• 30.06.2010, 11:22:36
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WWF: Österreich verliert 10.000 Fußballfelder an Natur im Jahr

Umweltkontrollbericht 2010 ruft nach Sofortmaßnahmen

Wien. (OTS) - Der heute vom Umweltbundesamt und dem
Lebensministerium präsentierte neunte Umweltkontrollbericht ist für
den WWF Anlass zu großer Sorge. Der Verlust an Biodiversität und die
Gefährdung der Flusslebensräume in Österreich schreitet weiter voran.
"Jährlich verliert Österreich Naturflächen in der Größe von mehr als
10.000 Fußballfeldern (7.300 Hektar), die in Bau-, Verkehrs- und
Freizeitfläche umgewandelt werden", rechnet WWF-Naturschutzdirekter
Andreas Wurzer vor. "Der WWF empfiehlt die rasche Einrichtung eines
neuen Nationalparks March-Thaya-Auen, eine wirksame
Schutzgebietsbetreuung und die Umsetzung des Masterplans Wasserkraft,
der Österreichs letzte freie Flussstrecken und die Tier- und
Pflanzenwelt der Flüsse schützen muss", so Wurzer an Umweltminister
Niki Berlakovich.

Der Bericht zeigt, dass trotz vielseitiger Artenschutz-, Erhaltungs-
und Pflegemaßnahmen und Ausweisung von Schutzgebieten die Erhaltung
der Biodiversität nicht ausreichend gesichert ist. Das EU-Ziel, den
Verlust an Biodiversität bis Ende 2010 zu stoppen, wird klar
verfehlt. Mehr als 40 Prozent aller Farn- und Blütenpflanzen sind
derzeit in Österreich gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Bei den
Tiergruppen sind es teilweise sogar bis zu Hundert Prozent. So sind
alle in Österreich vorkommenden Amphibienarten gefährdet. Besondere
traurig sieht es auch bei den endemischen Tierarten aus, die nur in
Österreich vorkommen - ein Drittel dieser Arten ist bedroht. Die
Ausweisung von Schutzgebieten, immerhin 27 Prozent der
österreichischen Bundesfläche, reicht nicht aus um das Artensterben
zu stoppen. Nur Großschutzgebiete wie Nationalparks haben derzeit
einen wirksamen Schutzstatus - das sind nur drei Prozent der
Staatsfläche. Alle anderen Gebiete brauchen dringend eine effektivere
Schutzbetreuung.

Der Bericht zeigt zwar Erfolge bei der Gewässerreinhaltung auf.
Leider verfehlen aber zwei Drittel der bewerteten Gewässerabschnitte
das Ziel eines guten ökologischen Zustandes. 29.000 Querbauwerke
(Dämme, Kraftwerke) an den 100.0000 Flusskilometern in Österreich
verhindern, dass die Fische wandern können. Mehr als ein Viertel der
Gewässer weist eine wesentliche Beeinträchtigung der Gewässerstruktur
auf. Der Handlungsspielraum für neue Standorte für Wasserkraftwerke
ist laut Umweltkontrollbericht sehr eingeschränkt.

Als eine erste dringende Maßnahme fordert der WWF einen Nationalpark
March-Thaya-Auen, in dem 500 gefährdete Tier- und Pflanzenarten
leben, darunter auch zwei Drittel aller in Österreich lebenden
Vogelarten. Zweitens muss die Betreuung der Schutzgebiete verbessert
und die Lebensräume stärker vernetzt werden. Der WWF fordert drittens
einen bundesweiten Masterplan Wasserkraft, in dem die Ökologie einen
gleichrangigen Stellenwert wie die Nutzung der Wasserkraft erhält.
"Nur ein Fünftel der Flussstrecken in Österreich befinden sich in
einem 'natürlichen' oder 'naturnahen' Zustand. Das zeigt der
Ökomasterplan des WWF der die 53 größten Flüsse Österreichs
analysiert. Diese letzten Flussjuwele müssen wir dauerhaft vor der
Verbauung durch Kraftwerke schützen. In diesen Tabuzonen muss die
Natur Vorrang haben", fordert Wurzer.

Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231 oder 0676-83488231, Email: [email protected].

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WWF

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