- 22.11.2010, 11:48:29
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"Parlament Transparent" widmet sich der Margaretha-Lupac-Stiftung Prammer präsentiert neu erschienenes Doppelheft im Hohen Haus
Wien (PK) - Margaretha Lupac, engagierte Österreicherin und
Namensgeberin einer seit dem Jahr 2001 beim Parlament eingerichteten
Stiftung, wäre heuer im Frühjahr 100 Jahre alt geworden. Aus diesem
Anlass präsentierte Nationalratspräsidentin Barbara Prammer heute im
Hohen Haus eine im Rahmen der Schriftenreihe "Parlament Transparent"
erschienene Publikation. Das der Margaretha Lupac-Stiftung gewidmete
Doppelheft zeichnet nicht nur den Lebensweg einer bemerkenswerten
Frau nach und gibt Einblicke in die Entstehungsgeschichte der
Stiftung, es befasst sich in vielfältiger Weise auch mit dem Thema
Demokratie.
Unter anderem sind der deutsche Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt,
die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth, VfGH-
Vizepräsidentin Brigitte Bierlein sowie der ehemalige Präsident des
Europäischen Parlaments und CDU-Politiker Hans-Gert Pöttering der
Einladung gefolgt, sich mit den Stärken der Demokratie und ihren
Chancen, aber auch mit ihren Schwächen, Herausforderungen und
Bedrohungen auseinanderzusetzen. Dazu kommen Beiträge der bisherigen
Preisträgerinnen und Preisträger des von der Stiftung vergebenen
Demokratie- und Wissenschaftspreises.
Nationalratspräsidentin Baraba Prammer wies bei der Pressekonferenz
darauf hin, dass sich Margaretha Lupac aufgrund ihrer persönlichen
Erlebnisse und Erfahrungen dafür entschieden habe, sich in vollem
Umfang für die Demokratie einzusetzen. Die Überraschung sei groß
gewesen, als sich nach ihrem Tod herausgestellt habe, dass Lupac ihr
gesamtes Vermögen dem Parlament vermacht hatte, schilderte sie.
Mittlerweile beläuft sich das Vermögen der Margaretha Lupac-Stiftung
Prammer zufolge auf 1,7 Mio. ?, wobei der Demokratiepreis und der
Wissenschaftspreis aus den Veranlagungsgewinnen finanziert werden,
ohne die Vermögenssubstanz anzugreifen. Die bisher ausgezeichneten
Initiativen und wissenschaftlichen Arbeiten seien ein "schöner
Querschnitt", betonte Prammer, damit würde nicht zuletzt auch
zivilgesellschaftliches Engagement "vor den Vorhang geholt". Prammer
bekräftigte, das Stiftungskuratorium habe sich bei der Auswahl der
PreisträgerInnen bislang stets an die Vorschläge der Jury gehalten.
Parlaments-Vizedirektorin Susanne Janistyn, Geschäftsführerin der
Stiftung, erzählte von ihren Begegnungen mit Margaretha Lupac, die,
wie sie betonte, selbst in eher bescheidenen Verhältnissen gelebt
habe. Die Entscheidung, das von der engagierten Österreicherin dem
Parlament vermachte Vermögen nicht in das normale Parlamentsbudget
einfließen zu lassen, sondern eine Stiftung einzurichten, gehe auf
den damaligen Nationalratspräsidenten Heinz Fischer zurück,
skizzierte sie. Damit habe man ein bleibende Einrichtung "mit einer
wirklich erfolgreichen Geschichte" geschaffen.
Juryvorsitzender Manfried Welan bezeichnete die Margaretha Lupac-
Stiftung als eine "großartige Einrichtung" und meinte, die
ausgeschriebenen Wettbewerbe seien "immer wieder ein
Entdeckungsverfahren". Von Anfang an habe man keine großen Namen
auszeichnen wollen, sondern sich bemüht, Neues und Innovatives
auszusuchen. Dass die Entscheidungen der Jury immer einstimmig
gefallen und die Vorschläge vom Kuratorium immer genehmigt worden
seien, freue ihn besonders. Für Welan ist der Preis auch eine
Herausforderung für die Zukunft und für die Jugend, er solle dazu
animinieren, sich für Demokratie und Parlamentarismus zu
interessieren und auf diesen Gebieten zu forschen.
