- 07.10.2010, 10:55:17
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Katastrophe in Ungarn: WWF: EU trägt Mitschuld
Apokalypse auf 40 Quadratkilometern
Wien/Budapest (OTS) - Nachdem am Montag in Westungarn der Speicher
einer Aluminiumhütte der Ajka Aluminia Company geborsten und
Bauxitschlamm ausgeflossen ist, hat das kontaminierte Wasser die
Donau erreicht. "Zwar ist durch den Verdünnungseffekt der großen
Wassermassen der Donau die Konzentration an Schadstoffen und Giften
dann niedriger, doch das ändert nichts daran, dass das Ökosystem der
Donau damit noch mehr belastet wird", sagt Martin Geiger. Gefährdet
sind auch weite Teile eines Natura 2000-Reservats.
Schuld an der Katastrophe sei nach WWF-Einschätzung zunächst einmal
der Betreiber, da der Damm für das Rückhaltebecken nicht sicher war
und möglicherweise wesentlich mehr, als die erlaubte Menge an
Rotschlamm dort gelagert wurde. Nach Behördenangaben sind die, nach
WWF-Ansicht ohnehin viel zu laschen, Sicherheitsvorschriften nicht
eingehalten worden. "Auch die EU trägt eine Mitschuld, denn die
Sicherheitsstandards für die Abfallentsorgung in der
Bergbau-Industrie sind viel zu niedrig. Mit Erfolg hatte sich damals
die Industrie hohen Sicherheitsstandards widersetzt", sagt Geiger. So
dürften als Absicherung der Becken einfache Erdbaudämme eingesetzt
werden. Bei kritischem Hochwasser, verursacht durch Stark- oder
Dauerregen, werden diese durchweicht und halten nicht immer stand.
Der WWF fordert die ungarische Regierung aber auch andere
osteuropäische Länder mit ähnlichen Absetzbecken für
Industrie-Schlämme auf, umgehend die stillgelegten und im Betrieb
befindlichen Becken und Dämme zu prüfen und notwendige Maßnahmen für
die Verbesserung der Sicherheit zu ergreifen. Die Unternehmen sollten
stärker in die Pflicht genommen werden und in Entsorgung und sichere
Dämme investieren. "Es ist ein Hohn, dass nach EU-Vorgaben der
Rotschlamm als nicht hochgradig gefährlich eingestuft wird, wenn
nicht gleichzeitig alle möglichen Risiken abgesichert sind", warnt
Martin Geiger. "Welche Katastrophen können wir noch erwarten, bei den
vielen Haltebecken, in denen mitunter noch gefährlichere
Giftcocktails schlummern?"
Nach dem Unfall könnten die landwirtschaftlichen Böden, Fauna und
Flora über Jahre hinweg kontaminiert und damit auch für die Nutzung
durch den Menschen unbrauchbar sein. Dementsprechend erklärten
bereits viele Betroffene vor Ort, aus der Region flüchten und nicht
mehr zurückkehren zu wollen. Auch der WWF befürchtet Langzeitfolgen
für Natur und Mensch in einem bisher noch nicht abzuschätzenden
Ausmaß. "Was die langfristigen Folgen betrifft, können wir derzeit
noch keine konkreten Angaben machen. Es kommt darauf an, welche und
wie viele Schadstoffe in den Boden und die Gewässer gelangt sind.
Wahrscheinlich müssen die kontaminierten Erdmassen abgetragen werden.
Für die betroffene Region nimmt das apokalyptische Ausmaße an", sagt
Martin Geiger, Leiter Bereich Süßwasser beim WWF Deutschland. Da es
in den vergangenen Tagen in der Region viel geregnet hat, könnte es
sein, dass kontaminierter Schlamm auch das Grundwasser erreicht hat.
Damit wäre die Versorgung der Menschen mit sauberem Trinkwasser
gefährdet.
"Für die Gewässer wäre ein Staudamm in der Nähe des Unfallortes die
sicherste Lösung gewesen, um den Schlamm aufzuhalten, aber dafür ist
es jetzt zu spät", sagt Martin Geiger. Natürlich besteht weiterhin
die Möglichkeit, den ins Wasser gelangten stark alkalischen Schlamm
durch die Zugabe von Gips zu neutralisieren, was auch bereits getan
wird. Allerdings ist das nicht ohne Risiko, da so möglicherweise im
Schlamm enthaltene giftige Schwermetalle freigesetzt werden könnten.
Der Natur und damit auch den Menschen vor Ort droht also unweigerlich
weiterer Schaden.
Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, WWF-Pressesprecher, Tel. 01-48817-231 oder 0676-83488231, Email: [email protected].
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