• 20.07.2010, 12:25:07
  • /
  • OTS0126 OTW0126

Ringen um echte Neuaufstellung der Biogetreide-Vermarktung

Gespräche von Bio Austria mit Lagerhäusern - Neue bäuerliche Vermarktungseinrichtung

Wien (OTS/aiz) - Nach intensiven Gesprächen zwischen dem
Bundesverband Bio Austria mit der Raiffeisenware Austria (RWA) und
den Lagerhausgenossenschaften, die in den letzten Tagen auf
Initiative der Landwirtschaftskammern (LK) zustande kamen, zeichnet
sich nun eine echte Neuaufstellung der Vermarktung von Biogetreide in
Österreich ab. Bio Austria-Obmann Rudi Vierbauch gab heute in einer
Aussendung bekannt, dass der Bundesverband "die Gründung einer
Vermarktungsorganisation für Bio-Getreide in die Wege leiten wird,
die sich rein in bäuerlicher Hand befindet und gemeinsam mit starken
Partnern eine langfristig verlässliche Lösung für den
Bio-Getreidemarkt gewährleisten wird". Aufgrund der knappen Zeit und
der bereits begonnenen Ernte hätten sich die Gespräche laut LK vor
allem über die vorläufige Übernahme des Bio-Ernteguts und die
Möglichkeiten einer separaten Lagerung für verschiedene
Bio-Vermarktungsschienen gedreht. Die Lagerhausgenossenschaften haben
auch schon in den vergangenen Jahren Biogetreide für die
Österreichische Agentur für Biogetreide GmbH übernommen.

Die Vorbereitungen für die neue Vermarktungseinrichtung liefen
laut Bio Austria auf Hochtouren, die Biobauern sollen demnächst
schriftlich über konkrete Details informiert werden. Wie es von den
Landwirtschaftskammern heißt, hätten die Präsidenten der
Landwirtschaftskammer Österreich, Gerhard Wlodkowski,
Niederösterreich, Hermann Schultes, und Burgenland, Franz Stefan
Hautzinger, die von Vierbauch erwartete Unterstützung für seine Pläne
zugesagt. "Gerade die Biovermarktung und die Biobauern verdienen sich
eine transparente und sichere Vermarktungsorganisation in eigenen
Händen. Prädestiniert dafür wäre insbesondere die genossenschaftliche
Rechtsform", betonte Schultes.

Rechtsunsicherheit mit bisheriger Lösung: LK informiert Biobauern

Vierbauch kritisierte in der Aussendung "die aktuelle
Verunsicherung bei den Bauern und am Markt, die durch Ankündigungen
der Österreichischen Agentur für Bio Getreide GmbH in den letzten
Wochen ausgelöst wurde" (aiz.info berichtete, siehe Links unten) und
sieht offensichtlich auch in der kürzlich präsentierten
neugegründeten Vermarktungsschiene Bio-Qualitätsgetreide GmbH nicht
der Weisheit letzten Schluss, denn "berechtigte rechtliche Bedenken
gegen diese Konstellation sind nach wie vor nicht ausgeräumt". Die LK
Niederösterreich informierte die Landwirte über "rechtliche
Überlegungen" zur Vermarktung über die Agentur für Biogetreide
beziehungsweise über deren quasi "Nachfolgefirma"
Bio-Qualitätsgetreide GmbH" sowie über die "Angebote" der Agentur an
die rund 2.200 betroffenen Vertragslandwirte zu den offenen
Restforderungen von etwa EUR 4 Mio. aus der Ernte 2009. (siehe unten:
Download "Biogetreideagentur-Recht.pdf"). Diejenigen Biobauern, die
bereits einen Vertrag mit der Biogetreideagentur für 2010
abgeschlossen haben und die wegen des Vertrauensverlustes aussteigen
wollen, müssten aus Gründen der Rechtssicherheit zunächst diesen
Vertrag kündigen, damit sie ein neues Vertragsverhältnis eingehen
können, so die Kammer.

LK: Art und Zeitpunkt der Information zerstört Vertrauen der
Biobauern

Viele betroffene Bauern, die auf die vereinbarte Zahlung für die
Ernte 2009 warten und deren Übernahme und Vermarktung der Ernte 2010
bisher in der Luft hing, sind verärgert. Laut LK "erscheint es
zumindest fragwürdig, ob die Vermarktungsprobleme erst unmittelbar
vor dem Infoschreiben vom 23.06.2010 (Anmerkung: in dem Schreiben
informierte die Bioagentur die Kontraktbauern, die Vertragspreise der
Ernte 2009 nicht auszahlen zu können) in der Biogetreideagentur und
bei den Eigentümern bekannt wurden. Durch die erst knapp vor der
Ernte erfolgte Information waren einerseits die meisten Verträge für
die kommende Ernte 2010 bereits abgeschlossen. Andererseits blieb so
gut wie keine Zeit, eine nachhaltige Lösung mit und für die
betroffenen Biobauern auf die Beine zu stellen".

Bio Austria teilt Unzufriedenheit mit Vorgangsweise der Agentur für
Biogetreide

Auch Bio Austria teilt diese Sichtweise in seiner Aussendung und
formuliert die Unzufriedenheit: "In einem ersten Schreiben der
Agentur erfolgte die Ankündigung, ihren Fortbestand und die
finanzielle Akontierung der neuen Ernte 2010 nur sicherstellen zu
können, indem die Bauern nicht den vertraglich vereinbarten Preis für
die im Vorjahr gelieferte Ware bekommen. Zuletzt wurden die Bauern
informiert, dass ab sofort die neu gegründete Biogetreide Qualitäts
GmbH die Ernte 2010 sicher und ohne Komplikationen abwickeln werde.
Berechtigte rechtliche Bedenken gegen diese Konstellation sind nach
wie vor nicht ausgeräumt. Andreas Kocourek ist seit Kurzem wieder
Geschäftsführer der Agentur für Bio-Getreide. Er war in den letzten
Jahren als Berater für die Agentur tätig und ist damit
mitverantwortlich für die jetzige Situation am Biogetreidemarkt und
die finanzielle Lage des Unternehmens. Nun soll er als Dienstleister
für die neue GmbH agieren und eine erfolgreiche Vermarktung der Ernte
2010 sicherstellen und das, obwohl die Vermarktungsstrategie im
Vorjahr dazu geführt hat, dass die Agentur ihre Lieferanten derzeit
nicht bezahlen kann."
(Schluss) pos

Rückfragehinweis:
aiz.info - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst
Tel.: 01/533 18 43 , Fax: 01/535 04 38
Web: aiz.info, mailto: [email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AIZ

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel