• 23.07.2010, 13:16:41
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Getreidewelt blickt auf Russland, Zentralasien und Schwarzmeerraum

Massive Ernteausfälle beflügeln globale Rallye der Getreidenotierungen

Wien (OTS/aiz) - Russland, Zentralasien und die gesamte
Schwarzmeerregion werden aufgrund massiver Ernteausfälle zunehmend
zum Sorgenkind des globalen Getreidemarktes und zum Auslöser einer
neuen Etappe in der jüngsten Rallye von Getreidenotierungen rund um
den Erdball. Aber auch in Mittel- und Westeuropa und damit
hierzulande blicken die Landwirte sorgenvoll zum Himmel: Hitze und
Unwetter drohen ihre Ernteaussichten weiter zu schmälern. Der für die
Preisbildung der laufenden Kampagne als Maßstab geltende europäische
Weizenfutures für den Liefertermin November 2010 an der
Warenterminbörse Euronext in Paris durchbrach am Donnerstag dieser
Woche nach einigen Tagen einer leichten Abschwächung kurzfristig die
Marke von EUR 180,- pro t und schloss dann bei EUR 178,75, um heute,
Freitag, neuerlich die 180-Euro-Hürde zu nehmen und sich danach
wieder leicht abzuschwächen. In Österreich rollten diese Woche die
Mähdrescher auf Hochtouren, um einzubringen, was geht, ehe am
Wochenende neuerliche Unwettergefahr droht. Indes revidierte die
Landwirtschaftskammer dieser Tage ihre Prognose für die heimische
Ernte 2010 nach unten, und zwar von 5,1 Mio. t Getreide und Mais Ende
Juni auf nunmehr knapp 4,7 Mio. t, was einem Minus von fast 4%
gegenüber 2009 entsprechen würde.

Bis auf das Hauptanbaugebiet des Roggens im Wald- und Mühlviertel
und spätere Lagen im Weinviertel mit späterer Reife wurden diese
Woche praktisch alle Getreidearten gedroschen. Gerste bestätigte
dabei den Trend zu geringen Erträgen und schwachen
Hektolitergewichten beziehungsweise schwacher Siebung der Braugerste.
Vorigen Mittwoch notierten an der Wiener Produktenbörse erste
Gerstenverkäufe ex Ernte mit EUR 103,50 pro t. Der gegenüber den in
Deutschland kolportierten deutlich höheren Preisen eher schwache Kurs
in Wien wurde damit erklärt, dass diese Ware nur durchgehandelt
worden sei und noch keinen repräsentativen Marktpreis darstellte.
Auch sei kein Importdruck zu verspüren.

EU-Kommission: Vorerst kein Verkauf von Interventionsgerste am
Binnenmarkt

Weiters kündigte die Europäische Kommission dieser Tage an, in
näherer Zukunft keine Gerste aus ihren Interventionsbeständen auf den
Binnenmarkt zu werfen. Sie wolle erst das Ergebnis der Ernte abwarten
und sich vom aktuellen Anstieg der Gerstenpreise noch nicht zu
Verkäufen verleiten lassen. "Es wäre nicht angemessen, jetzt Gerste
aus den Beständen zu verkaufen", zitierte Agra Europe einen
Kommissions-Mitarbeiter. Die EU häufte im abgelaufenen
Wirtschaftsjahr 2009/10 einen Gerstenberg von 5,79 Mio. t in ihren
Interventionslagern an. Gerste stellte damit das Gros des zu
garantierten Mindestpreisen in öffentliche Lagerhaltung übernommenen
Getreides von insgesamt 6,67 Mio. t. In Österreich lagert die AMA
44.201 t Gerste, davon 37.621 t aus der jüngsten
Interventionsperiode. Diese, am 31. Mai geschlossene, war übrigens
die letzte Möglichkeit, Gerste in der EU der öffentlichen
Lagerhaltung anzudienen. Ab dem laufenden Wirtschaftsjahr 2010/11
gilt die Mindestpreisgarantie der Europäischen Union von bisher EUR
101,31 nur mehr für Weizen - das aber auch nur in stark
eingeschränktem Umfang.

Die Kassamarktnotierung von Raps neuer Ernte an der Wiener
Produktenbörse zog diese Woche neuerlich an und hält bei EUR 325,-
pro t.

Weizen, Durum und Roggen wurden noch nicht gehandelt, man wartet
ab, wie weit die Reise noch geht, zumal ja auch wieder die Pariser
Terminkurse gestiegen sind. Man freut sich aber zumindest, dass trotz
der schwächeren Erträge wieder ein erklecklicher Anteil der für den
Export etwa nach Italien oder Südost-Europa wichtigen
Aufmischqualitäten mit bis zu 16% Protein eingebracht werden kann.
Erste Analysen der Weizenernte durch die Wiener Versuchsanstalt für
Getreideverarbeitung (VFG) - basierend auf noch geringen Probenzahlen
- sprechen im Gesamtdurchschnitt von 13,3% Protein, 82,6 kg
Hektolitergewicht und 341 sec. Fallzahl.

Von heimischen Landwirten hörte man diese Woche, Aufkäufer hätten
ihnen für Premiumweizen der Ernte 2010 Fixpreise von EUR 160,- pro t
netto, das heißt 179,20 brutto, geboten. Die Abgabebereitschaft hält
sich dennoch in Grenzen, weil keiner zurzeit weiß, ob und wann das
Ende der Fahnenstange erreicht sein wird.

Die "Getreidewelt" blickt auf Russland und den Schwarzmeerraum sowie
Zentralasien

Die "Getreidewelt" blickt auf Russland und den Schwarzmeerraum
sowie Zentralasien. Hier spielt mit rekordverdächtiger Hitze und
Dürre, aber auch mit Unwettern, die dramatische Ernteausfälle
verursachen, jene Musik, die die derzeitige Kurs-Rallye an den
Warenterminbörsen aber auch am physischen Markt begleitet.

Russland öffnet Interventionslager - Markt fürchtet Exportverbot

Nachdem der weltweite Top-Five Getreideexporteur Russland für 2010
seine Ernteerwartungen drastisch auf 75 Mio. t Getreide oder sogar
weniger - nach einem Ernteerfolg von 94 Mio. t im Vorjahr -
zurückschrauben musste, sollen nun die von der diesjährigen Dürre
betroffenen Regionen durch Verkäufe von Interventionsgetreide an
Tier- und Geflügelproduzenten sowie Mühlen und weitere Verarbeiter
unterstützt werden. Es handle sich dabei um mehr als 3 Mio. t Futter-
und Nahrungsgetreide, die auf Lagern in diesen und anliegenden
Regionen deponiert seien, gab Landwirtschaftsministerin Jelena
Skrynnik am Mittwoch bekannt.

Viele Marktteilnehmer fürchten wie im Katastrophenjahr 2007, die
russische Regierung könnte heuer neuerlich praktisch über Nacht ein
Getreideexportverbot verhängen. Dies wurde bisher allerdings noch von
den offiziellen Stellen dementiert.

Ukraine begann das neue Wirtschaftsjahr mit kleineren
Getreide-Übergangsvorräten

Auch die Ukraine musste jüngst ihre Ernteprognose von 46 bis 47
Mio. t auf 45 Mio. t zurückschrauben (2009: 46 Mio. t). Damit werden
2010/11 nur 16 Mio. t für den Export zur Verfügung stehen (2009/10:
21,5 Mio. t). Die Übergangsvorräte an Getreide zum Anfang des
Wirtschaftsjahres 2010/11 lagen auch nur bei rund 4,9 Mio. t und
damit um ein Drittel niedriger als vor Jahresfrist.

Kasachstan: Dürre macht Getreidebauern einen Strich durch die
Rechnung

In Kasachstan soll die diesjährige Getreideernte bei 13,5 bis 14,5
Mio. t liegen. Diese Prognose gab Landwirtschaftsminister Achylbek
Kurischbajew dieser Tage bei einer Regierungssitzung in Astana
bekannt. Sie liegt um 1 Mio. t niedriger als die bisherige
Ernteerwartung des Ressorts. Die Korrektur ist laut Kurischbajew auf
die starke Dürre zurückzuführen. Im vergangenen Jahr wurde in
Kasachstan eine Rekordmenge von 20,8 Mio. t eingebracht.
(Schluss) pos/pom

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Tel.: 01/533 18 43 , Fax: 01/535 04 38
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