- 03.12.2010, 13:32:41
- /
- OTS0197 OTW0197
Widriges Wetter und Qualitätsverluste verteuern Weizen global
Österreich: Landwirten winkt zweites Akonto aus der Poolvermarktung
Wien (OTS/aiz) - Schlechte Weizenqualität in Kanada und
Australien, wo zurzeit Regen die Ernte behindert, Trockenheit in den
Winterweizenanbaugebieten der USA und in Südamerika,
Auswinterungsschäden in Russland sowie aus europäischer Sicht ein
schwacher Euro. Dieser Mix ließ die Weizenkurse an den
internationalen Warenterminbörsen und auch am heimischen Kassamarkt
diese Woche in die Höhe schießen. Der Schlusskurs des europäischen
Weizenfutures für den Fontmonat Jänner 2011 an der Euronext in Paris
legte bis gestern, Donnerstag, seit dem Freitag der vergangenen Woche
um mehr als 7% auf EUR 233,75 pro t, den höchsten Wert seit 20.09.
dieses Jahres, zu. An der Wiener Börse für landwirtschaftliche
Produkte zogen am Mittwoch dieser Woche die Weizennotierungen um EUR
6,- bis 7,- pro t auf EUR 248,- für Premiumweizen, EUR 238,- für
Qualitätsweizen und EUR 227,- für Mahlweizen an. Wie aus der
Lagerhausgruppe verlautet, winkt jenen Landwirten, die ihr Getreide
der Poolvermarktung anvertrauten, noch in diesem Jahr eine zweite
Akontozahlung.
Die Poolvermarktung der Lagerhausgruppe mit ihrem Vermarktungsdach
Raiffeisen Ware Austria (RWA) funktioniert im Gegensatz zum Verkauf
des Getreides an den Handel zum tagesaktuellen Fixpreis so, dass die
Landwirte beim Verkauf ihrer Ernte zunächst eine Akontozahlung
erhalten. Je nach Marktverlauf und Vermarktungserfolg leisten die
Lagerhäuser dann im darauffolgenden Frühjahr vor der neuen Ernte eine
Nachzahlung an die Bauern. Damit soll gewährleistet werden, dass die
Landwirte von der Vermarktungsleistung der Lagerhäuser profitieren
können. Im August 2010 akontierten die Lagerhäuser, basierend auf
einer eher vorsichtigen Markteinschätzung, Nettobeträge pro t für
Premiumweizen zwischen EUR 141,- und 150,-, für Qualitätsweizen EUR
132,- bis 144,- sowie für Mahlweizen zwischen EUR 122,- und 128,- pro
t. Die Akontozahlungen variierten zum Teil auch mit den Qualitäten
beziehungsweise bei den sogenannten Top-Weizen auch mit dem
Pflichtbezug von Qualitätssaatgut bestimmter Sorten. Mahlroggen wurde
mit etwa EUR 135,- pro t angezahlt.
Mittlerweile etablierten sich aufgrund der weltweit knappen
Versorgungslage die Marktpreise für Brotgetreide trotz hoch volatiler
Preiskurven mit Schwankungsbreiten bis zu EUR 30,- pro t deutlich und
nachhaltig jenseits der EUR 200,- pro t. Dies und die Forderung von
Landwirtevertretern (siehe Link unten: Hautzinger: Getreidebauern
verlangen heuer dreistufige Auszahlung), wie des Vorsitzenden des
Ausschusses für Pflanzenproduktion der LK Österreich und Präsidenten
der LK Burgenland, Franz Stefan Hautzinger, veranlassten nun wohl die
Verantwortlichen in der RWA, noch vor Weihnachten den Rechenstift zu
spitzen und diese zweite Akontozahlung aufs Gleis zu bringen, obwohl
die Vermarktung der Ernte 2010 trotz eines bisher guten Verlaufs noch
bei Weitem nicht abgeschlossen ist und nach wie vor auf den
hochvolatilen Märkten Risken bestehen.
Trotz Preissteigerungen heimischer Kassamarkt noch nicht im
saisonüblichen Winterschlaf
Händler berichten, dass sich in der abgelaufenen Woche das Tempo
der Nachfrage wie üblich bei steigenden Preisen zwar wieder
verlangsamt habe. Es sei aber angesichts dessen, dass um diese Zeit
die Mühlen schon normalerweise bis über den Jahreswechsel hinaus
gedeckt sind und sich vom Markt zurückgezogen haben, fast "ein
Vorweihnachtswunder", dass dennoch weiterhin neue Abschlüsse getätigt
werden.
