- 08.10.2010, 12:08:31
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WWF warnt vor weiteren Giftkatastrophen in Osteuropa
Tote und verätzte Fische in der Donau
Wien/Budapest (OTS) - Der WWF warnt vor weiteren
Giftschlammkatastrophen in Osteuropa. Auch in Ungarn befindet sich
noch eine weitere ähnliche Rotschlammdeponie bei Almásfüzitö zwischen
Györ und Budapest. Dort lagern zwölf Millionen Tonnen Giftschlamm in
sieben Becken, die 40 Hektar Land bedecken. "Wenn dieses Becken
bricht, wäre die Trinkwasserversorgung für weite Teile Ungarns in
Gefahr", sagte Andreas Beckmann, der Direktor des WWF-Donau-Programms
heute in Wien. Nach einem EU-Bericht von 2004 gibt es in ganz Ungarn
über 260 kritische Deponien mit Abfall und Abraum aus dem Bergbau,
davon acht besonders gefährliche - mit Rückständen aus dem Abbau von
Gold und Uran. 25 dieser "Hotspots" besitzen ähnliche
Giftschlammbecken, drei davon sind voll mit Rotschlamm. Nach
Informationen, die dem WWF Ungarn vorliegen gibt es rund 55 Millionen
Kubikmeter Rotschlamm, die in diesen Absetzbecken gelagert sind,
viele davon in neu genehmigten Anlagen.
Der WWF kritisiert die EU-Richtlinie für die Sicherheit im Bergbau,
die zehlreicher Verbesserungen bedarf. Ein Problem ist die
Übergangslösung bis 2012 für die osteuropäischen EU-Staaten. Die
Umweltorganisation fordert eine lückenlose Untersuchung der Altlasten
nicht nur in Ungarn sondern für ganz Osteuropa und ihre Beseitigung.
Inzwischen wurden bereits tote und verätzte Fische in der Donau
gefunden.
Das Werk bei Almásfüzitö liegt direkt an der Donau und befindet sich
in stark Erdbeben gefährdetem Gebiet. Die dort seit 1945 gelagerten
zwölf Millionen Tonnen Rotschlamm enthalten neben 120.000 Tonnen an
Schwermetallen weitere unbekannte Chemikalien, Abfälle, Öl und
Abwässer. Die Auffangbecken sind nicht genügend gesichert und kaum
mit Ton abgedichtet. Die Wahrscheinlichkeit einer Verschmutzung des
Grundwassers ist sehr hoch, so der WWF.
Der WWF präsentierte heute eine Karte weiterer Giftquellen von Ungarn
bis zum Donaudelta. Darunter befindet sich auch das Tulcea
Aluminiumwerk in Rumänien, wo derzeit 20 Hektar von giftigem
Rotschlamm gelagert sind. Ätzende und giftige Staubwolken und viele
Lecks hatten bereits Fisch- und Vogelsterben ausgelöst. Ein Unfall
dort würde das Donaudelta und die Tierwelt massiv bedrohen. Die
Becken lecken bereits und die Giftstoffe können durch Wind und Regen
in die Umwelt gelangen.
Auch in Serbien befinden sich mehrere Schwerindustrieunternehmen
direkt an der Donau. Der Pancevo-Komplex beinhaltet Ölraffinerien und
produziert Düngemittel und Vinylchlorid. Eine Untersuchung ergab,
dass dort Quecksilber und weitere giftige und krebserregende
Substanzen lagern. In Bulgarien liegen 20 teils aufgelassene Becken,
die zum Teil mit Erde bedeckt sind.
Inzwischen gelang es, in den betroffenen Gewässern nach dem Unfall
bei Kolontar den PH-Wert auf neun zu reduzieren. Auch der Seitenarm
der Donau bei Györ hat derzeit einen Wert unter zehn verglichen mit
dem Normalwert von 7,5. Die gemessenen Werte im Grundwasser sind noch
nahezu normal. Wie der WWF-Experte Gabor Figeczky betont, kann
derzeit noch nicht abgeschätzt werden, ob sich die Werte durch das
Einsickern von Oberflächenwasser verschlechtern. "Durch das
Einschütten von Säuren in die Flüsse werden die Schwermetalle wie
z.B. Chrom löslicher und lagern sich leichter im Grundwasser und in
den Flussbecken ab", so Figeczky. Tote und verätzte Fische wurden
bereits bei Györ gefunden.
Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, WWF-Pressesprecher, Tel. 01-48817-231 oder 0676-83488231, Email: [email protected].
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