Österreich: Vermarktung der Getreideernte startet mit festen Preisen

Kassamarkt notiert deutlich über 2009 - internationale Preisrallye wegen Russland fortgesetzt

Wien (OTS/aiz) - In Österreich haben sich diese Woche auch am Kassamarkt sehr feste, gegenüber der Ernte 2009 deutlich gestiegene Preise für die Getreideernte 2010 gebildet. Die Erstnotierungen von Brotweizen liegen gegenüber ersten Preisen aus der Ernte 2009 um bis zu 36% höher, die von Mahlroggen und Futterweizen um 46% sowie von Futtergerste um 26%. Dies ist für die Landwirte ein bedingter Trost, da auch hierzulande zuletzt die Ertragsaussichten der immer wieder durch Schlechtwetterfronten unterbrochenen Ernte schwanden und die Bauern im Spätdruschgebiet bei weiteren Niederschlägen um Mengen und Qualität zittern müssen. An den internationalen Märkten treiben die Ernteausfälle im Schwarzmeerraum und Russland sowie Gerüchte um Exportrestriktionen in den betroffenen Ländern die Kurse an den Terminbörsen zu neuen Höhenflügen. Der Internationale Getreiderat IGC revidierte seine globale Weizenernteschätzung 2010/11 am Donnerstag dieser Woche gegenüber dem Juni um 13 Mio. t auf 651 Mio. t hinunter und sieht nun nach Mais und Getreide insgesamt auch beim Weizen eine negative Versorgungsbilanz der Welt mit einem Bestandsabbau zum Ende des Wirtschaftsjahres um 5 Mio. t.

Die österreichischen Getreideverarbeiter sind in der abgelaufenen Woche aufgewacht und begannen mit Getreideaufkäufen aus der laufenden Ernte, nachdem sie in den vergangenen Wochen ungewöhnlich lange und ungläubig die rasante Entwicklung an den Terminmärkten beobachtet und auf ein baldiges Platzen einer Preisblase gehofft hatten. Nach Italien liefen Anschlusslieferungen sowie Probelieferungen aus neuer Ernte schon länger und in gewohnten Bahnen. Die Börse für Landwirtschaftliche Produkte in Wien notierte daraufhin am Mittwoch dieser Woche praktisch alle aktuell geernteten Getreidearten mit Ausnahme von Braugerste. Dennoch erfolgte die Preisbildung am heimischen Markt heuer relativ frühzeitig, wodurch die nun eingeschlagenen Eckpflöcke den verunsicherten und nervösen Marktteilnehmern eine erste Orientierung geben können. Allerdings, so hieß es an der Wiener Produktenbörse, gäben diese Erstnotierungen Geschäfte wieder, die schon vor den neuerlichen jüngsten Notierungssprüngen an der Pariser Euronext abgeschlossen worden sind, sodass man erst nächste Woche sehen werde, wie der heimische Kassamarkt auch darauf reagieren wird.

Wie nervös die Märkte zurzeit reagieren, zeigten diese Woche Berichte über mögliche Exportrestriktionen der globalen Spieler unter den Getreideexporteuren Russland und Ukraine. An der Pariser Warenterminbörse Euronext, dem für die EU maßgeblichen Marktplatz, sprangen die Weizennotierungen für den Liefertermin November 2010 von einem zum anderen Kontrakthoch. Am Donnerstag schloss der Pariser November-Weizenfutures nach einem kurzfristigen Kontrakthoch von EUR 193,75 pro t letztlich bei EUR 188,- pro t, heute, Freitag, Vormittag legte er ein neues Kontrakthoch von EUR 194,50 pro t nach. Das ist ein Drittel mehr als noch zu Monatsbeginn.

Da Russland und die Ukraine in einem scharfen Wettbewerb mit den ebenfalls unter den Top-Exporteuren am Weltmarkt rangierenden Produzenten USA und EU stehen, versprechen sich diese beiden Konkurrenten nun vom Ausfall der anderen bessere Exportchancen vor allem in den heiß umkämpften und aufnahmefähigen Exportdestinationen rund ums Mittelmeer von Ägypten bis zum Maghreb.

