- 23.09.2010, 13:38:59
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ibw-Studie: Lehrlingsausbildung schützt vor Jugendarbeitslosigkeit
Trotz internationaler Finanz- und Wirtschaftskrise konnte Österreich seine EU-weit hervorragende Position im Bereich der Jugendbeschäftigung halten
Wien (OTS/PWK719) - Der von den Forschungsinstituten ibw
(Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft) und öibf
(Österreichisches Institut für Berufsbildungsforschung) erstellte
Bericht im Auftrag des Wirtschaftsministeriums (BMWFJ) zur Situation
der Jugendbeschäftigung und Lehrlingsausbildung belegt den
Zusammenhang von hohem Anteil an Lehrlingsausbildung und niedriger
Jugendarbeitslosigkeit eindrucksvoll - sowohl auf europäischer Ebene
als auch im Vergleich der österreichischen Bundesländer
untereinander.
Das ibw erstellte gemeinsam mit dem öibf den Bericht zur Situation
der Jugendbeschäftigung in Österreich, welcher gemäß §15b BAG seitens
des BMWFJ alle zwei Jahre dem Nationalrat vorzulegen ist. Diese
Studie zeigt: Trotz internationaler Finanz- und Wirtschaftskrise
konnte Österreich seine EU-weit hervorragende Position im Bereich der
Jugendbeschäftigung halten. Dennoch ist unübersehbar, dass die
Wirtschaftskrise im Bereich der Jugendbeschäftigung auch in
Österreich Spuren hinterlassen hat und die österreichische Bildungs-,
Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik vor besondere Herausforderungen
gestellt ist.
Österreich weist im europäischen Vergleich (EU 27-Länder) in allen
im Rahmen des Berichts untersuchten Indikatoren, welche in direktem
Zusammenhang zur Situation der Jugendbeschäftigung zu sehen sind und
vor allem Jugendarbeitslosigkeit sowie erreichte Bildungsabschlüsse
betreffen, vergleichsweise günstige Werte auf.
Die Jugendarbeitslosenquote (gemäß EUROSTAT) betrug in Österreich
im Jahr 2009 10,0%, in den EU 27-Ländern zusammen aber 19,6%.
Österreich liegt damit innerhalb der EU hinsichtlich
Jugendarbeitslosigkeit im Jahr 2009 an zweitgünstigster Stelle (nur
hinter den Niederlanden).
Auch der Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit im Jahr 2009 (im Zuge
der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise) fiel in Österreich
geringer aus als in der EU insgesamt. In Österreich stieg die
Jugendarbeitslosenquote von 8,0% auf 10,0% (+2,0%), in der gesamten
EU (auf Basis der vorläufigen Daten für 2009) von 15,4% auf 19,6%
(+4,2%).
Als ein wesentlicher Grund für diese vergleichsweise gute
Integration der Jugendlichen in das Beschäftigungssystem wird - neben
der allgemein relativ niedrigen Arbeitslosigkeit - das hoch
entwickelte System der beruflichen Erstausbildung
(Lehrlingsausbildung, berufsbildende mittlere und höhere Schulen) in
Österreich betrachtet.
In Österreich ist dabei sowohl die Ausbildungsbeteiligung als auch
der Anteil der beruflichen Bildung relativ hoch. Insbesonders das
System der dualen Lehrlingsausbildung (in Betrieb und Berufsschule)
verschafft Österreich hier eine besonders gute Position im
internationalen Vergleich.
Der Zusammenhang zwischen niedriger Jugendarbeitslosigkeit und
einem hohen Anteil an Jugendlichen in der Lehrlingsausbildung lässt
sich auch für die österreichischen Bundesländer empirisch belegen.
Die Jugendarbeitslosenquoten nach Bundesländern weisen eine sehr
starke negative Korrelation (15-19 Jahre:
r = -0,72 / 20-24 Jahre: r = -0,60) mit der Zahl der Lehrlinge im 1.
Lehrjahr in Relation zu den 15-Jährigen (hier vereinfacht als
"Lehranfängerquote" bezeichnet) auf. Dies bedeutet, dass in den
Bundesländern mit einer relativ geringen Lehranfängerquote (z.B. das
Burgenland oder Niederösterreich) die Jugendarbeitslosigkeit
wesentlich höher ist als in den Bundesländern, in denen ein besonders
hoher Anteil der Jugendlichen eine Lehre beginnt (z.B. Salzburg oder
Oberösterreich). Die Jugendarbeitslosenquote ist also tendenziell
niedriger, je mehr Jugendliche eines Altersjahrgangs eine
Lehrausbildung absolvieren. Da dies auch auf die Arbeitslosenquote
der 20-24-Jährigen zutrifft, die in der Regel die Lehrausbildung
bereits vollendet haben, verdeutlicht dies den positiven Effekt der
dualen Berufsausbildung (Lehrlingsausbildung) auf die nachhaltige
Arbeitsmarktintegration Jugendlicher.
Nicht zuletzt ist die betriebliche Lehrlingsausbildung (durch die
Ausbildungsbeteiligung der Betriebe) auch jene Ausbildungsform in der
Sekundarstufe II, welche mit großem Abstand die geringsten
öffentlichen Mittel erfordert. Während die öffentlichen Ausgaben pro
Schüler/-in bzw. Lehrling im Jahr 2008/2009 für die überbetriebliche
Lehrausbildung im Auftrag des AMS bei etwa Euro 15.000,- und für die
berufsbildenden mittleren und höheren Schulen bei rund Euro 10.000,-
lagen, lassen sich die öffentlichen Ausgaben für die betriebliche
Lehrausbildung (Berufsschule + Lehrstellenförderung neu) bei maximal
etwa Euro 6.400,- pro Lehrling und Ausbildungsjahr taxieren.
Trotz der im Hinblick auf die Jugendarbeitslosigkeit
vergleichsweise guten Ausgangsposition Österreichs darf aber nicht
darüber hinweggesehen werden, dass von den Folgen der im Jahr 2008
akut gewordenen internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise - sowohl
in Österreich als auch in der EU insgesamt - besonders die
Jugendlichen betroffen waren. Ihre Arbeitslosenquote ist wesentlich
stärker gestiegen als die Arbeitslosenquote der Älteren. Die
Arbeitslosenquote der 15- bis 24-Jährigen stieg gemäß EUROSTAT
innerhalb der EU 27-Länder im Jahr 2009 um +4,2% (von 15,4% auf
19,6%), in Österreich um +2,0% (von 8,0% auf 10,0%). Die
Arbeitslosenquote der 25- bis 74-Jährigen stieg hingegen innerhalb
der EU 27-Länder im Jahr 2009 "lediglich" um +1,7% (von 5,9% auf
7,6%), in Österreich um +0,8% (von 3,1% auf 3,9%). Als primäre
Ursache für diesen überproportionalen Anstieg der
Jugendarbeitslosigkeit in der Wirtschaftskrise kann der Umstand
gesehen werden, dass viele Unternehmen auch bei fehlender Auslastung
versuchen, nach Möglichkeit ihr bestehendes (älteres) Personal zu
halten, aber die Zahl der Neueinstellungen (von Jüngeren) stark
zurückgeht. (BS)
Die gesamte Studie steht unter
http://www.ibw.at/media/jugendbeschäftigung.pdf zum Download bereit.
Rückfragehinweis:
ibw Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft Mag. Helmut Dornmayr 01 545 16 71-52 [email protected] www.ibw.at
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