• 01.07.2010, 13:10:58
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Biogetreide-Wirbel: Bio Austria fordert Sicherung bäuerlicher Ansprüche

Agentur-Gesellschafter sagt Landwirtschaftskammer Lösungsvorschlag noch diese Woche zu

Wien (OTS/aiz) - In dem Wirbel um die Ankündigung des
Biogetreide-Vermarkters, Österreichische Agentur für Biogetreide
GmbH, die vertraglichen Mindestpreise für Biogetreide der Ernte 2009
nicht zu bezahlen, um damit die Liquidität der Agentur zu retten,
meldete sich nun der Biobauernverband Bio Austria erstmals in einer
Aussendung zu Wort. Darin plädiert man für eine besonnene
Vorgehensweise und hält fest: "Oberste Zielsetzung für Bio Austria
ist die Absicherung der bestehenden vertraglichen Ansprüche für die
betroffenen Mitglieder sowie eine verlässliche Lösung für die
Abwicklung der Ernte 2010." Die Biobauern sind zusammen mit 36% der
Anteile in die Gesellschafterstruktur der Agentur eingebunden. Die
Bioverbände Bio Austria Niederösterreich und Wien, Bio Austria
Burgenland und der Verein der biologisch wirtschaftenden
Ackerbaubetriebe (BAF) halten jeweils 12% der Anteile. Der
Landwirtschaftskammer Niederösterreich wurde indes von BAF
versichert, die Juristen von Bio Austria und der Agentur würden ihr
noch diese Woche einen Lösungsvorschlag "für und durch die Bauern"
vorlegen, wobei man in der Kammer ein Modell "tatsächlich mehr für
und weniger durch die Bauern" erwartet.

Die weiteren Anteile halten mit 30% Andreas Kocourek und zu 34%
verschiedene Produktenhändler und Verarbeiter. Der Brief, in dem die
Agentur vorige Woche ihren Vertragsbauern mitteilte, die
Mindestpreise nicht auszuzahlen, trägt neben der Unterschrift des
Geschäftsführers bekanntlich auch die Kocoureks in seiner Funktion
als Drittel-Gesellschafter.

Spitzenvertreter der Landwirtschaftskammern (LK) zeigten sich
diese Woche besorgt ob der dramatischen Situation für die betroffenen
Biobauern und betonten aber klar die primäre Verantwortlichkeit der
Gesellschafter der Agentur für Biogetreide. Man wolle die Beteiligten
an einen Tisch holen, um eine Lösung zu finden, die Ansprüche der
Biobetriebe einzubringen. Diese hätten nur rund 40% der zugesagten
Erlöse als Akonto ausgezahlt bekommen und drohten um tausende, in
Einzelfällen sogar um bis zu EUR 40.000,- umzufallen.

Agentur-Gesellschafter BAF sagt LK Lösungsvorschlag noch diese Woche
zu

Wie aiz.info aus der Landwirtschaftskammer Niederösterreich
erfuhr, hat ein Vertreter des Agentur-Gesellschafters BAF der LK in
einem Brief versichert, der Kammer noch diese Woche einen
Lösungsvorschlag zu übersenden. In dem Brief teilt der Gesellschafter
mit, "dass der Jurist der Österreichischen Agentur für Biogetreide
gemeinsam mit dem Jurist von Bio Austria eine Absicherung für und
durch die Bauern erarbeiten wird". In der LK hofft man nun auf einen
Lösungsvorschlag "tatsächlich für und nicht durch die Bauern", denn
"durch die Bauern" hieße, die Agentur durch einen Forderungsverzicht
der betroffenen Biobauern zu retten.

Bio Austria ist besorgt und fordert bestmögliche Befriedigung von
Bauernansprüchen

Die Ankündigung der Agentur für Biogetreide, die Vermittlung zu
den vorgesehenen Mindestpreisen für die Ernte 2009 nicht realisieren
zu können sei, so Bio Austria, "besorgniserregend und trifft die
Bio-Ackerbauern unmittelbar vor der neuen Ernte zu einem denkbar
ungünstigen Zeitpunkt". Weiters habe auch laut Bioverband die Agentur
zugesagt, ihre Lieferanten in den nächsten Tagen weitergehend zu
informieren und Lösungsvorschläge zu präsentieren. "Bio Austria
erwartet, dass alles getan wird, um die Ansprüche der Bauern
bestmöglich zu befriedigen und eine verlässliche Vermarktung
österreichweit für 2010 und darüber hinaus sicherzustellen."

Schuld bei konventionellem Markt und ÖPUL-Einstiegsstopp -
Anbauausdehnung relativiert

Bio Austria führt die "sprunghafte, ungewöhnlich hohe" Ausdehnung
bei Bio-Ackerflächen und den eklatanten Überschuss an Biogetreide in
Österreich - Experten sprechen 2010/11 von rund 100.000 t Übermenge
bei einer Aufnahmefähigkeit des Marktes von rund 190.000 t - auf das
"Zusammentreffen verschiedener Faktoren" wie die schwierige Situation
im konventionellen Getreidemarkt und den Einstiegsstopp in das
Umweltprogramm ÖPUL im Herbst 2009 zurück. Laut LKs habe aber gerade
der Einstiegsstopp im ÖPUL, der auch zu einem Stopp des Neueinstiegs
in die geförderte Bio-Wirtschaftsweise geführt habe, noch Schlimmeres
verhindert, weil ansonsten womöglich noch mehr Biogetreide produziert
worden wäre, ohne dass dafür ein Markt vorhanden ist.

Trotz des hohen Zuwachses an Bio-Ackerfläche um rund 20.000 ha sei
aber, so Bio Austria, der Getreideanteil an der Bio-Ackerfläche von
45% im Jahr 2009 auf 38% im Jahr 2010 zurückgegangen, was in
absoluten Zahlen lediglich einem Zuwachs von 5.000 ha
Bio-Getreidefläche entspreche. Der Anteil anderer Kulturen, so wie
die Landwirtschaftskammern im Sinne marktwirtschaftlichen Vorgehens
etwa den Umstieg auf Sojaanbau empfehlen, habe sich deutlich erhöht.
So sei der Eiweißflächenanteil von 6,3% im Jahr 2009 auf 8,4% im Jahr
2010 gestiegen.

Bio Austria sieht Biomarkt im positiven Trend und fordert Weitergabe
von Erlös an Bauern

Andererseits sei der internationale Kontext zu beachten, erklärt
der Bioverband die schwierige Marktlage auch damit, dass Österreich
bei Bio-Speisegetreide traditionell ein Exportland sei. Somit werde
die internationale Angebots- und Preissituation heuer den Verlauf der
Bio-Getreidevermarktung wesentlich mitentscheiden.

Neueste RollAMA-Zahlen bescheinigten Bio-Lebensmitteln im
heimischen Lebensmittelhandel eine mengenmäßige Absatzsteigerung von
40% im Vergleich der ersten Trimester 2009 und 2010. Dies bestätige -
entgegen anders lautenden Behauptungen - die positive Entwicklung des
Biomarktes und führe zur Forderung von Bio Austria, "es ist
allerdings dringend an der Zeit, dass die Erzeugerpreise für
Biobauern anziehen und die, trotz aller negativen Begleitumstände
insgesamt positive Entwicklung am Biomarkt, an die Bauern
weitergegeben wird".
(Schluss) pos

Rückfragehinweis:
aiz.info - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst,
Tel.: 01/533 18 43, Fax: 01/535 04 38,
Web: aiz.info, mailto: [email protected]

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