In der abgelaufenen Woche wurde auch wieder Mahlroggen gehandelt
und mit Preisen knapp am Qualitätsweizen an der Wiener Produktenbörse
notiert. Die neuerlich spürbar um EUR 6,- pro t auf EUR 180,- pro t
nach oben korrigierte Futtergerstennotierung entspreche der um das
höhere Hektolitergewicht der Interventionsware bereinigten Ableitung
von den Preisen, die bei der ersten Zuschlagsrunde für
Interventionsgerste in Österreich erzielt worden waren. Dabei
akzeptierte die Europäische Kommission für 9.907 t Gerste aus
österreichischen Interventionsbeständen der AMA einen Mindestpreis
von EUR 179,65 pro t - und erreichten die Spitzengebote EUR 190,26
pro t.
Obwohl nicht am Wiener Kursblatt zu finden, soll es am
Braugerstenmarkt heftig rumoren. Die Mälzer würden schön langsam
realisieren, dass braufähige Gerste zurzeit weltweit knapp ist, die
Anbauflächen weiter schrumpfen und die Preise steigen. Nun scheint
das Lizitieren um jene Braugerste, die noch zu haben ist, eingesetzt
zu haben. Als ziemlich quälend bezeichnen Händler den Durum-Absatz.
Dagegen befestigte sich die Wiener Rapsnotierung neuerlich auf EUR
420- pro t, wobei der Raps aber nach wie vor von den Sonnenblumen mit
EUR 445,- überstrahlt wird.
EU exportiert weiterhin eifrig Weizen - Export aus Ukraine nach wie
vor unterbrochen
Die EU und die USA gelten in der Saison 2010/11 als Hauptversorger
des Weltmarktes mit hochwertigen Weizen. Zuletzt kam dabei der
Wettbewerbsfähigkeit der Europäer der schwächere Euro-Kurs zugute. In
der abgelaufenen Woche erteilte die EU-Kommission nach eigenen
Angaben Exportlizenzen für 558.000 t Weichweizen, womit sich diese
seit 01.07.2010 auf mehr als 10 Mio. t summieren. Stark im Geschäft
sind auch die USA mit wöchentlichen Weizenexportzahlen von 704.000 t,
wobei die Amerikaner diese Woche unter anderem einen Tender des
weltweit größten Weizenimporteurs, Ägypten, über 200.000 t Weizen
gewannen.
Erst dieser Tage schätzte die niederländische Rabobank in ihrem
monatlichen Rohstoffbericht, die Getreidepreise würden sich Anfang
2011 voraussichtlich von ihrem Rückgang im November dieses Jahres
erholen. Nach Auffassung der Rabobank werde die Fähigkeit
traditioneller Weizenexporteure, das geringere Angebot aus der
Schwarzmeerregion auszugleichen, vom Markt überschätzt. Insbesondere
die Europäische Union werde ihren Getreideexport erheblich
zurückfahren müssen, um eine ausreichende Versorgung des
Binnenmarktes bis zur nächsten Ernte sicherzustellen.
Einige Wochen vor Ablauf der vorerst bis Jahresende 2010
befristeten Kontingentierung der Getreideausfuhren aus der Ukraine
bleiben diese noch immer blockiert. Das Wirtschaftsministerium stelle
den Handelsgesellschaften keine Exportlizenzen aus, erklärte der
Präsident der Ukrainischen Agrar-Konföderation (UAK), Leonid
Kosatschenko, in Kiew. Es handle sich dabei um Mitte November
verteilte Quoten in einer Gesamthöhe von fast 2,2 Mio. t. Auch die
für gestern, Donnerstag, geplante Aufteilung der restlichen Quoten
für mehr als 500.000 t Körnermais sei aus ungeklärten Gründen auf die
kommende Woche verschoben worden, so Kosatschenko laut dem
Agrarinformationsdienst APK-Inform. Nach seinen Worten befürchte UAK
vor diesem Hintergrund, dass die erforderlichen Exporte von noch
mindestens 8 Mio. t bis Ende 2010/11 nicht zustande kommen könnten.
Vor der im Oktober verhängten Exportkontingentierung seien aus der
Ukraine rund 5 Mio. t Getreide ausgeführt worden, während sich das
Exportpotenzial auf 13 bis 14 Mio. t belaufe. Besonders gespannt sei
die Situation beim Körnermais, erläuterte der UAK-Präsident. Die
ukrainischen Agrarproduzenten hätten mit fast 12 Mio. t heuer um ein
Fünftel mehr Mais eingebracht als im vergangenen Jahr; bislang seien
aber lediglich 640.000 t auf den internationalen Märkten abgesetzt
worden - gegenüber 2 Mio. t im gleichen Zeitraum 2009/10.
(Schluss) pos/pom
Rückfragehinweis:
aiz.info - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst,
Tel.: 01/533 18 43
mailto:[email protected]
www.aiz.info
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AIZ






