• 21.07.2010, 13:07:16
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Hausärzte im Zentrum (2)

Neues Modell macht Gesundheitssystem humaner Vorteile für Patientinnen und Patienten

Wien (OTS) - Wiegele: Umfassende Betreuung als Ziel

Der Hausarzt ist also erster Ansprechpartner und Vertrauensperson,
wenn es um die Gesundheit der Patientinnen und Patienten geht. Ziel
des neuen Modells sei es, den "Arzt des Vertrauens" als Wegbegleiter
zu installieren - vielleicht sogar generationenüberschreitend, sagte
der stellvertretende Bundeskurienobmann und Hausarzt-Projektleiter
Gert Wiegele. "Er kennt die Krankengeschichte seiner Patienten, weiß
über medizinische Probleme der Angehörigen Bescheid und ist über die
sozialen Verhältnisse und das Arbeitsumfeld im Bilde. Das bringt
enorme Vorteile." So könnten Zusammenhänge zwischen Beruf,
Partnerschaft und möglichen (psychosomatischen) Erkrankungen erkannt
oder das Augenmerk auf die frühzeitige Diagnose von psychischen
Beschwerden gelegt werden.

Gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten lege der
Vertrauensarzt das weitere diagnostische und therapeutische Vorgehen
fest, erläuterte der Mediziner weiter. Im Einverständnis mit ihr oder
ihm wisse er über sämtliche Befunde Bescheid, speichere und verwalte
sie als "Informationsdrehscheibe". Dort seien diese Daten auch
sicher, dafür würde die strenge ethische und gesetzliche
Schweigepflicht des Arztes sowie der Datenschutz sorgen.

Akzeptanz

"Am Land ist der Hausarzt bereits jetzt erster Ansprechpartner in
Gesundheitsfragen und übernimmt die im Hausarztmodell beschriebene
Schlüssel- und Mittlerrolle", glaubt Wiegele an eine Akzeptanz des
Modells. "93 Prozent der Bevölkerung haben einen Hausarzt und halten
ihm die Treue. 80 Prozent der Patienten sogar fünf Jahre und länger."
Auch eine Lotsenfunktion komme dem Hausarzt zu: Laut einer Umfrage
des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger würden 41 Prozent
der Bevölkerung nur mit einer Überweisung zum Facharzt gehen.

Damit das Hausarztmodell umgesetzt werden könne, bedürfe es aber
einiger Grundvoraussetzungen, so der stellvertretende Kurienchef.
Neben dem Anreizsystem für Patienten müsse der Hausarzt auf der
e-card registriert und die Vernetzung zwischen Allgemeinmedizinern,
Fachärzten und Spitälern ausgebaut werden, um eine effiziente und
kostensparende Behandlung zu ermöglichen. Motto: Gemeinsam ist besser
als einsam.

Teamwork statt Ärztemarathon

Die Vorteile für die Patienten liegen dabei auf der Hand: So sieht
das Hausarztmodell vor, eine verpflichtende Befundübermittlung
zwischen Krankenhaus, niedergelassenem Facharzt und
Allgemeinmediziner einzuführen. "Das gilt nicht nur bei
Überweisungen, sondern auch bei primärer Inanspruchnahme", so
Wiegele. Am Ende einer Behandlung müsse die Patientin bzw. der
Patient wieder an den Vertrauensarzt rücküberwiesen werden. So werde
sichergestellt, dass in allen Stufen des Systems die notwendige und
richtige Behandlung bereit stehe und der Patient nicht alleine
gelassen werde.

Fiedler: Keine Umwege für Patienten

"Der Vertrauensarzt kann in diesem Modell nicht nur ein
Allgemeinmediziner, sondern auch ein Facharzt sein", betonte der
Obmann der Bundessektion Fachärzte, Lothar Fiedler. Das bringe vor
allem für chronisch Kranke Vorteile, da sie gleich bei einem
Spezialisten "aufgehoben" seien. Den im Hausarztmodell der ÖÄK
vorausgesetzten Informationsaustausch zwischen den Ärzten begrüßt
Fiedler. "So erhält die behandelnde Fachärztin oder der behandelnde
Facharzt bei Überweisungen gebündelt sämtliche Infos, Fragestellungen
und anamnestische Daten, die bei einer fachärztlichen Behandlung
notwendig sind", sagte der Fachärztevertreter. Langwierige
Anamnesegespräche würden verkürzt und Umwege für den Patienten
vermieden. Auch der Tendenz, fachärztliche Leistungen in die Spitäler
zu verlegen, werde Einhalt geboten. (zk) (Forts.)

Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Mag. Martin Stickler
Tel.: (++43-1) 513 18 33 - 14

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