• 26.11.2010, 14:13:31
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IGC sieht neuerlich verengte globale Versorgungsbilanzen bei Getreide

Österreich: Gerstenpreis macht trotz - oder wegen - Interventionsverkaufs Sprung nach oben

Wien (OTS/aiz.info) - Die internationalen Warenterminbörsen
zeigten sich diese Woche nach den vorangegangenen Preiskorrekturen
nach unten von der freundlicheren Seite und verzeichneten moderate
Kursgewinne. Ursachen dafür waren unter anderem Trockenheit in den
Winterweizen-Anbauregionen der USA und in Südamerika sowie aus
europäischer Sicht die Abschwächung des Euros gegenüber dem US-Dollar
als Folge der irischen Schuldenkrise. Die EU-Kommission vergab diese
Woche Weizenexportlizenzen für 351.000 t. Der Internationale
Getreiderat IGC mit Sitz in London sieht in seinem am Donnerstag
veröffentlichten November-Getreidemarktreport die weltweiten
Versorgungsbilanzen für 2010/11 insbesondere beim Mais, aber auch
beim Weizen noch tiefer im roten Bereich als noch vor einem Monat.
Die niederländische Rabobank spricht in ihrem heute, Freitag,
erschienenen monatlichen Agrarreport davon, die Landwirte rund um die
Welt müssten 2011/12 eine Rekordernte hinlegen, um die bereits
prekäre Entleerung der weltweiten Getreidereserven zu stoppen. In
Österreich machte diese Woche trotz - oder laut manchen Beobachtern
sogar wegen - des Verkaufs von Interventionsbeständen der EU auf dem
Binnenmarkt der Futtergerstenpreis am Kassamarkt einen Sprung von
mehr als 10% oder EUR 16,50 pro t auf EUR 174,- pro t nach oben.

Der IGC reduzierte die weltweite Ernteschätzung für Getreide
inklusive Mais in der laufenden Saison 2010/11 gegenüber seinem
Oktober-Report um 5 Mio. t auf 1,725 Mrd. t nach unten und den
Verbrauch um 1 Mio. t auf 1,786 Mrd. t nach oben. Dadurch schlittert
die Versorgungsbilanz binnen eines Monats um weitere 6 Mio. t noch
tiefer in den roten Bereich und werden die globalen Getreidereserven
am Ende von 2010/11 gegenüber dem Saisonbeginn um 61 Mio. t auf 340
Mio. t abschmelzen. Besonders trägt die Maisbilanz zu diesem düsteren
Szenario bei: Hier setzt der IGC die Ernte im Monatsabstand mit 810
Mio. t um 4 Mio. t geringer an, belässt den Verbrauch bei 840 Mio. t,
wodurch sich ein Defizit von 31 Mio. t auftut und die Endlager
gegenüber 2009/10 um 31 Mio. t auf 121 Mio. t abnehmen. Beim Weizen
bleibt die Produktion mit 644 Mio. t gegenüber dem Oktober
unverändert, wird aber der Konsum um 2 Mio. t höher angesetzt. Daraus
ergibt sich ein Defizit von 16 Mio. t, um das die Reserven 2010/11
auf 180 Mio. t abgebaut werden.

Rabobank: Preise sollen Landwirte zu globaler Rekordernte 2011
anspornen

In ihrer Agraranalyse beurteilt die Rabobank die 2010/11
eintretende Verschlechterung des Verhältnisses von Endlagern zu
Verbrauch gegenüber dem Vorjahr um 3% auf 17,2% als "viel ernster als
2007/08", als die weltweite Lebensmittelkrise zu sprunghaften
Verteuerungen geführt hat. "Was jetzt zu geschehen hat, ist, dass,
wie auch immer, eine Preisbewegung eintritt, die die Landwirte dazu
anregt, die Anbaufläche in einem Ausmaß wie 2008/09 auszuweiten", so
die niederländische Bank. Die Analyse sieht "eine der härtesten
Schlachten in der Geschichte um Anbauflächen".

Verhältnis Endlager zu Verbrauch als kritische Größe für
Getreidemärkte

Das Verhältnis Endlager zu Verbrauch ist ein wichtiger und
preisbestimmender Indikator für die Getreidemärkte. Als wichtigste
Benchmark gilt ein Anteil der Reserven von 20% am Verbrauch - also
ein Polster für 72 Tage. Alles über 20% gilt als "komfortabel" und
wird von den Märkten als eher "bearishes", das heißt preisdämpfendes
Signal aufgenommen, alles darunter gilt als "bullish" und
preistreibend.

Besonders dramatische Lage in Russland: Reserven werden praktisch
aufgebraucht

Besonders dramatisch stellt dich die Lage heuer in Russland dar:
Die nationale Vereinigung der Getreideproduzenten prophezeite dieser
Tage, dass nach der Missernte des heurigen Sommers von nur 60 Mio. t
(2009: 97 Mio. t) am Ende der Saison die Getreidereserven praktisch
aufgebraucht sein werden. Das Land hat nämlich einen Jahresverbrauch
von 77 bis 78 Mio. t Getreide und es ist nicht einmal klar, wie viel
an Reserven in den russischen Getreidesilos liegen. Die Angaben
variieren zwischen 21 und 26 Mio. t. Als Minimum einer vernünftigen
Bevorratung spricht die Getreideunion von 10 bis 12 Mio. t. Diese
scheinen aber zum Stichtag 30.06.2011 keineswegs mehr erreichbar zu
sein. Russland werde daher heuer zumindest 5 Mio. t Getreide
importieren müssen. Besondere Knappheit herrscht dabei an
Futtergetreide wie Gerste und Mais. Diese hofft man aus Kasachstan
und der Ukraine beziehen zu können, obwohl auch dort Trockenheit
heuer nicht viel wachsen ließ.

Wenig Hoffnung hat man auch, dass die kommende Ernte die nahezu
besenreinen russischen Getreidespeicher wieder ausreichend für den
laufenden Konsum und für den Aufbau frischer Reserven füllen kann:
Denn die Trockenheit im Sommer und Herbst verhinderte auch den Anbau
von Wintersaaten auf 3,5 bis 4 Mio. ha Land und eine entsprechende
Ausdehnung des Frühjahrsanbaus 2011 sei auch unrealistisch.

Österreich: Preiskorrektur bei Weizen brachte Anbieter und Mühlen
wieder näher zusammen

Die Weizenpreise in Österreich konsolidierten sich in der
abgelaufenen Woche. Sowohl beim Premium- als auch beim Qualitäts- und
beim Mahlweizen verengte sich am Mittwoch dieser Woche an der Wiener
Produktenbörse das Preisband zwischen oberer und unterer Notierung,
wobei der Premiumweizen im Mittel um EUR 1,- pro t auf EUR 241,50 pro
t nachgab und Qualitäts- und Mahlweizen um EUR 1,- auf EUR 231,-
beziehungsweise EUR 221,- pro t zulegten. Es scheint so, als hätten
einander Handel und Mühlen auf dem aktuellen Preisniveau gefunden,
weshalb auch im Inland wieder spürbare Umsätze getätigt werden. Damit
hält sich der heimische Kassamarkt für alle drei Weizenqualitäten
nach wie vor über den Kursen des Terminmarktes an der Pariser
Euronext. Dort schloss am Donnerstag der Jänner-Weizenfutures bei EUR
218,25 pro t.

Durumweizen, Mahlroggen und Industriemais verschwanden diese Woche
mangels frischer Umsätze wieder gänzlich vom Wiener Kursblatt.
Bergauf ging es diese Woche an der Wiener Börse neuerlich mit den
Ölsaatennotierungen, wobei die Sonnenblume den Raps weiterhin sogar
noch in den Schatten stellt.

Österreich: Gerstenpreis macht trotz - oder wegen -
Interventionsverkaufs Sprung nach oben

Für Marktinsider nicht ganz überraschend machte die
Futtergerstennotierung einen gewaltigen Sprung von EUR 16,50 pro t
auf EUR 174,- pro t oder mehr als 10% nach oben. Schon im Vorfeld des
ersten Gebotstermins am Mittwoch dieser Woche für die aus der
Intervention angebotenen 20.451 t heimischer Gerste für den
Binnenmarkt hieß es, dass diese Ware den Preis am freien Markt nicht
drücken, sondern erst recht pushen könnte, weil Ware zuvor
zurückgehalten worden war und möglicherweise einige Panikkäufe
stattfanden. Unter anderem auch deshalb, weil sich in den
Interventionsbeständen auch braufähige Ware befinden solle, wurde die
ausgeschriebene Menge laut AMA überboten.

Erste Zuschläge der EU-Kommission für Interventionsgetreide

185.000 t Gerste und 38.000 t Weizen verkaufte die EU-Kommission
am Donnerstag im Verwaltungsausschuss aus der Intervention in der
ersten Zuschlagsrunde. Aus österreichischen Interventionsbeständen
akzeptierte die Kommission 9.907 t Gerste zu einem Mindestpreis von
EUR 179,65 pro t - also noch über den aktuellen, in die Höhe
geschossenen Marktpreisen. Insgesamt wurden in Österreich 20.540 t
Gerste aus der Intervention nachgefragt. Die Bieter wollten zwischen
EUR 160,29 und EUR 190,26 pro t für die Gerste zahlen. In Deutschland
wurde eine Menge von 336.000 t Gerste beboten zu Preisen zwischen EUR
145,50 und 192,79 pro t. Die Kommission erteilte 336.708 t Gerste aus
Interventionslagern in Deutschland den Zuschlag zu einem Mindestpreis
von EUR 179,- pro t. In Finnland erhielten knapp 35.000 t
Interventionsgerste den Zuschlag zu EUR 173,- pro t und in Lettland
32.000 t zu EUR 172,20 pro t. In der Tschechischen Republik
akzeptierte die Kommission knapp 20.000 t Weizen zu EUR 209,- pro t
und in Finnland 13.800 t Weizen zu EUR 183,- pro t.
(Schluss) pos/mö

Rückfragehinweis:
aiz.info - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst,
Tel.: 01/533 18 43
mailto:[email protected]
www.aiz.info

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