- 02.07.2010, 14:24:01
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Harte Kritik der Landwirtschaftskammer an verzerrtem OECD-Bericht
Astl: PSE der EU-27 2009 nur prozentuell gestiegen - in absoluten Zahlen aber gefallen
Wien (OTS/aiz) - "Die gestern von der Organisation für
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in ihrer
Zusammenfassung des Berichtes 'Agricultural Policies in OECD
Countries' veröffentlichte Darstellung, dass 2009 die
Agrarförderungen in den Industriestaaten gestiegen seien, trifft so
nicht zu. Sie sind nämlich in absolutem Geldwert zumindest in der EU
gegenüber 2009 um 6,3% auf EUR 86,98 Mrd. reduziert worden",
kritisierte heute der Generalsekretär der Landwirtschaftskammer (LK)
Österreich, August Astl, im Gespräch mit aiz.info die verkürzte
Darstellung der OECD als "Zynismus gegenüber den europäischen
Landwirten und weiteres Beispiel dafür, die Gemeinsame Agrarpolitk
der EU immer nur einseitig an den Pranger stellen zu wollen".
Zynismus: Mit fallenden Produkterlösen steigt automatisch
Prozent-Anteil der Förderung
Die OECD zieht als Maßstab ihrer Berechnungen des agrarischen
Stützungsniveaus das sogenannte PSE (Producer Support Estimate)
heran. Dieses PSE gibt das Stützungsausmaß für die Agrarproduktion in
Prozent zum jeweiligen Geldwert der landwirtschaftlichen Produktion
inklusive Direktzahlungen wieder. Das PSE sei demnach im Schnitt der
OECD-Mitgliedstaaten von 2008 auf 2009 um 1% auf 22% und in der EU um
2% auf 24% gestiegen. "Es liegt natürlich klar auf der Hand, dass bei
einem drastischen Verfall der Agrarpreise der prozentuelle Anteil von
Stützungen, selbst wenn sie in absoluten Zahlen gleich bleiben oder
sogar geringer werden, steigen muss. Das hat aber wie im Fall der EU
nichts mit einer Erhöhung der Stützungen zu tun", sieht Astl darin
den Zynismus. Denn, so der Generalsekretär weiter, "im Tabellenteil
des OECD-Berichtes 'Agricultural Policies in OECD Countries' auf
Seite 78 ist ganz klar festgehalten, dass der Wert des PSE in
absoluten Eurozahlen 2009 gegenüber 2008 sogar geringer wurde,
nämlich um 6,2% von EUR 92,795 Mrd. auf EUR 86,980 Mrd.". Damit
hätten die europäischen Landwirte 2009 nicht nur unter einem Verfall
der Produktpreise gelitten, sondern seien dazu noch von der
EU-Agrarpolitik nicht einmal annähernd kompensiert worden. Die
österreichischen Bauern hätten dies 2009 mit real deutlich mehr als
20%igen Einkommensverlusten zu spüren bekommen.
Einseitigkeit der OECD: Subventionen bei Agrarliberalisierern bis 50%
gestiegen
"Die Aussage der OECD stimmt aber lediglich für den Schnitt aller
OECD-Länder, wo das PSE nicht nur anteilsmäßig am schlechteren
Einkommen, sondern tatsächlich in absoluten Geldbeträgen mit EUR
181,765 Mrd. nach EUR 179,237 Mrd. um 1,4% mehr wurde", so Astl. Und
darin sieht er die Einseitigkeit der OECD gegenüber der
EU-Agrarpolitik, "denn genau jene Länder, die sich in der
Welthandelsorganisation WTO als große Agrarliberalisierer gebärden
und die EU an den Pranger des Protektionismus stellen, haben ihre
Landwirte 2009 mit satten Geldbeträgen höher subventioniert als
2008". Astl zitiert dafür aus dem OECD-Bericht (siehe Download
"OECD-PSE-CSE.pdf") die Zahlen für die USA mit einem Stützungszuwachs
von 19,1% von EUR 18,479 Mrd. auf 22,025 Mrd. oder Kanada mit einem
Subventionsplus von sogar 50% von EUR 3,741 Mrd. auf EUR 5,610 Mrd.
"Dass schließlich Länder wie die USA im Gegensatz zur EU weitere
hohe Milliardenbeträge in Subventionen von Lebensmitteln für die
Konsumenten, im sogenannten CSE, also Consumer Support Estimate,
verstecken, verzerrt das Bild zugunsten dieser und auf Kosten der EU,
die hier Negativwerte aufweist, noch zusätzlich", so Astl. Damit
unterscheide sich letztlich das Gesamtausmaß der Agrarstützungen
dieser Länder praktisch kaum mehr von jenem in der EU.
(Schluss) pos
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