Prof. Dr. Kurt Rothschild (1914-2010)

Wien (OTS/WIFO) - Prof. Dr. Kurt Rothschild ist im 97. Lebensjahr verstorben. Kurt Rothschild war einer der führenden, weltweit anerkannten Wirtschaftswissenschafter. Seine Arbeiten erstreckten sich auf viele Gebiete der Forschung. Sie waren eigentlich auch ein Programm und eine Vision, was die Ökonomie zu einer besseren Welt beitragen kann.

Kurt Rothschild wurde am 21. Oktober 1914 in Wien geboren, studierte an der Universität Wien und musste 1938 nach Schottland emigrieren, wo er "Nationalökonomie und Politische Philosophie" studierte. Nach seiner Rückkehr nach Österreich wurde er am 1. Juni 1947 Mitarbeiter des WIFO. Nobelpreisträger August von Hayek hatte den Kontakt hergestellt. Er war hier das große Vorbild für die jungen Mitarbeiter, machte sie mit der modernen Nationalökonomie vertraut, die sie damals auf den österreichischen Hochschulen noch nicht lernen konnten, und lebte die Möglichkeit vor, ausgeprägte Weltanschauung mit präziser ökonomischer Analyse zu verbinden.

Professor Rothschild blieb dem WIFO in vielen Beziehungen bis zu seinem Ableben verbunden, zuletzt als Konsulent mit stets aktiven Beiträgen zu Ökonomie und Gesellschaft. Professor Rothschild war von 1966-1985 Professor an der Universität Linz, hier auch Gründungsrektor. An der Universität Linz bildete er eine ganze Generation von Volkswirten aus, die heute an entscheidenden Positionen wirken.

Kurt Rothschild verfasste zentrale Arbeiten über Verteilung, Arbeitsmarkt, Lohnbildung, oder über die Rolle der Macht in der Ökonomie, die ihm internationale Anerkennung brachten. Der Grad seiner weltweiten Anerkennung und Wertschätzung wird von kaum einem anderen österreichischen Volkswirt übertroffen.

Zwei Aspekte seines Wirkens sind noch bedeutender als Einzelpublikationen: Erstens galt Rothschilds Interesse nie den kleinen, leicht verteidigbaren Festungen, sondern stets den wichtigen, relevanten Fragen. Es war ihm wichtiger, echte Probleme zu sehen und auf sie aufmerksam zu machen, als in abstrakten Modellen an der Wirklichkeit vorbei zu theoretisieren. Immer dann, wenn die Tendenz von Wissenschaft oder Politik in die falsche Richtung lief, hat er die richtigen Fragen gestellt.

Oft konnte er "bloß" zeigen, dass die gängige Antwort falsch ist, und allein die Richtung angeben, in der die Antwort zu vermuten ist. Zweitens lag Rothschilds besondere Fähigkeit darin, den relevanten Kern einer Frage herauszuschälen. Er hatte eine ausgeprägte Fähigkeit komplexe Zusammenhänge zu verdeutlichen. Ein Kernsatz war, dass wirtschaftliche Unsicherheit nicht durch mathematische Formeln in den Griff zu bekommen ist. Eine Erkenntnis, die sich in der Beurteilung von Finanzpapieren in der letzten Krise deutlich gezeigt hatte, und die jetzt dazu geführt hat, dass systemische Risken stärker beachtet werden.

Zu seinem 95. Geburtstag veranstaltete das WIFO eine Tagung über die Folgen und bleibenden Konsequenzen der Finanzkrise unter aktiver Teilnahme (Mitarbeit) von Kurt Rothschild. Die Beiträge werden in einem Sonderheft der "Empirica" (Journal of European Economics) erscheinen (Nr. 1/2011).

Die Wissenschaft verliert mit Kurt Rothschild einen ihrer Großen, sein Stempel bleibt erhalten. Für das WIFO ist das Lebenswerk von Kurt Rothschild ein Auftrag: unbeirrbar den Beitrag der Ökonomie zu einer besseren und gerechteren Gesellschaft zu suchen. Wir danken Kurt Rothschild für die Zusammenarbeit von über 63 Jahren.

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