- 29.10.2010, 13:16:16
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Wlodkowski unterstützt Rübenbauern: Eigenversorgung mit Zucker sicherstellen
Rübenbauern informieren LK über Zukunfts-Studie und übergeben Forderungen
Wien (OTS/AIZ) - "Die Rübenbauern" erläuterten gestern,
Donnerstag, in Wien dem Vorsitzenden der Landwirtschaftskammer
Österreich (LK Ö), Gerhard Wlodkowski, die von ihnen in Auftrag
gegebene Studie von Dr. Leopold Kirner, AWI, zur Wettbewerbsfähigkeit
des Zuckerrübenanbaus in Österreich je nach Politikoptionen nach
2013. Weiters übergab Rübenbauern-Präsident Ernst Karpfinger
Wlodkowski den aus der Studie abgeleiteten, fünf Punkte umfassenden
Forderungskatalog der Rübenbauern. "Wir müssen alles unternehmen, um
auch in Zukunft in Europa und in Österreich die eigene Versorgung mit
Zucker sicherzustellen. Nach dieser Vorgabe sind die künftigen Regeln
der Gemeinsamen Agrarpolitik zu gestalten, um den heimischen
Zuckerrübenanbau weiterhin möglich zu machen. Wir unterstützen daher
die Rübenbauern in ihren Bemühungen nach dem Erhalt von Außenschutz,
Mindestpreis und Quoten und wollen auch entsprechende Direktzahlungen
für diese Betriebe", stellten Wlodkowski und Karpfinger danach fest.
"Denn eine der wichtigsten Aufgaben eines Landes besteht in der
Sicherung der Versorgung der Bevölkerung mit den wichtigsten
Nahrungsmitteln, zu denen ohne Zweifel der Zucker gehört", so die
beiden Interessenvertreter. Wlodkowski unterstützt deshalb die
Forderungen der Rübenbauern: "Diese wissenschaftliche Studie
untermauert die Forderungen unserer Rübenbauern. Nur wenn diese auch
erfüllt werden, ist es möglich, ein notwendiges Mindestmaß an
heimischer Rübenproduktion und damit an Eigenversorgung mit Zucker
aufrechtzuerhalten."
Studie: In vier von fünf Zukunftsoptionen sinken Einkünfte
Die Studie von Dr. Kirner belegt wissenschaftlich, dass die
Wirtschaftlichkeit des Rübenanbaus schon mit der EU-Zuckermarktreform
2006 beträchtlich reduziert worden ist. Sie untersucht für die
Zukunft fünf Politikoptionen für die Gestaltung der GAP nach 2013,
die EU-Zuckermarktordnung ab 2014/15 sowie für den Ausgang der
Freihandelsgespräche der EU mit dem südamerikanischen Mercosur und
der Doha-Runde in der Welthandelsorganisation WTO. Die Studie kommt
zu dem Ergebnis, dass auf die Ackerbaubetriebe mit Zuckerrüben durch
Umstellung der GAP nach 2013 große Herausforderungen zukommen. Bis
auf das Szenario mit besonders hohen Agrarpreisen im Jahr 2015 werden
für alle Betriebe bei 20%iger Senkung der Direktzahlungen -
Betriebsprämie und ÖPUL - niedrigere Einkünfte aus der Land- und
Forstwirtschaft ausgewiesen als in der Ausgangssituation. Auch wenn
die Preise für Ackerkulturen um 25% steigen, sinkt das Einkommen.
Daraus kann unter anderem die große Relevanz der künftigen
Direktzahlungen für Zuckerrübenbetriebe abgelesen werden, zumal eine
20%ige Kürzung kein Worst-Case-Szenario darstellt.
Fünf Forderungen der Rübenbauern
Die fünf Forderungen der Rübenbauern lauten: Keine weiteren
Zugeständnisse für weitere Zuckerimporte in die EU und fairen
Wettbewerb für bestehende Einfuhrmöglichkeiten. Die Beibehaltung von
Quote und Mindestpreis. Die Abschaffung der Produktionsabgabe. Der
Erhalt des Niveaus der Direktzahlungen im Ackerbau mit
Berücksichtigung der Sonderstellung der noch nicht historischen
Ausgleichszahlungen im Rübenbau. Keine weiteren nationalen
Belastungen.
Karpfinger: Schluss mit der europäischen Naivität in der Handels- und
Entwicklungspolitik
Karpfinger: "Wir fordern in der EU eine Doktrin, ähnlich wie in
den USA und anderen Ländern, um ein Mindestmaß an Eigenversorgung mit
Lebensmitteln aufrechtzuerhalten. Die Zuckermarktreform von 2006 und
Entwicklungsinitiativen wie Everything But Arms für die ärmsten
Entwicklungsländer der LDC-Gruppe sowie die Zollfreikontingente für
die AKP-Staaten (ehemalige afrikanische, karibische und pazifische
Kolonien) ließen die EU zum Nettoimporteur von Zucker werden und
senkten den Selbstversorgungsgrad auf 80%."
Mit Zucker importiere die EU Abhängigkeit und Preisschwankungen.
Das werfe, so der Rübenbauern-Präsident, eine staatspolitische
Grundfrage auf: "Will der Staat ein gewisses Maß an
Lebensmittelautarkie, das heißt Ernährungssicherheit, für seine
Bürgerinnen und Bürger aufrecht halten? Oder will er sich in
Abhängigkeiten von Dritten begeben?" Zudem stünden nunmehr in den
Verhandlungen der EU mit dem südamerikanischen Mercosur über neue
Zollfreiabkommen und in den WTO-Verhandlungen aber Staaten wie
Brasilien vor der Tür, die nicht mehr als Entwicklungsländer gelten.
Die Frage hier muss lauten: "Will Europa Brandrodung, GVO-Produktion
mit dem Einsatz der schlimmsten Chemiekeulen und die Ausbeutung von
rechtlosen Landarbeitern importieren?"
Deshalb forderten die Rübenbauern: "Schluss mit der europäischen
Naivität in der Handels- und Entwicklungspolitik und einen fairen
Wettbewerb mit jenen Produkten, die ohnehin schon ins Land kommen in
Bezug auf ökologische und soziale sowie qualitative Standards.
Weitere Zuckerimporte sind weder billiger noch besser als unser
Zucker, aber sie würden unsere Wertschöpfung auslöschen."
Beibehaltung von Quote und Mindestpreis
Weiters fordern die Rübenbauern unter anderem die Beibehaltung der
markt- und preisstabilisierenden Instrumente Mindestpreis und Quote.
Eine Stabilisierung von Markt und Preis solle auch das ungebremste
Überschwappen der unmäßigen Volatilität des Weltmarktes auf Europa im
Sinne der Ernährungssicherheit verhindern. Denn extreme
Preisschwankungen zögen ebensolche Produktionsschwankungen nach sich.
"Das ausschließliche Ausleben des freien Spiels der Kräfte auf einem
Markt ist mit der primären Aufgabe der Landwirtschaft, die
Weltbevölkerung zuverlässig, regelmäßig und mit stetig wachsender
Nachfrage zu ernähren, unvereinbar", stellte Karpfinger schließlich
fest.
(Schluss)
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Tel.: 01/533 18 43
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