- 21.07.2010, 11:34:34
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"Bildnis Wally" - IKG hat Verständnis für Einigung im Sinne der Erben
Dieser Vergleich ist ein Verzweiflungsakt um ein Urteil gegen die Leopold Stiftung zu verhindern
Wien (OTS) - Nach 12 Jahren der Schikanen, Uneinsichtigkeit und
Widerstand gegen Restitution durch die Stiftung Leopold haben sich
die Rechtsnachfolger nach Lea Bondi-Jaray zu einer außergerichtlichen
Einigung entschlossen. Es ist verständlich, dass die Erben und deren
Anwälte dieses unselige Kapitel nach mehr als einem Jahrzehnt zu
einem Abschluss bringen wollten. Angesichts der Aussicht auf weitere
Verfahrensverzögerungen durch die Stiftung Leopold, bringt die
Israelitische Kultusgemeinde der Entscheidung der Rechtsnachfolger
nach Bondi-Jaray und deren Anwälten, die zum Besten der Erben
agieren, Verständnis und Respekt entgegen.
Dass sich die Stiftung Leopold zu einem Vergleich durchgerungen hat,
ist wohl eindeutig als ein Verzweiflungsakt zu werten, ist die
Stiftung doch in jüngster Zeit enorm unter Druck geraten. Zum einen
hat ein vom Unterrichtsministerium eingerichtetes unabhängiges
Expertengremium mehrere Kunstwerke in der Leopold Stiftung als
Raubkunst identifiziert. Zum anderen fürchtete die Leopold Stiftung
den möglichen Ausgang der ursprünglich für 26. Juli 2010 angesetzten
Verhandlung - eine Bestätigung durch das New Yorker Gericht, dass es
sich beim "Bildnis Wally" um Raubkunst handelt und dieses von Rudolf
Leopold nicht in guten Glauben erworben wurde, wäre nach Ansicht der
Leopold Stiftung wohl ein Desaster gewesen. Ein Vergleich mit den
Erben hätte schon vor Jahren von der Leopold Stiftung angestrebt
werden können und man hätte sich Millionen Dollar an Anwaltskosten
erspart. Es ist daher offensichtlich, dass die Leopold Stiftung
unbedingt einen Präzedenzfall, der für die Stiftung betreffend andere
Werke wohl Konsequenzen gehabt hätte, mit einer Einigung verhindern
wollte.
Die Israelitische Kultusgemeinde fordert nun die vollständige
Offenlegung des Vergleichs in allen Details. Nur eine
hundertprozentige Transparenz kann neuerliche Vorwürfe eines
"Mauschelns hinter den Kulissen" verhindern.
Die Vergleichssumme beträgt $ 19 Millionen - woher bezieht die
Leopold Stiftung diese nicht unbeträchtliche Summe, die innerhalb von
zwei Tagen aufzubringen ist. Wie kann dies die Leopold Stiftung in so
kurzer Zeit bewerkstelligen?
Diese Summe kann nicht aus dem Verkauf von Bildern stammen, da die
Stiftung bisher keine Bilder verkauft hat. In diesem Zusammenhang
sollte man auch nicht vergessen, dass die Leopoldstiftung Restitution
immer auch mit dem Argument abgelehnt hat, weil der Verkauf oder
Herausgabe von Bildern dem Stiftungszweck widerspricht.
Die Israelitische Kultusgemeinde stellt nunmehr klar, dass das
Vorgehen mit dem Vergleich im Fall "Bildnis Wally" kein Präjudiz und
Beispiel für die folgenden geraubten Kunstwerke sein darf. Die IKG
wird jedenfalls nicht akzeptieren, dass die Erben weitere Jahre
hingehalten werden um dann mit irgendwelchen Vergleichen abgespeist
zu werden.
70 Jahre nach der Shoah darf man wohl auch von der Leopold Stiftung
und der Familie Leopold erwarten, dass sie sich der Geschichte und
des geschehenen Unrechts bewusst wird - und nun endlich das Richtige
tut. Dies kann nicht die Rückkehr zu den Gepflogenheiten der 1940er
und 1950er Jahre sein, wo mangels Einsicht im Rahmen von
Rückstellungsverfahren ungerechte und unfaire Vergleiche geschlossen
wurden. Stattdessen ist gestohlenes Gut raschest zurückzugeben!
Erika Jakubovits, Exekutiv Direktorin des Präsidiums
Dr. Ariel Muzicant, Präsident
Rückfragehinweis:
Erika Jakubovits, Exekutiv Direktorin des Präsidiums
Tel: +43 1 531 04-102, Email: [email protected]
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