Widriges Wetter und Qualitätsverluste verteuern Weizen global

Österreich: Landwirten winkt zweites Akonto aus der Poolvermarktung

Wien (OTS/aiz) - Schlechte Weizenqualität in Kanada und
Australien, wo zurzeit Regen die Ernte behindert, Trockenheit in den Winterweizenanbaugebieten der USA und in Südamerika, Auswinterungsschäden in Russland sowie aus europäischer Sicht ein schwacher Euro. Dieser Mix ließ die Weizenkurse an den internationalen Warenterminbörsen und auch am heimischen Kassamarkt diese Woche in die Höhe schießen. Der Schlusskurs des europäischen Weizenfutures für den Fontmonat Jänner 2011 an der Euronext in Paris legte bis gestern, Donnerstag, seit dem Freitag der vergangenen Woche um mehr als 7% auf EUR 233,75 pro t, den höchsten Wert seit 20.09. dieses Jahres, zu. An der Wiener Börse für landwirtschaftliche Produkte zogen am Mittwoch dieser Woche die Weizennotierungen um EUR 6,- bis 7,- pro t auf EUR 248,- für Premiumweizen, EUR 238,- für Qualitätsweizen und EUR 227,- für Mahlweizen an. Wie aus der Lagerhausgruppe verlautet, winkt jenen Landwirten, die ihr Getreide der Poolvermarktung anvertrauten, noch in diesem Jahr eine zweite Akontozahlung.

Die Poolvermarktung der Lagerhausgruppe mit ihrem Vermarktungsdach Raiffeisen Ware Austria (RWA) funktioniert im Gegensatz zum Verkauf des Getreides an den Handel zum tagesaktuellen Fixpreis so, dass die Landwirte beim Verkauf ihrer Ernte zunächst eine Akontozahlung erhalten. Je nach Marktverlauf und Vermarktungserfolg leisten die Lagerhäuser dann im darauffolgenden Frühjahr vor der neuen Ernte eine Nachzahlung an die Bauern. Damit soll gewährleistet werden, dass die Landwirte von der Vermarktungsleistung der Lagerhäuser profitieren können. Im August 2010 akontierten die Lagerhäuser, basierend auf einer eher vorsichtigen Markteinschätzung, Nettobeträge pro t für Premiumweizen zwischen EUR 141,- und 150,-, für Qualitätsweizen EUR 132,- bis 144,- sowie für Mahlweizen zwischen EUR 122,- und 128,- pro t. Die Akontozahlungen variierten zum Teil auch mit den Qualitäten beziehungsweise bei den sogenannten Top-Weizen auch mit dem Pflichtbezug von Qualitätssaatgut bestimmter Sorten. Mahlroggen wurde mit etwa EUR 135,- pro t angezahlt.

Mittlerweile etablierten sich aufgrund der weltweit knappen Versorgungslage die Marktpreise für Brotgetreide trotz hoch volatiler Preiskurven mit Schwankungsbreiten bis zu EUR 30,- pro t deutlich und nachhaltig jenseits der EUR 200,- pro t. Dies und die Forderung von Landwirtevertretern (siehe Link unten: Hautzinger: Getreidebauern verlangen heuer dreistufige Auszahlung), wie des Vorsitzenden des Ausschusses für Pflanzenproduktion der LK Österreich und Präsidenten der LK Burgenland, Franz Stefan Hautzinger, veranlassten nun wohl die Verantwortlichen in der RWA, noch vor Weihnachten den Rechenstift zu spitzen und diese zweite Akontozahlung aufs Gleis zu bringen, obwohl die Vermarktung der Ernte 2010 trotz eines bisher guten Verlaufs noch bei Weitem nicht abgeschlossen ist und nach wie vor auf den hochvolatilen Märkten Risken bestehen.

Trotz Preissteigerungen heimischer Kassamarkt noch nicht im saisonüblichen Winterschlaf

Händler berichten, dass sich in der abgelaufenen Woche das Tempo der Nachfrage wie üblich bei steigenden Preisen zwar wieder verlangsamt habe. Es sei aber angesichts dessen, dass um diese Zeit die Mühlen schon normalerweise bis über den Jahreswechsel hinaus gedeckt sind und sich vom Markt zurückgezogen haben, fast "ein Vorweihnachtswunder", dass dennoch weiterhin neue Abschlüsse getätigt werden.

