Gewalt an Frauen und Kindern: Immer noch massives Problem in Europa

15. Fachtagung des Netzwerkes der Interventionsstellen und Interventionsprojekte

Wien (OTS) - Gewalt in der Familie zieht sich durch alle Gesellschaftsstufen, alle Kulturen und alle Altersstufen. "Gewalt an Frauen ist leider in Europa immer noch ein massives Problem. Laut Studien ist jede 5. Frau im Laufe ihres Lebens zumindest einmal von Gewalt durch einen Partner oder Ex-Partner betroffen", sagt Rosa Logar, Geschäftsführerin der Wiener Interventionsstelle und Mitglied im CAHVIO Komitee des Europarats: "Wir müssen in Europa gemeinsam gegen Gewalt an Frauen und Kindern vorgehen, denn Gewalt macht auch vor den Grenzen nicht halt."

Europaweit haben es sich Interventionsstellen und

Interventionsprojekte zur Aufgabe gemacht, Schutz und Sicherheit für die Betroffenen - in der Regel sind Frauen und Kinder betroffen -zu erhöhen und Gewalt zu verhindern. Bei einer internationalen Fachtagung des Netzwerkes zur Prävention von Gewalt an Frauen und Kindern, die heute in Wien eröffnet wurde, tauschen ExpertInnen Erfahrungen aus und diskutieren künftige europäische Entwicklungen in diesem sensiblen Themenbereich.

Präventionsgesetze in Österreich - Vorbild für Europa

Immer wieder komme es im Bereich Gewalt in der Familie zu Morden und Mordversuchen an Frauen, insbesondere wenn diese versuchen, sich zu trennen. "In Spanien könnten zahlreiche Morde an Frauen vermieden werden, wenn es bessere Präventionsgesetze gäbe", stellt Carmen Romero Lopez, spanische Angeordnete zum Europäischen Parlament und Berichterstatterin des LIBE Ausschusses, fest und verweist in diesem Zusammenhang auf die österreichische Gesetzgebung, die "Vorbildcharakter für Spanien und ganz Europa hat." Die große Bedeutung, die dem Thema Gewalt in der Familie in Spanien zugemessen wird, zeigen umfassende Maßnahmen, die ergriffen wurden: Eigens geschulte RichterInnen und StaatsanwältInnen, technische Schutzmaßnahmen wie Notruftelefone für Opfer und elektronische Fußfesseln für verurteilte Täter. "Das Problem ist, dass wenige Frauen Gewalt melden", so Lopez: "Viele Frauen haben kurz vor ihrer Ermordung Anzeigen zurückgezogen."

Trotz guter Gesetzeslage in der Prävention gibt es für Rosa Logar aber auch in Österreich noch einiges zu tun: "Es ist notwendig, die Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen zu koordinieren und - wie vom Frauenrechtskomitee der Vereinten Nationen gefordert - einen Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen samt Umsetzungsmechanismus einzusetzen. Unbedingt notwendig sei der Ausbau der Unterstützung und Begleitung von Kindern, die von familiärer Gewalt betroffen sind.

Für eine verstärkte Zusammenarbeit auf europäischer Ebene sprach sich auch Richard Kühnel, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich, aus: "Die EU begrüßt jede Initiative und unterstützt alle Maßnahmen, die sich die Aufgabe gesetzt haben, der Gewalt gegen Frauen und Kinder entgegenzutreten."

Hohe Kosten durch Gewalt an Frauen und Kindern

Die ExpertInnen der Fachtagung weisen darauf hin, dass Gewalt an Frauen und Kindern hohe gesellschaftliche Kosten verursacht. Dies wird auch durch eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätig. In England und Wales werden die jährlichen Kosten von Gewalt auf ca. 33 Milliarden Euro geschätzt.

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Fachfragen: DSA Rosa Logar, Tel: +43-664/311 94 58
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