• 30.07.2010, 14:40:52
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Österreich: Vermarktung der Getreideernte startet mit festen Preisen

Kassamarkt notiert deutlich über 2009 - internationale Preisrallye wegen Russland fortgesetzt

Wien (OTS/aiz) - In Österreich haben sich diese Woche auch am
Kassamarkt sehr feste, gegenüber der Ernte 2009 deutlich gestiegene
Preise für die Getreideernte 2010 gebildet. Die Erstnotierungen von
Brotweizen liegen gegenüber ersten Preisen aus der Ernte 2009 um bis
zu 36% höher, die von Mahlroggen und Futterweizen um 46% sowie von
Futtergerste um 26%. Dies ist für die Landwirte ein bedingter Trost,
da auch hierzulande zuletzt die Ertragsaussichten der immer wieder
durch Schlechtwetterfronten unterbrochenen Ernte schwanden und die
Bauern im Spätdruschgebiet bei weiteren Niederschlägen um Mengen und
Qualität zittern müssen. An den internationalen Märkten treiben die
Ernteausfälle im Schwarzmeerraum und Russland sowie Gerüchte um
Exportrestriktionen in den betroffenen Ländern die Kurse an den
Terminbörsen zu neuen Höhenflügen. Der Internationale Getreiderat IGC
revidierte seine globale Weizenernteschätzung 2010/11 am Donnerstag
dieser Woche gegenüber dem Juni um 13 Mio. t auf 651 Mio. t hinunter
und sieht nun nach Mais und Getreide insgesamt auch beim Weizen eine
negative Versorgungsbilanz der Welt mit einem Bestandsabbau zum Ende
des Wirtschaftsjahres um 5 Mio. t.

Die österreichischen Getreideverarbeiter sind in der abgelaufenen
Woche aufgewacht und begannen mit Getreideaufkäufen aus der laufenden
Ernte, nachdem sie in den vergangenen Wochen ungewöhnlich lange und
ungläubig die rasante Entwicklung an den Terminmärkten beobachtet und
auf ein baldiges Platzen einer Preisblase gehofft hatten. Nach
Italien liefen Anschlusslieferungen sowie Probelieferungen aus neuer
Ernte schon länger und in gewohnten Bahnen. Die Börse für
Landwirtschaftliche Produkte in Wien notierte daraufhin am Mittwoch
dieser Woche praktisch alle aktuell geernteten Getreidearten mit
Ausnahme von Braugerste. Dennoch erfolgte die Preisbildung am
heimischen Markt heuer relativ frühzeitig, wodurch die nun
eingeschlagenen Eckpflöcke den verunsicherten und nervösen
Marktteilnehmern eine erste Orientierung geben können. Allerdings, so
hieß es an der Wiener Produktenbörse, gäben diese Erstnotierungen
Geschäfte wieder, die schon vor den neuerlichen jüngsten
Notierungssprüngen an der Pariser Euronext abgeschlossen worden sind,
sodass man erst nächste Woche sehen werde, wie der heimische
Kassamarkt auch darauf reagieren wird.

Wie nervös die Märkte zurzeit reagieren, zeigten diese Woche
Berichte über mögliche Exportrestriktionen der globalen Spieler unter
den Getreideexporteuren Russland und Ukraine. An der Pariser
Warenterminbörse Euronext, dem für die EU maßgeblichen Marktplatz,
sprangen die Weizennotierungen für den Liefertermin November 2010 von
einem zum anderen Kontrakthoch. Am Donnerstag schloss der Pariser
November-Weizenfutures nach einem kurzfristigen Kontrakthoch von EUR
193,75 pro t letztlich bei EUR 188,- pro t, heute, Freitag, Vormittag
legte er ein neues Kontrakthoch von EUR 194,50 pro t nach. Das ist
ein Drittel mehr als noch zu Monatsbeginn.

Da Russland und die Ukraine in einem scharfen Wettbewerb mit den
ebenfalls unter den Top-Exporteuren am Weltmarkt rangierenden
Produzenten USA und EU stehen, versprechen sich diese beiden
Konkurrenten nun vom Ausfall der anderen bessere Exportchancen vor
allem in den heiß umkämpften und aufnahmefähigen Exportdestinationen
rund ums Mittelmeer von Ägypten bis zum Maghreb.

