• 13.10.2010, 09:39:13
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WWF-Weltumweltbericht: Wir verbrauchen einen halben Planeten zu viel

Living Planet Report 2010 zeigt dramatische Entwicklung

Wien/Gland (OTS) - Sperrfrist bis heute 14 Uhr!

Unser Planet leidet akut an der Krankheit Mensch. Denn es dauert
derzeit eineinhalb Jahre damit die Erde ersetzen kann, was wir ihr in
nur einem Jahr abringen. Wir brauchen also einen halben Planeten zu
viel. Bis 2030 werden wir zwei Planeten brauchen um unsere
Bedürfnisse eines Jahres zu stillen, 2050 sogar fast drei Planeten.
Seit 1970 sind mehr als 30 Prozent der Arten geschwunden. Besonders
dramatisch ist die Abnahme der Artenvielfalt in den Tropen. In den
Ländern des Nordens haben sich viele Bestände erholt. Das zeigt der
alle zwei Jahre vom WWF veröffentlichte globale Umweltbericht "Living
Planet Report" (LPR) zur Lage der Welt, der heute veröffentlicht
wurde. Der Bericht gilt als die führende Diagnose zum
Gesundheitszustand unseres Planeten und berechnet mit
buchhalterischer Akribie, wie krank unsere Erde ist. "Wir zerstören
seit Jahrzehnten unsere eigenen Lebensgrundlagen und können dies
jetzt genau berechnen. Wir kennen auch die Lösungen für die
Umweltkatastrophen, die wir anrichten", so WWF-Naturschutzdirektor
Andreas Wurzer und warnt: "Die Erde kann im Jahr 2050 neun Milliarden
Menschen nur dann ein verträgliches Leben ermöglichen wenn wir
radikal umdenken!" Auch Österreich hat sich verschlechtert, die
Biokapazität des Landes sank, der Fußabdruck ist gestiegen.

Artenvielfalt
Der "Living Planet Index" beobachtet eine Abnahme der Artenvielfalt
von 30 Prozent seit 1970, in tropischen Regionen durchschnittlich
sogar 60 Prozent. Besonders schlimm ist der Verlust in den tropischen
Flüssen, wo fast drei Viertel der Arten verschwunden oder vermindert
wurden. 8.000 Populationen von mehr als 2.500 Pflanzen- und Tierarten
wurden für den Report untersucht. Die Hauptursachen für den
Artenverlust sind die Abholzung der tropischen Regenwälder, der Bau
von Dämmen und auch der Klimawandel. Umweltverschmutzung,
Überfischung und zerstörerische Fischereimethoden tragen ebenfalls
zum Artenschwund bei. Erholen konnten sich die Tier- und
Pflanzenarten in den letzten Jahrzehnten nur in den Ländern des
Nordens, wo Umwelt- und Naturschutz wirksam praktiziert werden.

Ökologischer Fußabdruck
In den reicheren Staaten ist der ökologische Fußabdruck der Menschen
etwa fünf Mal so groß wie in den ärmeren Ländern. Der Raubbau der
Industriestaaten in den Tropenländern wirkt sich besonders negativ
aus. Seit 1966 hat sich der ökologische Fußabdruck weltweit
verdoppelt. Den größten Anteil daran haben die Treibhausgase, die
seit 1961 auf den elffachen Wert stiegen. Die industrielle Fischerei
hat bereits 70 Prozent der Fischgründe weltweit stark geschädigt.
Weil die großen Fische immer seltener werden, konzentrieren sich die
Fangflotten immer mehr auf kleinere Fische und Krill, die
Nahrungsgrundlage für die Meeresfauna. Weltweit sind 520 Millionen
Menschen gefährdet, die von der Fischerei abhängig sind. Auch die
Wälder schrumpfen immer weiter: Jährlich gehen 130.000
Quadratkilometer Waldflächen durch die Umwandlung in Weide- und
Anbauflächen verloren. Das entspricht etwa der 1,5-fachen Fläche
Österreichs. Das so freigesetzte Kohlendioxid heizt den Klimawandel
weiter an. Der gesamte ökologische Fußabdruck beträgt heute 18
Milliarden globale Hektar oder 2,7 Hektar pro Person. Die Kapazität
des Planeten ist aber gerade mal 12 Milliarden Hektar oder 1,8
Hektar/Mensch.

