• 11.11.2010, 11:50:35
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Ärztekammer definiert Ziele im Kampf gegen Diabetes (2)

Arzt und Patient als Verbündete - Pruckner: So funktioniert "Therapie Aktiv" in der Praxis

Wien (OTS) - Gezielte Steuerung der Patienten, Motivation zur
regelmäßigen Kontrolle, ein besserer Behandlungsüberblick und vor
allem erhöhte Lebensqualität und -dauer seien wesentliche Vorteile
des Disease Management Programms (DMP) "Therapie aktiv" Diabetes
mellitus Typ 2, sagte der Obmann der Bundessektion Allgemeinmedizin
und stv. Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte Jörg Pruckner,
Donnerstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Hauptverband
der österreichischen Sozialversicherungsträger. Der Mediziner betreut
in der Steiermark selbst zuckerkranke Patientinnen und Patienten in
diesem Programm.

"Der Diabetiker trägt sich bei seinem Arzt, der eine spezielle
Schulung absolviert hat, in das DMP ein. Gemeinsam werden dann
Behandlungsziele vereinbart. Die betreffen einerseits medizinische
Komponenten wie etwa den HbA1c-Wert (Langzeitzucker), den
Cholesterin-Spiegel oder den Blutdruck, aber auch
Lebensstiländerungen", erklärte Pruckner die Vorgehensweise. Das
würde beispielsweise auch einen Rauchstopp, gesündere Ernährung oder
mehr Bewegung umfassen. Im Sinne einer integrierten Behandlung gehe
das sogar soweit, dass der Arzt seine Patienten, wenn notwendig, zur
Diätberatung oder gar in eine Diabetesambulanz schickt.
"Zudem erscheint die Patientin oder der Patient regelmäßig zur
Untersuchung, bei der etwa Harn-, Augen- und Fußkontrollen
durchgeführt werden." Je nach Schwere der Erkrankung finden diese
Untersuchungen zwischen einmal im Monat oder einmal pro Quartal
statt. "Zum Vergleich: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass
Diabetiker ohne das DMP lediglich einmal im halben Jahr zur Kontrolle
kommen, sonst holen sie sich nur ihre Rezepte ab." Grundsätzlich
gelte aber: Je früher man sich in das Programm einschreibt, desto
effektiver sei es.

Vorteile von "Therapie Aktiv"

Dabei sind gerade die regelmäßigen Untersuchungen und die bessere
Patientenführung im DMP "Therapie Aktiv" enorm wichtig, um Änderungen
in der Behandlung rechtzeitig vornehmen zu können,
Stoffwechselentgleisungen zu vermeiden und so Spätfolgen wie
Niereninsuffizienz und Gefäßprobleme hintan zu halten. Diese können
nämlich zu Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Fußamputationen führen.
Pruckner: "Der Vorteil ist, dass die Ärztin oder der Arzt den
Patienten mit seinen ganz speziellen Problemen kennen lernt, er ist
einfach präsenter." Auch habe der Mediziner mehr Kontrolle über den
Krankheitsverlauf. Da sämtliche Untersuchungen dokumentiert werden,
könne der Arzt anhand einer rhythmischen Kurve bei HbA1c-Wert oder
Blutdruck Veränderungen schnell erkennen.

Das Disease Management Programm setzt aber auch bei den Diabetikern
selbst an. Im Sinne von Empowerment der Patienten absolvieren die
DMP-Teilnehmer eine Schulung, in der sie umfassend über den Umgang
mit ihrer Krankheit, aber auch über den Ablauf des Programms
informiert werden. "Ziel ist es, dass sich die Betroffenen aktiv in
die Betreuung einbringen", so Pruckner. Dazu gehört eben die Änderung
des Lebensstils. Des Weiteren hat die Patientin oder der Patient
einen Diabetes-Pass, in dem die wichtigsten Daten erfasst sind und
der zu den Arztbesuchen stets mitzubringen ist.

Verbesserungen möglich

Derzeit nehmen in der Steiermark 3.701 Patienten bei 127 Ärzten an
"Therapie Aktiv" teil. Pruckner selbst betreut 25 Diabetiker, "es
könnten aber auch dreimal so viele sein". Allerdings würden sich hier
einige organisatorische Probleme auftun. Eines sei laut Pruckner der
Selbstbehalt pro Arztbesuch bei den kleinen Kassen. "Das hält
Patienten ab, so oft es eigentlich notwendig wäre, den Arzt
aufzusuchen." Zum Abbau dieser Hemmschwelle schlägt Pruckner ein
Anreizsystem, etwa einen Bonus für die Teilnahme, vor.

Der Bundesobmann der Allgemeinmedizin sieht jedoch auch noch
Handlungsbedarf, um zusätzliche Ärzte für die Teilnahme am DMP
"Therapie Aktiv" zu gewinnen. Ein Schwachpunkt sei etwa die sehr
aufwändige Dokumentation, "für die eine Ärztin, ein Arzt drei Mal so
lange wie für einen regulären Patienten braucht." Zeit, die abgeht.
Pruckner schlägt daher vor, in einer Ordination zusätzliche
qualifizierte und kompetente Mitarbeiter - auch Ärzte - anstellen zu
können. Mit dem bisherigen Entgelt sei das allerdings nicht möglich.
"Mit unserem Einzelkämpfertum werden wir den Herausforderungen der
Zukunft nicht gewachsen sein." (Schluss)

Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Mag. Martin Stickler
Tel.: (++43-1) 513 18 33 - 14 DW

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