Caritas-Auslandshilfechef zu Millenniumsentwicklungszielen: "Erfolge muss man mit der Lupe suchen"

Christoph Petrik-Schweifer fordert im Vorfeld des UN-Gipfels in New York einen "ordentlichen Sprint in der Armutsbekämpfung"

Wien (OTS) - Eine alarmierende Zwischenbilanz zu den Millenniumszielen, die bis 2015 eine Halbierung des weltweiten Hungers und der Armut vorsehen, zieht Caritas-Auslandshilfechef Christoph Petrik-Schweifer im Vorfeld des UN-Gipfels in New York: "Es gibt Erfolge, aber angesichts des weltweiten Elends muss man sie mit der Lupe suchen." Echte Fortschritte wurden etwa im Bereich der Schulbildung und beim Zugang zu Aidsmedikamenten erzielt.

Die Armen nicht im Stich lassen

"Beim weltweiten Hunger ist in all den Jahren der Anteil der Betroffenen an der Weltbevölkerung von 16 Prozent aber nur um drei Prozentpunkte auf 13 Prozent gesunken. Vom Ziel, den Hunger zu halbieren, sind wir also meilenweit entfernt", ist Petrik-Schweifer alarmiert. Heute hungern 925 Millionen Menschen. "Abgesehen vom Wirtschaftskrisenjahr 2009 ist das die höchste Zahl, die wir jemals hatten", sagt der Caritas-Auslandshilfechef.

Eine Hauptursache für diese mangelnden Erfolge sieht der Caritas-Auslandshilfechef darin, dass die reichen Staaten ihre Versprechungen für mehr Entwicklungshilfe nicht eingehalten haben:
"Die österreichische Regierung gehört leider zu den Musterschülern in der Klasse der Hilfsverweigerer."

"Die Tradition des Brechens von Versprechen hat bei österreichischen Regierungen leider eine lange Tradition. Und zwar unabhängig davon, ob es sich um Zeiten der Hochkonjunktur oder um Zeiten der Krise gehandelt hat", betont der Caritas-Auslandshilfechef: "Es geht nicht an, dass die reichen Staaten die Ärmsten der Armen völlig im Stich lassen."

Mehr Unterstützung für Kleinbauern

Für die dritte und letzte Etappe des Weges plädiert der Caritas-Auslandshilfechef für einen "ordentlichen Sprint in der Armutsbekämpfung, wenn die im Jahr 2000 von 189 Staatschefs unterzeichneten Millenniumserklärung mehr wert sein soll als das Papier, auf dem sie steht." Um den weltweiten Hunger zu bewältigen, solle beim UN-Gipfel ein Aktionsplan ausgearbeitet werden, der Bäuerinnen und Bauern in den ärmsten Ländern bei einer nachhaltigeren und ertragreicheren Landwirtschaft sowie einer besseren Produktvermarktung unterstütze. Petrik-Schweifer: "Zudem plädieren wir dafür, dass der zuletzt drastisch auf wenige Prozent reduzierte Anteil der Entwicklungshilfe, der in die kleinbäuerliche Landwirtschaft geht, auf zehn Prozent gesteigert wird."

Damit gewährleistet ist, dass die Hilfe tatsächlich jenen zugute kommt, die sie am dringendsten brauchen, solle bei der Vergabe der staatlichen Entwicklungshilfegelder vermehrt die große Erfahrung und professionelle Arbeit von NGOs genutzt werden.

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