächlich erzielbaren Erntequalitäten
nicht mit denen bei der Preisfixierung vereinbarten übereinstimmen.
So würden dann zur Ernte 2011 individuell Konditionen gesucht, sollte
etwa statt Qualitätsweizen ein Premiumweizen angeliefert werden, oder
die Qualität schlechter ausfallen als fixiert und innerhalb von
geringen Toleranzen Preisabschläge vereinbart oder sonstige Lösungen
gesucht werden müssen. Für Premiumweizen wird auch deshalb jetzt
keine Preisfixierung angeboten, da "dessen Markt ein ganz anderer ist
als der für Qualitäts- und Mahlweizen".
Heimischer Weizenmarkt saisonuntypisch noch nicht auf Weihnachtspause
Händler berichteten diese Woche, dass sich seit der letzten
Notierungssitzung der Wiener Produktenbörse die international an den
Warenterminbörsen laufende Rallye der Notierungen auch am heimischen
Kassamarkt in neuerlich steigenden Preisen niedergeschlagen habe,
obwohl nach oben weisende Preiskurven Käufer sonst eher abschrecken.
Weiters heißt es, dass auch atypisch für diesen Saisonabschnitt,
wo normalerweise schon die Weihnachtsruhe ausgebrochen ist, die
Mühlen nach wie vor Weizen nachfragten und auch kontrahierten. "Es
scheint, als ob die international die Märkte bestimmende Knappheit
von hochwertigen Weizenqualitäten auch die heimischen Mühlen dazu
bewegt, sich um eine längerfristige Rohstoffdeckung zu bemühen",
konstatierte ein Händler.
Österreichische Interventionsgerste in zweiter Zuschlagsrunde
ausverkauft
Für die am 07.12. abgelaufene zweite Anbotsfrist in der
Ausschreibung für den Binnenmarkt wurden laut AMA die ganzen noch
verfügbaren 10.633 t Gerste aus heimischen Interventionslagern
beboten. Gestern, Donnerstag, schlug die EU-Kommission im Brüsseler
Verwaltungsausschuss dann unter anderem auch die gesamten 10.633 t
aus Österreich zu und sind die heimischen
Gersteninterventionsbestände damit ausverkauft. Die Kommission
akzeptierte dabei einen Mindestpreis von EUR 184,65 pro t, das
höchste der sechs Gebote erreichte EUR 193,51 pro t. Österreich
profilierte sich dabei neben Deutschland als Hochpreisland beim
Verkauf von Interventionsgerste in der EU. In der ersten
Zuschlagsrunde vor vierzehn Tagen lagen der akzeptierte Mindestpreis
für österreichische Interventionsgerste noch bei EUR 179,65 pro t und
der Höchstpreis bei EUR 190,26 pro t.
Insgesamt räumte die EU-Kommission die Interventionslager in der
Union weiter zügig: Zum zweiten Gebotstermin am Donnerstag in Brüssel
erhielten EU-weit 461.000 t Getreide den Zuschlag für den Verkauf auf
den Binnenmarkt, davon 427.000 t Gerste und 33.000 t Weizen. Die
größten Mengen wurden in Deutschland verkauft. Insgesamt fragte der
Handel 431.596 t Gerste aus deutschen Lagerstätten nach und wollte
dafür Preise zwischen EUR 161,25 und 197,- pro t zahlen. Die
Kommission akzeptierte in Deutschland 242.857 t Gerste zu einem
Mindestverkaufspreis von EUR 185,- pro t. In Finnland bekamen 62.892
t Gerste den Zuschlag zu einem Mindestpreis von EUR 174,50 pro t,
gefolgt von Lettland mit 41.616 t Gerste zu EUR 176,20 pro t.
Für die abgelaufene Berichtswoche bis 07.12. gab die EU-Kommisison
die Ausstellung von Exportlizenzen für 127.000 t Weizen bekannt. Dies
ist im Vergleich zu den Vorwochen relativ wenig. Dennoch erreichte
der Weizenexport der EU seit Beginn des Wirtschaftsjahres 2010/11 am
01.07. schon 10,3 Mio. t und damit ein Plus von 36% gegenüber dem,
Vergleichszeitraum 2009/10 (7,5 Mio. t). Die EU droht aufgrund der
starken Weltmarktnachfrage und erwarteter Exportmengen von rund 18
Mio. t ihre Lager 2010/11 unter die erforderlichen Mindestreserven zu
leeren. Allein für Frankreich reichen die Schätzungen des
Weizenexports von 11 bis 13 Mio. t. Zuletzt half den Exporten der EU
auch wieder der schwache Euro und die Rallye des US-Dollars auf die
Sprünge. Gestern, Donnerstag, wurde berichtet, Frankreich sei mit
180.000 t bei einem Weizenimporttender Ägyptens zum Zug gekommen.
Weitere 60.000 t kaufen die Ägypter in Argentinien.
Die Weizenexportzahlen der USA - dem größten Versorger des
Weltmarktes in diesem Wirtschaftsjahr nach dem Ausfall von
Konkurrenten wie Russland - fielen diese Woche mit 746.500 t besser
aus als erwartet. Unter anderem kaufte der Irak 250.000 t Weizen in
den USA.
Für Argentinien revidierte die Getreidebörse in Buenos Aires die
Prognose für die zu einem Viertel abgeschlossene Weizenernte um
300.000 t auf 13 Mio. t nach oben. Die bisherigen Erträge würden die
Vorjahreswerte um nahezu 40% übertreffen, heißt es. Schon zuvor in
dieser Woche setzte das staatliche Amt für Land- und
Rohstoffwirtschaft (ABARES) entgegen der Meinung privater Analysten
seine Schätzung der Weizenernte 2010/11 für Australien überraschend
um 1,7 Mio. t auf die Rekordmenge von 26,8 Mio. t hinauf. Das wären
rund 5 Mio. t mehr als im Vorjahr. Allerdings beeinträchtigte Regen
während der Ernte die Qualität massiv, sodass große Teile nur als
Futterweizen taugen werden.
Nachdem die Ukraine ihre ursprünglich bis Ende Dezember 2010
befristete Kontingentierung der Getreideausfuhren um weitere drei
Monate bis Ende März 2011 verlängern und zugleich die vorerst auf
insgesamt 2,7 Mio. t beschränkten Quoten um 1,5 Mio. t aufstocken
will, wurde bekannt, dass der Getreideexport des Landes aufgrund der
Quotierung im November 2010 auf 509.700 t eingebrochen ist, nachdem
im Oktober noch 1,39 Mio. t ausgeführt worden waren. Die Ukraine litt
heuer massiv unter Dürre und fuhr eine Ernte von enttäuschenden 38,6
Mio. t Getreide ein, nachdem sie 2009 noch 46 Mio. t geerntet hatte.
Die sollte nach ursprünglichen Schätzungen den Export auf 12,7 Mio. t
nach 20,7 Mio. t im vorigen Wirtschaftsjahr limitieren.
(Schluss) pos/mö
Rückfragehinweis:
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