So zogen zuletzt auch in den USA die Weizennotierungen im
Monatsabstand um fast die Hälfte an, nachdem das Washingtoner
Landwirtschaftsministerium USDA am Donnerstag jüngste
Weizen-Exportdaten veröffentlichte, die die Erwartungen von Analysten
um das Doppelte übertrafen. Ein Ende der Fahnenstange für die
Preisrallye sehen Analysten aber auch durch die immer noch hohen
Lagerbestände aus den vorigen Ernten gesetzt. Preissprünge wie
2007/08 mit Spitzen von bis zu EUR 300,- pro t Weizen seien diesmal
nicht in Sicht, heißt es. Denn, so bestätigt auch die jüngste
IGC-Weizenbilanz für 2010/11: Mit 651 Mio. t Weizenproduktion
weltweit - übrigens die drittbeste Ernte der Geschichte - werde der
Verbrauch von 655 Mio. t zwar nicht gedeckt, aber aus 2009/10 liegen
noch 197 Mio. t komfortabler Bestände auf Lager - das sind rund 30%
eines Jahresbedarfs, die zum Ende 2010/11 lediglich auf etwa 29%
abgebaut werden sollen. Und am Weizenmarkt gilt eigentlich die
Faustregel: In der Branche gilt nämlich als Auslöser für eine
Preisrallye erst ein Fallen der Getreidereserven unter 20% eines
Jahresbedarfs, mehr Überlager deuten dagegen auf Preisdruck. Außerdem
reagiert der Verbrauch auch elastisch auf die Preise. Verteuert sich
etwa Weizen, geht seine Verwendung im Tierfutter - die Tiermast ist
gleichzeitig deutlich vor der menschlichen Ernährung der größte
Verbrauchsfaktor - auf Kosten des Einsatzes anderer Getreidearten wie
Gerste oder Mais zurück. Deshalb hat der IGC in seiner Juli-Prognose
neben der Produktion auch den Weizenverbrauch für 2010/11 gegenüber
dem Vormonat um 3 Mio. t auf 655 Mio. t zurückgenommen. Die
regionalen und die Märkte für die einzelnen Getreidearten verhalten
sich letztlich wie untereinander kommunizierende Gefäße.

Insgesamt, so der IGC, wird aber die weltweite
Gesamtgetreidebilanz mit 1,753 Mrd. t Produktion und 1,774 Mrd. t
Verbrauch um 21 Mio. t negativ ausfallen, denn auch die Maisbilanz
sehen die Londoner Experten im roten Bereich: Mit 823 Mio. t
erwarteter Ernte stehen um 6 Mio. t weniger zur Verfügung als
gebraucht werden.

Österreich: Bessere Preise Trost für geschmälerte Ernteaussicht -
Zittern im Spätdruschgebiet

Die diese Woche an der Wiener Produktenbörse notierten
Kassamarktpreise (Netto-Großhandelsabgabepreise ab Station) von -
jeweils pro t - EUR 179,- für Premiumweizen, EUR 169,- für
Qualitätsweizen, EUR 159,- für Mahlweizen, EUR 149,- für Mahlroggen
sowie EUR 116,- für Futtergerste und EUR 142,50 für Futterweizen
stellen für die heimischen Landwirte einen bedingten Trost für die
gegenüber ursprünglich optimistischeren Prognosen geschmälerten
Ernteaussichten dar. Futtergerste zog übrigens im Wochenabstand um
EUR 12,50 pro t gegenüber der wenig repräsentativen Erstnotierung von
Ex-Ernte-Verkäufen an; ebenso befestigte sich Raps von allerdings
schon hohem Niveau ausgehend weiter auf EUR 330,- pro t.

Zittern lässt die Bauern in Österreich allerdings die Welle von
Schlechtwetterfronten, die in der abgelaufenen Woche die
Erntetätigkeiten ziemlich stark bremste. Es heißt zwar, im weit
fortgeschrittenen Qualitätsweizengebiet hätten die noch am Halm
stehenden Bestände noch nicht essenziell gelitten. Experten sehen
beim Weizen bisher "eine sehr normale Qualitätsverteilung". Doch
reduziert jeder weitere Regen das Hektolitergewicht und bringt die
Gefahr von Lagerbildung, Auswuchs und Krankheiten. Man hofft nun nach
dem Abzug der aktuellen Front auf zumindest ein zweitägiges
Schönwetterfenster, dann sollte hier das Meiste erledigt sein. Mit
weiteren, nächste Woche befürchteten Niederschlägen nimmt aber das
zittern im Spätdruschgebiet wie im Waldviertel oder in Oberösterreich
zu.
(Schluss) pos/pom/mö

Rückfragehinweis:
aiz.info - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst
Tel.: 01/533 18 43 , Fax: 01/535 04 38, Web: aiz.info
mailto: [email protected]

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