Österreich
Der ökologische Fußabdruck Österreichs ist seit 2005 um vier Prozent
gewachsen. Die Biokapazität Österreichs hat seit 1961 um acht Prozent
abgenommen. Die Ursache dafür ist die höhere Bevölkerungszahl heute
im Vergleich zu 1961. Der Konsum der Österreicher beansprucht derzeit
mehr als 44 Millionen globale Hektar. Ein Österreicher nimmt mit
aktuellen 5,3 globalen Hektar fast doppelt so viel Biokapazität in
Anspruch, wie der Weltdurchschnitt. Würden alle Menschen so leben wie
wir Österreicher, bräuchten wir schon heute drei Planeten.

Wasserknappheit
Wir saugen unseren Planeten immer mehr aus. 500 Millionen Menschen
leiden bereits heute unter den negativen Auswirkungen von Dämmen und
anderen Flussregulierungen. 900 Millionen haben kein sauberes
Trinkwasser und 2,5 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sanitären
Anlagen. Im Jahr 2025 werden 5,5 Milliarden Menschen mit
Wasserknappheit kämpfen. Von 177 Flüssen, die weltweit länger als
Tausend Kilometer sind, fließen nur noch 64 frei. Zwei Millionen
Tonnen giftiger Brühen vergiften jährlich die Meere und Flüsse der
Erde. Für die Herstellung einer Tasse Milchkaffee mit Zucker braucht
es fast 200 Liter Wasser. Indien, China und die USA haben den
höchsten Wasser-Fußabdruck weltweit.

Lösungen
"Wenn wir als Menschheit überleben wollen, darf die Weltbevölkerung
auf Dauer nicht weiter wachsen. Je früher die Trendumkehr geschafft
wird, desto mehr Chancen haben alle derzeit lebenden und zukünftigen
Bewohner dieses Planeten. Die Bekämpfung der Armut und sozialen
Sicherheit - vor allem für Frauen - in den ärmeren Ländern sind hier
die wichtigsten Maßnahmen. Der WWF empfiehlt, 15 Prozent der
Erdoberfläche zum Schutzgebiet zu erklären. Auch brauchen wir einen
sofortigen Stopp der Entwaldung", so Wurzer. Weitere wichtige
Maßnahmen sind die Reduktion des Konsums und des damit
zusammenhängenden Ressourcenverbrauchs, Investitionen in die
Energieeffizienz und die Umstellung von fossilen auf erneuerbare
Energieträger. Die Treibhausgasemissionen müssen bis 2050 um
mindestens 80 Prozent reduziert werden, um ein weltweites
Artensterben zu verhindern. Auch der Schutz unserer Meere und Flüsse
braucht absolute Priorität. "Ohne einschneidende globale Maßnahmen
wird das 21. Jahrhundert zu einem Jahrhundert der
Umweltkatastrophen", warnt der WWF.

Der Living Planet Report
Neue Daten und genauere Messmethoden zeigen im aktuellen LPR, dass
die Menschheit bereits seit den 1970er Jahren mehr verbraucht, als
unser Planet verkraften kann. "2006 wurde noch hochgerechnet, dass
wir erst 2050 zwei Planeten brauchen werden. Der aktuelle Bericht
zeigt, dass wir diesen Zustand bereits 2030 erreichen werden, also 20
Jahre früher", warnt Wurzer. Der LPR, der gemeinsam mit der
Zoologischen Gesellschaft von London (ZSL) und dem Global Footprint
Network (GFN) erstellt wird, beurteilt seit 1998 den ökologischen
Fußabdruck der Menschheit im Verhältnis zur Biokapazität, die
Artenvielfalt und den Wasserverbrauch der Länder der Welt. Basis für
die komplizierten Berechnungen sind Weide- und Ackerland, die bebaute
Fläche, Wälder und Fischgründe und der Verbrauch fossiler
Energieträger.

Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231 oder 0676-83488231, [email protected].
Fotos zum Thema, Grafiken, Videos sind auf Anfrage beim WWF erhältlich. Ab 14 Uhr werden die Materialien auf unserer Website offen freigeschaltet.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WWF

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