• 11.10.2010, 13:07:32
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WWF fordert Konsequenzen nach Giftschlamm-Katastrophe

Anwohner werden bewusst im Dunkeln gelassen

Wien/Budapest (OTS) - Als Konsequenz aus der Umweltkatastrophe im
ungarischen Kolontar fordert der WWF eine Verschärfung der
EU-Richtlinien für Giftschlammdeponien und einen Aktionsplan zu deren
zügigen Umsetzung. "Ungarn sollte seine anstehende
EU-Ratspräsidentschaft dafür nutzen, um ein strengeres und
effizienteres Kontrollsystem für solche hochgefährlichen Anlagen zu
implementieren", fordert WWF-Experte Martin Geiger. "Die Europäische
Union muss auf die Fahrlässigkeit und das kriminell anmutende
Verhalten der Betreiber entsprechender reagieren." Mensch und Natur
in unmittelbarer Umgebung zu solchen Anlagen dürften nicht weiter
diesen unkalkulierbaren Risiken ausgesetzt werden. Nach einer Studie
des Joint Research Centers der Europäischen Kommission aus dem Jahr
2004 gab es bereits zu diesem Zeitpunkt allein in Ungarn 260 als
kritisch und acht als extrem kritisch zu bewertende
Giftschlammdeponien. Neuere Inventuren und Risikoeinschätzungen sind
nicht öffentlich verfügbar und zugänglich. "Es ist untragbar, dass
die Anwohner im Umfeld dieser Deponien bewusst im Dunkeln gehalten
werden, was die hohen Risiken anbelangt, denen sie ausgesetzt sind",
so WWF-Experte Geiger.

Der jüngste Unfall in Kolontar und auch die Katastrophen in Baia Mare
und Baia Borsa (Rumänien, 2000) und in der Donana (Spanien, 1998),
hätten deutlich gemacht, dass es nicht so weitergehen dürfe, wie
bisher. "Die Bergbau-Industrie hat in der Vergangenheit gegen
strengere EU-Richtlinien Lobby gemacht und offenbar leider damit
Erfolg gehabt", sagte Geiger. "Und niemand kann zum derzeitigen
Zeitpunkt genau sagen, wie viele solcher hochgiftigen Zeitbomben vor
allem in Ost- und Südosteuropa noch schlummern."

Der WWF fordert daher einen Aktionsplan um die effiziente und zügige
Umsetzung von EU-Richtlinien für Minenabfälle zu garantieren. Der
Aktionsplan muss sich auf die kritischen Standorte in den neuen
Mitgliedsstaaten Zentral- und Osteuropas konzentrieren und zugleich
ein Risikomanagement für Deponien in EU-Nachbarländern, wie etwa der
Ukraine, Moldawien oder Serbien beinhalten. "Alle bereits vergebenen
Betreiber-Lizenzen müssen eingehend geprüft und neue Lizenzen dürfen
nur unter Einhaltung strengster Kriterien und bei klaren
Zuständigkeiten vergeben werden", fordert Geiger. Weiters muss die
EU-Richtlinie für Minenabfälle verschärft und besonders die
Sicherheit und Konstruktion von Dämmen für offene Giftschlammbecken
verbessert werden. Außerdem muss die EU ein strengeres Auge darauf
haben, dass die Richtlinien sich auch in der nationalen Gesetzgebung
widerspiegeln und in der Praxis entsprechend umgesetzt würden.

Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231, 0676-83488-231, Email: [email protected]; Fotos auf www.wwf.at/presse.

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