Margaretha Lupac
Margaretha Lupac, geboren am 28. April 2010 in Wien, war während des
Zweiten Weltkriegs als Rot-Kreuz-Helferin und Sachbearbeiterin für
wehrwirtschaftliche Angelegenheiten tätig. Ihre damaligen
Erlebenisse, aber auch auch das soziale Elend, die Arbeitslosigkeit
und die wirtschaftliche Not in der Ersten Republik haben aus ihr
eine außergewöhnliche Patriotin gemacht, die Leopold Figls Appell
vom "Glauben an dieses Österreich" zum Lebensmotto erhob.
Lupac arbeitete zwischen 1949 bis zu ihrer Pensionierung 1973 als
Inkassantin im Österreichischen Wirtschaftsverlag. Nach ihrem Tod im
Februar 1999 vermachte sie ihr gesamtes Vermögen in der Höhe von
rund 1,5 Mio. ? der Republik Österreich für Zwecke des Parlaments.
Auf Basis dieses Vermögens wurde im Jahr 2001 beim Nationalrat die
Margaretha Lupac-Stiftung für Parlamentarismus und Demokratie
eingerichtet. Sie vergibt seit dem Jahr 2004 abwechselnd einen
Demokratiepreis und einen Wissenschaftspreis, die mit jeweils 15.000
? dotiert sind.
Parlament Transparent 1-2/2010
Das heute von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer präsentierte
Doppelheft der Schriftenreihe "Parlament Transparent" widmet auf 85
Seiten nicht nur den bisherigen Preisträgerinnen des
Demokratiepreises und des Wissenschaftspreises breiten Raum. Auf
Einladung von Prammer setzen sich auch prominente Gastautorinnen und
Gastautoren mit verschiedenen Aspekten der Demokratie auseinander.
So nähert sich etwa der deutsche Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt
auf philosophische Weise dem Thema "Verantwortung und Gewissen des
Politikers", während die deutsche Bundespräsidentschaftskandidatin
Gesine Schwan unter dem Titel "Es lebe das Parlament!" auch eine
Lanze für bürgergesellschaftliches Engagement im Sinne des
öffentlichen Gemeinwohls bricht. Rita Süssmuth nimmt sich den
Herausforderungen eines modernen Parlamentarismus an. Auf die "Suche
nach der Europäischen Demokratie" begibt sich die Vizerektorin der
Universität Salzburg Sonja Puntscher-Riekmann.
Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern der Stiftung
gehören unter anderem das International Business College Hetzendorf,
die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen, der
Europarechtsexperte Joseph Marko, der Historiker Gerald Stourzh, die
Grundrechtsexpertin Patricia Heindl und der Politikwissenschafter
Hubert Sickinger. Marko war mehrere Jahre einer der drei
internationalen Richter am Verfassungsgericht von Bosnien-
Herzegowina und beschreibt unter dem Titel "Das bosnische Virus" die
bislang vergeblichen Bemühungen um eine Verfassungsrefrom im
multiethnischen Staat. Heindl spricht nach wie vor offene Fragen im
Bereich des Parteienrechts an, Sickinger befasst sich ausführlich
mit dem viel diskutierten Thema Parteienfinanzierung.
In Grußworten gehen Bundespräsident Heinz Fischer,
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und der ehemalige
Bundesratspräsident Gerd Klamt detailliert auf die
Entstehungsgeschichte und die weitere Entwicklung der Stiftung ein.
Livia Getreider schildert in einem sehr persönlich gehaltenen
Beitrag ihre Eindrücke von Margaretha Lupac.
Heute Abend wird im Parlament der Demokratiepreis 2010 der
Margarateha Lupac-Stiftung überreicht. Ausgezeichnet werden die
langjährige Generalsekretärin des Roma- und Sinti-Vereins "Ketani"
Gitta Martl, Schuldirektorin Heidi Schrodt und "ihr" Gymnasium
Rahlgasse sowie der Innsbrucker Verein "Frauen aus allen Ländern".
Die Preisträgerinnen wurden von einer Jury unter dem Vorsitz von
Manfried Welan aus 74 Einreichungen ausgewählt. (Schluss)
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