So zogen zuletzt auch in den USA die Weizennotierungen im Monatsabstand um fast die Hälfte an, nachdem das Washingtoner Landwirtschaftsministerium USDA am Donnerstag jüngste Weizen-Exportdaten veröffentlichte, die die Erwartungen von Analysten um das Doppelte übertrafen. Ein Ende der Fahnenstange für die Preisrallye sehen Analysten aber auch durch die immer noch hohen Lagerbestände aus den vorigen Ernten gesetzt. Preissprünge wie 2007/08 mit Spitzen von bis zu EUR 300,- pro t Weizen seien diesmal nicht in Sicht, heißt es. Denn, so bestätigt auch die jüngste IGC-Weizenbilanz für 2010/11: Mit 651 Mio. t Weizenproduktion weltweit - übrigens die drittbeste Ernte der Geschichte - werde der Verbrauch von 655 Mio. t zwar nicht gedeckt, aber aus 2009/10 liegen noch 197 Mio. t komfortabler Bestände auf Lager - das sind rund 30% eines Jahresbedarfs, die zum Ende 2010/11 lediglich auf etwa 29% abgebaut werden sollen. Und am Weizenmarkt gilt eigentlich die Faustregel: In der Branche gilt nämlich als Auslöser für eine Preisrallye erst ein Fallen der Getreidereserven unter 20% eines Jahresbedarfs, mehr Überlager deuten dagegen auf Preisdruck. Außerdem reagiert der Verbrauch auch elastisch auf die Preise. Verteuert sich etwa Weizen, geht seine Verwendung im Tierfutter - die Tiermast ist gleichzeitig deutlich vor der menschlichen Ernährung der größte Verbrauchsfaktor - auf Kosten des Einsatzes anderer Getreidearten wie Gerste oder Mais zurück. Deshalb hat der IGC in seiner Juli-Prognose neben der Produktion auch den Weizenverbrauch für 2010/11 gegenüber dem Vormonat um 3 Mio. t auf 655 Mio. t zurückgenommen. Die regionalen und die Märkte für die einzelnen Getreidearten verhalten sich letztlich wie untereinander kommunizierende Gefäße.

Insgesamt, so der IGC, wird aber die weltweite Gesamtgetreidebilanz mit 1,753 Mrd. t Produktion und 1,774 Mrd. t Verbrauch um 21 Mio. t negativ ausfallen, denn auch die Maisbilanz sehen die Londoner Experten im roten Bereich: Mit 823 Mio. t erwarteter Ernte stehen um 6 Mio. t weniger zur Verfügung als gebraucht werden.

Österreich: Bessere Preise Trost für geschmälerte Ernteaussicht -Zittern im Spätdruschgebiet

Die diese Woche an der Wiener Produktenbörse notierten Kassamarktpreise (Netto-Großhandelsabgabepreise ab Station) von -jeweils pro t - EUR 179,- für Premiumweizen, EUR 169,- für Qualitätsweizen, EUR 159,- für Mahlweizen, EUR 149,- für Mahlroggen sowie EUR 116,- für Futtergerste und EUR 142,50 für Futterweizen stellen für die heimischen Landwirte einen bedingten Trost für die gegenüber ursprünglich optimistischeren Prognosen geschmälerten Ernteaussichten dar. Futtergerste zog übrigens im Wochenabstand um EUR 12,50 pro t gegenüber der wenig repräsentativen Erstnotierung von Ex-Ernte-Verkäufen an; ebenso befestigte sich Raps von allerdings schon hohem Niveau ausgehend weiter auf EUR 330,- pro t.

Zittern lässt die Bauern in Österreich allerdings die Welle von Schlechtwetterfronten, die in der abgelaufenen Woche die Erntetätigkeiten ziemlich stark bremste. Es heißt zwar, im weit fortgeschrittenen Qualitätsweizengebiet hätten die noch am Halm stehenden Bestände noch nicht essenziell gelitten. Experten sehen beim Weizen bisher "eine sehr normale Qualitätsverteilung". Doch reduziert jeder weitere Regen das Hektolitergewicht und bringt die Gefahr von Lagerbildung, Auswuchs und Krankheiten. Man hofft nun nach dem Abzug der aktuellen Front auf zumindest ein zweitägiges Schönwetterfenster, dann sollte hier das Meiste erledigt sein. Mit weiteren, nächste Woche befürchteten Niederschlägen nimmt aber das zittern im Spätdruschgebiet wie im Waldviertel oder in Oberösterreich zu.
(Schluss) pos/pom/mö

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