• 15.07.2010, 11:00:13
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Wirtschaftsleistung nach wie vor an Material- und Energieeinsatz gekoppelt

Wien (OTS/WIFO) - Österreich hat sich in der Klima- und
Umweltpolitik hochgesteckte Ziele gesetzt, die bisher nicht erreicht
werden konnten. Am deutlichsten ist die Abweichung in Bezug auf die
Emissionen von Treibhausgasen: Sie müssten gegenüber dem Niveau von
1990 laut Kyoto-Protokoll bis 2012 um 13% verringert werden,
tatsächlich war der Ausstoß im Jahr 2008 um 10,9% höher (86,6 Mio. t;
Zielvorgabe 2008/2012 68,7 Mio. t). Die jüngst unter WIFO-Beteiligung
entwickelte Energiestrategie der Bundesregierung fordert daher neue
Lösungsansätze: Statt den Fokus auf die Bereitstellung von
Primärenergie zu lenken, soll der Bedarf an Energiedienstleistungen
im Vordergrund stehen und das Augenmerk bei der Steigerung der
Energieproduktivität, der Verringerung der Verluste bei den
Transformationsprozessen und dem vermehrten Einsatz von erneuerbaren
Energieträgern liegen.

Der Konjunktureinbruch im Gefolge der Finanzmarktkrise brachte
eine merkliche Verringerung der Umweltbelastung mit sich. Am
deutlichsten spiegelt das die Entwicklung der Emissionen in der
Industrie wider: Heimische Unternehmen, die in den EU-Emissionshandel
eingebunden sind, meldeten 2009 im Vorjahresvergleich einen Rückgang
der CO2-Emissionen um knapp 15%. Der Treibstoffabsatz (-1,7%) und die
damit verbundenen CO2-Emissionen sanken aber deutlich weniger, als
die Abnahme der Transportdienstleistungen (-8,2%) erwarten ließ.
Insgesamt dürften die energiebedingten CO2-Emissionen nach
vorläufigen Schätzungen im Jahr 2009 mit etwa 61 Mio. t um mindestens
4% niedriger gewesen sein als im Vorjahr.

Die Wirtschaftskrise löste folglich keine anhaltende Trendwende in
der Umweltbelastung aus - dies ist nur durch eine Strukturänderung
des Technologieeinsatzes möglich. Die Krise muss daher durch aktives
Gestalten genutzt werden, um den im nun absehbaren Aufschwung zu
erwartenden Emissionsanstieg zu drosseln.

Vor der Krise war es in Österreich nicht gelungen, die Entwicklung
des Materialeinsatzes von jener der Wirtschaftsleistung zu
entkoppeln. Zwar erhöhte sich der Einsatz der physischen Ressourcen
wie etwa Erze, Gestein und Biomasse etwas schwächer als das reale
Bruttoinlandsprodukt - die erwünschte Situation einer wachsenden
Wirtschaft bei gleichbleibendem Materialeinsatz wurde aber bei Weitem
nicht erreicht.

Dabei entwickelten sich einzelne Branchen höchst unterschiedlich:
Seit dem EU-Beitritt nahm in der Bauwirtschaft der Materialeinsatz
nahezu doppelt so rasch zu wie die Wertschöpfung, während in der
Nahrungs-, Genussmittel- und Tabakindustrie die Wertschöpfung trotz
sinkenden Materialeinsatzes stieg. Insgesamt erhöht sich die
Importabhängigkeit im Bereich der fossilen und mineralischen
Rohstoffe.

Die Emissionen von Treibhausgasen erhöhten sich von 1990 bis 2008
(aktuellste Daten) um 10,9% und lagen damit um über ein Viertel über
dem Kyoto-Ziel von 68,7 Mio. t CO2-Äquivalent. Mit Österreich
durchaus vergleichbare Volkswirtschaften wie Belgien, Dänemark, die
Niederlande oder Schweden verzeichnen eine Wohlstandssteigerung trotz
Rückgangs der Treibhausgasemissionen. In diesen Ländern verringerte
sich der Energieeinsatz gemessen am BIP deutlich stärker als in
Österreich.

Eine tatsächliche Verringerung der Emissionen und der
Energieintensität ist nur durch einen Strukturwandel in Nachfrage und
in Produktion und durch substantiellen technologischen Wandel zu
erreichen. Umwelt- und energiepolitische Instrumente müssen an beiden
Komponenten ansetzen, da eine überproportionale Ausweitung der
emissionssteigernden und energieverzehrenden Aktivitäten die zwar
nachweisbare, aber relativ schwache Effizienzsteigerung zunichte
macht.

Vor diesem Hintergrund erfordern die Ziele, die Österreich im
Rahmen des EU-Energie- und -Klimapakets bis 2020 zu erfüllen hat,
eine grundlegende Restrukturierung des österreichischen
Energiesystems. Diese muss an drei Kernbereichen ansetzen:

1. mindestens eine Stabilisierung des energetischen Endverbrauchs
auf dem Niveau während der Krise,

2. eine deutliche Verminderung der Treibausgasemissionen (2008: 86,6
Mio. t CO2-Äquivalenten) bis 2020 auf 78,0 Mio. t und

3. der vermehrte Einsatz von erneuerbarer Energie, deren Anteil bis
2020 auf 34% des energetischen Endverbrauchs steigen soll. Derzeit
fehlen noch etwas mehr als 5 Prozentpunkte auf diesen Zielwert.

Diese Vorgehensweise greift die vom WIFO und Partnerinstituten
verfasste und vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft,
Umwelt und Wasserwirtschaft gemeinsam mit dem Bundesministerium für
Wirtschaft, Familie und Jugend beauftragte Energiestrategie auf. Die
vorgestellten Maßnahmenbündel sind geeignet, diese Umstrukturierung
auszulösen und zu beschleunigen. Sie bestehen aus einem Mix auf allen
Ebenen:

- Maßnahmenpaket Mobilität: mit nichtpreis- und preisbestimmten
Initiativen,

- Maßnahmenpaket Gebäude: mit Innovationsimpulsen für Wohn- und
Nicht-Wohngebäude,

- Maßnahmenpaket Produktion: mit einer Technologieinitiative für
Low-Carbon-Technologien,

- Maßnahmenpaket Energiebereitstellung: mit Schwerpunkten auf
hocheffizienter Transformation, erneuerbaren Energieträgern und
Netzen,

- Maßnahmenpaket Instrumente und Institutionen: mit einer
Institutionenreform und zielorientierten Mechanismen.

Rückfragehinweis:

Prof. Mag. Dr. Karl Aiginger, Tel. (1) 798 26 01-210, [email protected]
   Mag. Daniela Kletzan-Slamanig, Tel. (1) 798 26 01-258, [email protected]
   Dr. Angela Köppl, Tel. (1) 798 26 01-268, [email protected]
   Univ.-Doz. Dr. Kurt Kratena, Tel. (1) 798 26 01-246, [email protected]
   Dr. Ina Meyer, Tel. (1) 798 26 01-250,
   [email protected]
   Univ.-Prof. Dr. Stefan Schleicher, Tel. (1) 798 26 01-267, [email protected]

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