• 22.09.2010, 09:30:18
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Schüßler Salze: Gesalzene Preise für unbelegte Wirkung

Testmagazin Konsument: stark unterschiedliche Empfehlungen in Apotheken

Wien (OTS/VKI) - Eine vor 130 Jahren von dem Arzt Wilhelm Schüßler
entwickelte alternative Heilmethode beruht auf der Annahme, dass
Krankheiten nicht durch Erreger, sondern durch den Mangel an
Mineralien im Körper ausgelöst werden. Dieser Mangel soll mittels
Tabletten oder Salben, die in homöopathischen Dosen mit den
jeweiligen Mineralien angereichert sind, ausgeglichen werden. Die
Wirkung dieser Methode ist wissenschaftlich nicht belegt. Der Verein
für Konsumenteninformation (VKI), der das Testmagazin Konsument
herausgibt, wollte wissen, welche Empfehlungen Apotheken hinsichtlich
Schüßler Salzen abgeben. Eine Testperson mit Reizmagen-, Reizdarm-
bzw. Reizblasensyndrom suchte im Rahmen eines Praxistests sieben
zufällig ausgewählte Wiener Apotheken auf und ließ sich beraten. Die
Stichprobe ergab eine Vielfalt an unterschiedlichen
Zusammenstellungen von Schüßler Salzen, bei denen teilweise weder
Salze noch Dosierung übereinstimmten. Der Glaube an Schüßler Salze
kann zudem sehr teuer werden: Im Extremfall wurden 190 Euro
verrechnet.

Wissenschaftlich ist die Wirkung der Biochemie nach Schüßler nicht
belegt. Auch wenn die Salze nicht zu unerwünschten Nebenwirkungen
führen, warnt VKI-Gesundheitsexperte Bernhard Matuschak: "Die
Selbstbehandlung mit Schüßler Salzen kann zu schwerwiegenden
gesundheitlichen Schäden führen, wenn dadurch die ärztliche
Behandlung einer ernstzunehmenden Krankheit unterbleibt." In nur drei
der sieben aufgesuchten Apotheken wurde aber abgeklärt, ob der Kunde
bereits beim Arzt war oder andere Medikamente eingenommen werden. In
drei Fällen wurden die Salze ohne Nachfrage ausgehändigt. Ein
Apotheker verwies an einen erfahrenen Homöopathen.

In drei Apotheken wurde in Verbindung mit der Methode nach
Schüssler zu einer Antlitzanalyse geraten. Hier soll das Betrachten
des Gesichtes Aufschluss über die dem Patienten fehlenden Mineralien
geben. In zwei Apotheken wurde diese auch durchgeführt, wobei sich
zeigte, dass in Verbindung mit einer derartigen Analyse deutlich mehr
Präparate empfohlen werden. Hier kann es dann auch richtig teuer
werden. Bereits die Kosten für die Antlitzanalyse selbst bewegten
sich zwischen 15 und 40 Euro. Im extremsten Fall wurde dann zur
Einnahme von elf der zwölf möglichen Salze - in Form von beachtlichen
140 Tabletten pro Tag - geraten; und das um einen Gesamtpreis von 190
Euro. Matuschak: "Unser Fazit: Viel Aufwand für eine nicht belegte
Wirkung und das zu wahrlich gesalzenen Preisen. Unser Rat: Lieber den
Arzt aufsuchen, als sich auf derartige Experimente einlassen."
Nachsatz: Auch innerhalb der Apothekerschaft ist die Biochemie nach
Schüßler umstritten.

Alle Informationen zu diesem Thema gibt es auf www.konsument.at
sowie ab dem 23.09. im Oktober-Konsument.

Rückfragehinweis:
Verein für Konsumenteninformation/Testmagazin "Konsument"
Mag. Andrea Morawetz, Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 01/588 77 - 256
mailto:[email protected]
www.konsument.at

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