• 10.09.2010, 09:00:46
  • /
  • OTS0030 OTW0030

Konjunkturbelebung in Österreich, Weltwirtschaft verliert an Schwung

Wien (OTS/WIFO) - Die österreichische Wirtschaft wuchs im II.
Quartal gegenüber der Vorperiode real um 1,2%. Gegenüber dem Vorjahr
bedeutet dies eine Zunahme von 2,4%. Damit hat der internationale
Konjunkturaufschwung auch die heimische Wirtschaft voll erfasst. Die
Impulse für die Expansion kamen von Export und Investitionen. Die
Industrieproduktion nahm gegenüber dem Vorjahr kräftig zu; die
Kapazitätsauslastung liegt wieder über dem langjährigen Durchschnitt.
Auf dem Arbeitsmarkt setzt sich die Erholung fort. International
mehren sich allerdings die Anzeichen für eine Verlangsamung des
Konjunkturaufschwungs.

Das Wirtschaftswachstum beschleunigte sich in Österreich im II.
Quartal erheblich, das BIP nahm gegenüber dem Vorquartal real um 1,2%
zu (I. Quartal -0,0%). Belebt wurde die Produktion durch die starke
Expansion des Welthandels und der Auslandsnachfrage. Die Exporte
stiegen um 5,0%. Davon profitierte insbesondere die
Sachgütererzeugung, ihre Wertschöpfung nahm um 6,3% zu. Der
Exportaufschwung beginnt auf die Investitionstätigkeit überzugreifen:
Im II. Quartal erhöhten sich die Ausrüstungsinvestitionen erstmals
seit zwei Jahren gegenüber dem Vorquartal (real +5,3%). Die
Bauinvestitionen sanken hingegen um 2,3%. Die mäßige, aber stetige
Ausweitung der privaten Konsumausgaben setzte sich fort (+0,2%).
Aufgrund des starken Wirtschaftswachstums wurden auch die Importe im
II. Quartal beträchtlich gesteigert (+3,4%).

Das kräftige Wachstum der österreichischen Wirtschaft im II.
Quartal war durch die starke Nachfrage aus dem Ausland bedingt. Nun
mehren sich allerdings die Anzeichen, dass die Konjunktur in den USA
und in Asien an Schwung verliert. Dies verlangsamt die weitere
Expansion des Welthandels. In Europa nahm die Wirtschaft hingegen
erst zeitverzögert am internationalen Aufschwung teil und gewann im
II. Quartal an Dynamik. Insbesondere Deutschland profitierte stark
von der Zunahme der Nachfrage aus Übersee und wurde zum
Konjunkturmotor in der EU.

In Österreich ging die Industrieproduktion (ohne Baugewerbe) im
Juni gegenüber dem Vormonat wieder leicht zurück, nachdem sie seit
Jahresbeginn stetig gestiegen war. Sie lag um 11% über ihrem
Tiefstwert vom Mai 2009. Die Kapazitätsauslastung erhöhte sich
zuletzt deutlich. In der Sachgütererzeugung lag sie laut
Konjunkturtest der Europäischen Kommission für das III. Quartal mit
82,6% erstmals wieder über dem langjährigen Durchschnitt, der
allerdings durch die jüngste Krise deutlich nach unten gedrückt
wurde. Der WIFO-Konjunkturtest zeigt im August eine anhaltend
optimistische Einschätzung der aktuellen Entwicklung. Die Beurteilung
der Geschäftslage in den nächsten sechs Monaten und die
Produktionserwartungen liegen in der Sachgütererzeugung über dem
langjährigen Durchschnitt, verbesserten sich jedoch seit März nicht
weiter. Das lässt darauf schließen, dass der Aufschwung zwar anhält,
sich aber nicht beschleunigt.

Die Verbraucherpreise erhöhten sich in Österreich im Juli
gegenüber dem Vorjahr um 1,9%. Seit März ist die Inflationsrate damit
konstant. Die wichtigste Ursache der Preissteigerungen war die
Verteuerung von Mineralölprodukten, die sich in den Bereichen Wohnen
und Verkehr niederschlug.

Übersicht 1: Ergebnisse der vierteljährlichen Volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnung - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Auf dem Arbeitsmarkt setzt sich die Erholung fort. Im August war
die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen um 20.400 niedriger als im
Vorjahr. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote betrug nach
traditioneller österreichischer Berechnungsmethode 6,8%, sie blieb
gegenüber dem Vormonat stabil. Die unselbständige Aktivbeschäftigung
nahm im August gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt nicht zu, lag
jedoch um 51.500 über dem Vorjahresniveau (+1,6%).

Abbildung 1: Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes - auf der
WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Methodische Hinweise und Kurzglossar

Periodenvergleiche

Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem
Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies
schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl
von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im
Text wird von "saison- und arbeitstägig bereinigten Veränderungen"
gesprochen.

Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ."
beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode
des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.

Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung
liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf
und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings
zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen
Methoden beruht.

Reale und nominelle Größen

Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um
Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell
ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens
angeführt.

Inflation, VPI und HVPI

Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise
gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein
Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte
Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare
Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der
Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone (siehe auch
http://www.statistik.at/).

WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest

Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund
1.100 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen
und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist
eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer
Investitionstätigkeit (http://www.itkt.at/). Die Indikatoren sind
Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem der negativen
Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.

Arbeitslosenquote

Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung
registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen.
Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und
unselbständig Beschäftigten (gemessen in
Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei
AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen,
die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als
erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde
selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die
Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den
Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die
Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen
Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).

Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der
Arbeitslosenquote

Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in
AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der
Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler
berücksichtigt.

Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig
Beschäftigten" zählen auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld
beziehen, sowie Präsenz- und Zivildiener mit aufrechtem
Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die
Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".

Rückfragehinweis:
Dr. Stefan Ederer (erreichbar von 9 bis 16 Uhr)
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-464, [email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WFO

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel