- 21.07.2010, 13:14:39
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Hausärzte im Zentrum (3)
Neues Modell macht Gesundheitssystem humaner Vorteile für Patientinnen und Patienten
Wien (OTS) - Pruckner: Wertschätzung als Anreiz
"Speziell auf dem Land gehen wir davon aus, dass die Vertrauensärztin
oder der Vertrauensarzt ein Allgemeinmediziner sein wird", ergänzte
sein Pendant Jörg Pruckner, Obmann der Bundessektion
Allgemeinmedizin. Denn schon bisher versuchten die Landärzte die
Funktion des lebensbegleitenden und generationsüberschreitenden,
patientennahen Gesundheitsmanagers auszufüllen. Dies sei mangels
Alternative zwar notwendig, bleibe oftmals aber ein "bemühter
Versuch". Diese wichtige Funktion werde durch die fehlende
Berücksichtigung in den Leistungsvereinbarungen mit den Krankenkassen
nämlich verdrängt und enorm erschwert.
Unter den gegebenen Arbeitsbedingungen und der finanziellen
Geringschätzung würden immer weniger Kolleginnen und Kollegen den
Beruf des Hausarztes für erstrebenswert halten. Nachfolger seien
gerade auf dem Land schwer zu finden. "In den nächsten zehn Jahren
gehen 50 Prozent der Allgemeinmediziner in Pension", warnte Pruckner.
Akut seien bereits 60 bis 80 Ordinationen von Schließungen bedroht.
"Vor allem Landärzte in Ein-Arzt-Gemeinden mit wenigen Patienten sind
gefährdet. Durch die Schließung der Hausapotheken wird die Situation
noch verschärft."
Das Hausarztmodell sieht Pruckner als Chance, den Beruf des
Haus-/Landarztes wieder attraktiver zu machen. "Innerhalb des Modells
muss sich der Mehraufwand in einem eigenen Tarifansatz
niederschlagen. Dem Gesundheitssystem wird Geld gespart, der für die
Ärzte entstehende Aufwand muss daher jedenfalls getragen werden". Die
konsequente Umsetzung des Hausarztmodells sei ein längst überfälliger
Schritt im österreichischen Gesundheitswesen.
Herausforderungen der Zukunft
Der Vertrauensarzt wird also im ÖÄK-Modell zur zentralen Figur der
Gesundheitsversorgung. Zudem soll er sich verstärkt der
Vorsorgemedizin widmen. Um den Spitalsbereich zu entlasten ist auch
geplant, einen hausärztlichen Bereitschafts- und Ärztefunkdienst
flächendeckend einzuführen. Die Vertrauensärzte müssen sich nach
Vorstellung des Modells zudem auf mögliche medizinische und
demoskopische Entwicklungen vorbereiten: Etwa die Koordinierung und
Führung eines integrierten Behandlungsteams - vor allem im
geriatrischen und palliativmedizinischen Bereich.
Kernpunkte des Hausarztmodells:
- Optimierte medizinische Betreuung und schnellere Hilfe für
Patienten.
- Lotsenfunktion und ärztliche Begleitung im Gesundheitssystem.
- Effektive Patientenbetreuung durch Stärkung des
niedergelassenen Bereichs.
- Entlastung der Spitäler.
- Betonung und Neupositionierung des Hausarztes durch mehr
Kompetenz.
- Durch mehr Wertschätzung wird der Beruf attraktiver.
- Dadurch: Stopp des "Landarzt-Sterbens": In den nächsten zehn
Jahren gehen 50 Prozent der Allgemeinmediziner in Pension,
Nachfolger sind schwer zu finden (Stichwort Hausapotheken).
Voraussetzungen für Umsetzung des Hausarztmodells:
- Entsprechende Grundlagen, etwa auf Basis der Verträge
zwischen Ärztekammern und Sozialversicherungen oder einer
gesetzlichen Regelung.
- Anreizsystem für Patienten.
- Adäquate Honorierung der "Vertrauensärzte" durch die
Sozialversicherungen. Zwar wird die Basisversorgung mehr
Geld kosten, dafür wird jedoch in den teureren Bereichen
eingespart.- Registrierung des Hausarztes auf der e-card.
- Verpflichtende Befundübermittlung.
- Bessere Vernetzung zwischen Ärzten und Spitälern.
- Flächendeckender hausärztlicher Bereitschafts- und
Funkdienst.
- Fundierte Aus-, Weiter- und Fortbildung der Hausärzte.
- Eine fünfjährige Ausbildung zum (Fach)Arzt für
Allgemeinmedizin.
- Verpflichtende einjährige Lehrpraxis. Adäquate öffentliche
Förderung.
Geplante nächste Schritte der Ärztekammer:
- Das Modell wird dem Gesundheitsministerium und den Sozial-
versicherungsträgern vorgestellt.
- Gespräche und Verhandlungen mit der Sozialversicherung.
- Rascheste, gemeinsame Umsetzung.
Statistisches:
- Österreichweit gibt es etwa 4315 niedergelassene
Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag und rund 4150
niedergelassene Kassen-Fachärzte.
- Diese Ärztinnen und Ärzte verzeichnen pro Jahr rund 100
Millionen Patientenkontakte. Über 342.000 Menschen suchen
täglich die österreichischen Kassenordinationen auf.- Am häufigsten werden die niedergelassenen Allgemeinmediziner
aufgesucht. Pro Jahr verzeichnen sie rund 22,5 Millionen
Erst- und etwa 31 Millionen Folgekonsultationen.
- 2007 gaben vier von fünf Österreichern ab 15 Jahren an,
innerhalb der letzten zwölf Monate einen Allgemeinmediziner
aufgesucht zu haben.
- 30 Millionen Mal konsultieren die Österreicherinnen und
Österreicher jährlich eine Fachärztin oder einen Facharzt.
Im Schnitt holt sich also jeder Patient vier Mal im Jahr Rat
von einem medizinischen Spezialisten.- Die Zahl der Kassenärztinnen und -ärzte ist seit Jahren
konstant und liegt statistisch bei rund einem Arzt auf 1000
Einwohner.
- Rund 2000 Landärztinnen und -ärzte machen durchschnittlich
850 Hausbesuche jährlich.
- Mit rund 930 Hausapotheken versorgen die Landärzte etwa zwei
Millionen Menschen daheim oder in der Praxis mit
lebensnotwendigen Medikamenten. (zk) (Schluss)
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Mag. Martin Stickler
Tel.: (++43-1) 513 18 33 - 14
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