In der abgelaufenen Woche wurde auch wieder Mahlroggen gehandelt und mit Preisen knapp am Qualitätsweizen an der Wiener Produktenbörse notiert. Die neuerlich spürbar um EUR 6,- pro t auf EUR 180,- pro t nach oben korrigierte Futtergerstennotierung entspreche der um das höhere Hektolitergewicht der Interventionsware bereinigten Ableitung von den Preisen, die bei der ersten Zuschlagsrunde für Interventionsgerste in Österreich erzielt worden waren. Dabei akzeptierte die Europäische Kommission für 9.907 t Gerste aus österreichischen Interventionsbeständen der AMA einen Mindestpreis von EUR 179,65 pro t - und erreichten die Spitzengebote EUR 190,26 pro t.

Obwohl nicht am Wiener Kursblatt zu finden, soll es am Braugerstenmarkt heftig rumoren. Die Mälzer würden schön langsam realisieren, dass braufähige Gerste zurzeit weltweit knapp ist, die Anbauflächen weiter schrumpfen und die Preise steigen. Nun scheint das Lizitieren um jene Braugerste, die noch zu haben ist, eingesetzt zu haben. Als ziemlich quälend bezeichnen Händler den Durum-Absatz. Dagegen befestigte sich die Wiener Rapsnotierung neuerlich auf EUR 420- pro t, wobei der Raps aber nach wie vor von den Sonnenblumen mit EUR 445,- überstrahlt wird.

EU exportiert weiterhin eifrig Weizen - Export aus Ukraine nach wie vor unterbrochen

Die EU und die USA gelten in der Saison 2010/11 als Hauptversorger des Weltmarktes mit hochwertigen Weizen. Zuletzt kam dabei der Wettbewerbsfähigkeit der Europäer der schwächere Euro-Kurs zugute. In der abgelaufenen Woche erteilte die EU-Kommission nach eigenen Angaben Exportlizenzen für 558.000 t Weichweizen, womit sich diese seit 01.07.2010 auf mehr als 10 Mio. t summieren. Stark im Geschäft sind auch die USA mit wöchentlichen Weizenexportzahlen von 704.000 t, wobei die Amerikaner diese Woche unter anderem einen Tender des weltweit größten Weizenimporteurs, Ägypten, über 200.000 t Weizen gewannen.

Erst dieser Tage schätzte die niederländische Rabobank in ihrem monatlichen Rohstoffbericht, die Getreidepreise würden sich Anfang 2011 voraussichtlich von ihrem Rückgang im November dieses Jahres erholen. Nach Auffassung der Rabobank werde die Fähigkeit traditioneller Weizenexporteure, das geringere Angebot aus der Schwarzmeerregion auszugleichen, vom Markt überschätzt. Insbesondere die Europäische Union werde ihren Getreideexport erheblich zurückfahren müssen, um eine ausreichende Versorgung des Binnenmarktes bis zur nächsten Ernte sicherzustellen.

Einige Wochen vor Ablauf der vorerst bis Jahresende 2010 befristeten Kontingentierung der Getreideausfuhren aus der Ukraine bleiben diese noch immer blockiert. Das Wirtschaftsministerium stelle den Handelsgesellschaften keine Exportlizenzen aus, erklärte der Präsident der Ukrainischen Agrar-Konföderation (UAK), Leonid Kosatschenko, in Kiew. Es handle sich dabei um Mitte November verteilte Quoten in einer Gesamthöhe von fast 2,2 Mio. t. Auch die für gestern, Donnerstag, geplante Aufteilung der restlichen Quoten für mehr als 500.000 t Körnermais sei aus ungeklärten Gründen auf die kommende Woche verschoben worden, so Kosatschenko laut dem Agrarinformationsdienst APK-Inform. Nach seinen Worten befürchte UAK vor diesem Hintergrund, dass die erforderlichen Exporte von noch mindestens 8 Mio. t bis Ende 2010/11 nicht zustande kommen könnten. Vor der im Oktober verhängten Exportkontingentierung seien aus der Ukraine rund 5 Mio. t Getreide ausgeführt worden, während sich das Exportpotenzial auf 13 bis 14 Mio. t belaufe. Besonders gespannt sei die Situation beim Körnermais, erläuterte der UAK-Präsident. Die ukrainischen Agrarproduzenten hätten mit fast 12 Mio. t heuer um ein Fünftel mehr Mais eingebracht als im vergangenen Jahr; bislang seien aber lediglich 640.000 t auf den internationalen Märkten abgesetzt worden - gegenüber 2 Mio. t im gleichen Zeitraum 2009/10.
(Schluss) pos/pom

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