• 08.10.2010, 13:33:22
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Getreide: Globale Terminmärkte im Auf und Ab

Preise am heimischen Kassamarkt abgeschwächt - aber Abstand zu Terminmärkten vergrößert

Wien (OTS/aiz) - An den internationalen Warenterminbörsen geht es
zurzeit munter auf und ab. Der für Europa maßgebliche Weizenfutures
an der Pariser Euronext zum Liefertermin November 2010 schloss am
Montag dieser Woche nach 14-tägiger Talfahrt erstmalig seit
02.08.dieses Jahres mit EUR 199,25 pro t wieder unter der wichtigen
200-Euro-Marke und legte in neuerlichem Auf und Ab bis Donnerstag
dieser Woche wieder auf EUR 208,- pro t zu. Auf das Kontrakt-Hoch von
EUR 233,75 pro t am 20.09. fehlt allerdings noch ein gutes Stück. Der
heimische Kassamarkt für Brotweizen machte in der abgelaufenen Woche
bei sehr dünnem Geschäftsverlauf die scharfe Korrektur der
internationalen Terminnotierungen zwar auch deutlich mit, aber nur in
einem abgeschwächtem Ausmaß. Am Mittwoch dieser Woche wurden an der
Börse für Landwirtschaftliche Produkte in Wien die Preisbänder von
Mahl-, Qualitäts- und Premiumweizen zwischen EUR 8,- und 9,50 pro t
zurückgenommen, weisen aber zum europäischen Weizenfutures an der
Euronext jetzt einen noch größeren positiven Abstand als zuvor auf.

Die heimischen Marktteilnehmer warten nach der Stillung des ersten
Rohstoffhungers nach der Ernte nunmehr in Ruhe an den Seitenlinien
ab, wie sich die mittlerweile wieder eingesetzte Erholung der
Warenterminmärkte auf den physischen Markt auswirken wird. Jedenfalls
hielten einige die scharfe Kurskorrektur der Terminmärkte für
"überzogen und spekulativ", weil sich an den fundamentalen Marktdaten
eigentlich nichts geändert hätte, und der Auslöser, die letzte
Maislagerschätzung des US-Landwirtschaftsministeriums, auch mit einer
gewissen Skepsis aufgenommen wurde.

EU-Exporte profitieren von Ausfuhrkontingentierung der Ukraine

Der Europäische Getreidemarkt profitierte bei den fundamentalen
Marktdaten diese Woche davon, dass die Ukraine gestern, Donnerstag,
nach langem Hin und Her eine Kontingentierung ihrer Getreideexporte
vorerst bis Jahresende bekannt gab. Über den Umfang der Quoten
tätigten verschiedene Regierungsmitglieder widersprüchliche Aussagen.
Landwirtschaftsminister Nikolai Prisjashnjuk sagte schließlich, nach
dem Grundsatzbeschluss der Regierung werde das exakte Volumen der
Quoten erst nächste Woche verabschiedet. Die gesamten
Getreideausfuhren würden auf etwa 3 Mio. t begrenzt, wobei auf Gerste
nicht mehr als 150.000 t und auf Weizen bis zu 1 Mio. t entfallen
dürften. Die Eu könnte davon insbesondere beim Gerstenexport
profitieren.

Kanada senkt Ernteprognose - US-Maiserträge enttäuschen

Als weiters bullishes Moment interpretierten die Märkte diese
Woche, dass Kanada dieser Tage seine Ernteprognose für 2010 neuerlich
senkte. Hauptgrund ist die witterungsbedingte Verzögerung der Ernte.
Zudem weist das kanadische Statistikamt darauf hin, dass die aktuelle
Prognose auf einer Umfrage in der ersten Septemberhälfte beruhe und
die Auswirkungen von Frösten Ende September darin noch nicht
berücksichtigt seien. An Weizen schätzt das kanadische Statistikamt
für 2010 eine Menge von 22,2 Mio. t (minus 17% gegenüber 2009), an
Gerste knapp 8,3 Mio. t (minus 12% im Jahresvergleich) und Raps 10,4
Mio. t (minus 16%).

Weiters erwartete der Markt am Freitag den neuesten Report des
US-Landwirtschaftsministeriums USDA, von dem angenommen wird, er
revidiere die Maisernte der Vereinigten Staaten nach unten. Bisher
enttäuschten die Erträge in der zur Hälfte abgeschlossenen Maisernte
die US-Farmer und es wird nicht damit gerechnet, dass die späteren
Lagen bessere Erträge bringen. Damit konnten die US-Maisnotierungen
den vorangegangenen Einbruch zuletzt wieder wettmachen.

EU-Weizenexport floriert trotz Euro-Stärke

Gleichzeitig exportiert die EU weiterhin zügig Getreide, obwohl
die Abschwächung des US-Dollars und ein auf etwa USD 1,40 erstarkter
Euro Ausfuhren aus dem Euro-Raum eigentlich teurer und weniger
wettbewerbsfähig macht. Dennoch erteilte die EU-Kommission in der
abgelaufenen Woche Exportlizenzen für 480.000 t Weizen, womit sich
die Ausfuhren 2010/11 auf 6,8 Mio. t summieren (selber Zeitraum
2009/10: 5,1 Mio. t), und für 118.000 t Gerste (Summe 2010/11: 1,5
Mio. t, 2009/10: 289.000 t).

Auch für die USA lief diese Woche der Weizenexport mit über den
Erwartungen liegenden 808.004 t gut. Hier hilft der schwächere
Dollar. Dementsprechend konnten auch die Weizennotierungen in Chicago
(CBOT), Kansas und Minneapolis wieder Fuß fassen.

Roggen und Futtergetreide in Österreich stabil

Entgegen dem Brotweizen konnte sich an der Wiener Börse
Mahlroggen, an dem im Inland aus der Ernte 2010 Mangel herrscht, fast
stabil halten und zeigten Futterweizen sowie -gerste überhaupt keine
Reaktion. Etwa abgekühlt hat sich auch die Hitze am Nassmaismarkt.
Dem internationalen Markttrend folgend, gaben jedoch die Ölsaaten -
Raps und Sonnenblumen - sowie Sojaschrot ebenfalls nach.
(Schluss) pos

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