- 01.10.2010, 13:19:25
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Getreide: Terminmärkte geben nach - Kassamärkte weniger beeindruckt
Wiener Kassamarktnotierungen reagieren verzögert und vorsichtig
Wien (OTS/aiz) - An den Internationalen Warenterminbörsen von
Chicago (CBOT) bis Paris (Euronext) gaben die Getreide-Futures diese
Woche weiter nach. So schloss etwa der europäische Weizenfutures an
der Euronext für den Liefertermin November 2010 am Donnerstag bei EUR
208,- pro t auf dem tiefsten Stand seit sechs Wochen und gab seit
seinem Höchststand am 20.09. (EUR 233,75 pro t) satte EUR 25,75 pro t
oder 11% ab. Die Kassamärkte dagegen reagieren auf die oftmals
spekulativen Ausschläge an den Terminmärkten weit behäbiger und
gelassener. Viele Anbieter erhoffen sich von einer leichten Abkühlung
der überhitzten Preise auch ein Erwachen frischer Nachfrage
zahlreicher Importeure vor allem in Asien und Nordafrika.
Die Rede an den Terminbörsen ist von Gewinnmitnahmen und davon,
dass Fonds gegen das Quartalsende hin massiv long positions auflösen.
Zudem prognostizierte das US-Landwirtschaftsministerium USDA am
Donnerstag überraschenderweise die Quartals- und gleichzeitig
Endbestände der USA an Mais im Ende September zu Ende gegangenen
Wirtschaftsjahr 2009/10 mit 43,3 Mio. t kräftig höher als vor einem
Monat, wo um 8,1 Mio. t weniger angenommen worden waren. Dies kam für
den Markt unerwartet und löste bisweilen auch Zweifel aus, drückte
aber die Maisnotierungen an der CBOT deutlich nach unten und ließ die
Weizenfutures sowohl in den USA als auch in Europa folgen. Die
Weizenkurse stehen zurzeit stark unter Einfluss jener von Mais, weil
ihre Preise auf den knapp versorgten weltweiten Futtergetreidemärkten
- auch die globale Gerstenernte ist schwach - wie in kommunizierenden
Gefäßen aufeinander reagieren. Nach unten revidierte
Maisernteprognosen lösten bekanntlich im September auch die letzte
Etappe der Weizenpreisrallye aus. Weniger beeindruckt von
spekulativen Momenten zeigen sich offenbar die Kassamärkte, wo sich
an den fundamentalen Marktdaten ja praktisch nichts geändert hat und
etwa in der EU die Preise trotz Euro-Stärke weiterhin von einem
Exportboom profitieren.
Wiener Kassamarktnotierungen reagieren verzögert und vorsichtig
Der Einbruch der internationalen Futures-Notierungen ließ zwar den
österreichischen Kassamarkt auch nicht ganz ungerührt, doch
reagierten die Preise und Notierungen hierzulande zäher und mit
Zeitverzögerung. Die Wiener Produktenbörse korrigierte am Mittwoch
dieser Woche lediglich die unteren Notierungen der Preisbänder für
Premium-, Qualitäts- und Mahlweizen nach unten. Da die oberen
Notierungen noch gleich belassen wurden, gingen die Preisbänder um
nur EUR 1,50 bis 2,- pro t auf EUR 248,50 für jeweils eine Tonne
Premiumweizen, EUR 240,- beim Qualitäts- und EUR 228,- beim
Mahlweizen zurück. Die somit auch breiter angesetzten Preisbänder
spiegeln laut Wiener Börsianern auch die Entwicklung in der
Zeitabfolge der Notierungswoche wider: Zu den Preisen am oberen
Notierungsrand konnte noch vor dem "Schwarzen Freitag" an der
Euronext in der Vorwoche verkauft werden, und zu den niedrigeren am
unteren Rand danach.
Aus dem Handel heißt es, die Preiskorrekturen hätten zu weiterer
Verunsicherung der heimischen Mühlen geführt. Nachdem die erste Runde
der Rohstoffdeckung mit Mahlweizen gelaufen sei, würden sie sich
zurzeit nur sehr zurückhaltend mit Folgeordern aus der Deckung wagen.
Auch das Exportgeschäft mit Aufmischweizen habe etwas an Schwung
verloren, wenngleich immer wieder einzelne Partien ihre Liebhaber
fänden.
Maismarkt weiterhin nervös - hohe Nassmaispreise halten sich
Weiter sehr nervös bleibt deshalb auch der heimische
Nassmaismarkt, der wegen der Ernteverzögerungen durch wiederholten
Regen nur verhalten anläuft. Die hohen Nassmaispreise sollen sich
jedenfalls gehalten haben.
Getreideexport der EU boomt
Aus der EU werden weiterhin große Weizen- und Gerstenmengen in
Drittländer verkauft. Exportlizenzen für 1 Mio. t Weizen und für
175.000 t Gerste fragten Händler zwischen dem 22. und dem 28.09.
nach, berichtete die EU-Kommission am Donnerstag im Brüsseler
Verwaltungsausschuss. Französische Händler hätten 120.000 t
Mahlweizen an Ägypten zu USD 294,- (EUR 215,42) pro t fob verkauft.
In Deutschland sei ein Geschäft über 100.000 t Weizen mit Jordanien
zu USD 350,- (EUR 256,45) pro t cif abgeschlossen worden. Russland
wolle demnächst die Höhe von Ausfuhrkontingenten bekannt geben,
berichtete die Kommission weiters. Während die Weizennotierungen
zuletzt nachgaben, sei der Gerstenpreis dagegen in der zweiten
Septemberhälfte in der Schwarzmeerregion von USD 245,- (EUR 179,51)
auf USD 265,- (EUR 194,17) pro t fob gestiegen. Saudi-Arabien habe
360.000 t Gerste zu USD 344,- (EUR 252,52) pro t cif gekauft, ohne
die Herkunft zu benennen. Weiters habe das Königreich noch einmal
265.000 t Gerste aus der Ukraine zu USD 318,- (EUR 233,10) pro t cif
geordert. Laut FAO ist die globale Gerstenernte 2010/11 um 14% auf
130 Mio. t gefallen.
Seit dem Beginn der Saison (01.07.2010) wurden aus der EU 8,4 Mio.
t Getreide exportiert, gegenüber 5,6 Mio. t im Vergleichszeitraum des
Vorjahres. Die Gerstenausfuhren liegen mit 1,4 Mio. t deutlich über
der Vorjahresmenge von 285.000 t. Die Weizenausfuhren der EU
steigerten sich von 5,1 Mio. t in der Vorsaison auf 6,8 Mio. t in
diesem Wirtschaftsjahr. (Schluss) pos/mö
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