- 08.06.2010, 10:27:57
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55 000 Selbständige von Einkommensarmut betroffen. Davon 24 000 "manifest arm".
Vertragsloser Zustand trifft neue Elendsunternehmer am härtesten. "Neue soziale Risken" von Sozialpartnern nicht vertreten.
Wien (OTS) - Vom vertraglosen Zustand zwischen Ärztekammer und der
SVA sind viele neue Selbständige und Ich-AGs betroffenen, deren
finanzielle Situation äußerst prekär ist. 55 000 Selbständige leben
laut Statistik Austria* in Einkommensarmut, davon sind 24.000 von
manifester Armut betroffen, das heißt sie leben unter bedrückenden
Lebensumständen wie feuchte, schimmlige Wohnung, großen Stress ohne
Erholung, können ihre Wohnung nicht angemessen warm halten,
geschweige denn unerwartete Ausgaben tätigen" so Sozialexperte Martin
Schenk von der Armutskonferenz, des österreichweiten
Zusammenschlusses von Sozialinitiativen, Hilfsorganisationen,
Selbsthilfegruppen, Armutsbetroffener und der Armutsforschung.
"Diese Gruppe von neuen Elendsunternehmern findet weder in der
Wirtschaftskammer noch in der Arbeiterkammer eine ausreichende
Vertretung. Sie fallen durch die Netze der klassischen
Sozialpartner-Interessen. Die neuen sozialen Risken ("new social
risks") liegen quer zu den klassischen Risken sozialstaatlicher
Sicherungssyssteme: neue Selbständige, prekäre Beschäftigung,
Lebensrisiko Pflege, Behinderungen und Migration" weist das
Netzwerk,deren Mitgliedsorganisationen über 500.000 Hilfesuchende im
Jahr betreuen und unterstützen, auf notwendigen Handlungsbedarf hin.
Auf diese neuen sozialen Herausforderungen braucht es zukünftig
neue soziale Antworten; damit bei solchen Verhandlungen die
Schwächsten nicht am meisten draufzahlen, weil sie nicht vertreten
sind.
Die polemisch und unsachlich geführte Debatte um die
Mindestsicherung ist ein Beispiel dafür, wie engstirnig Teile der
politischen Eliten auf die neuen sozialen Risken reagieren.
Zukünftig werden Phasen der Erwerbslosigkeit die Biographien der
meisten ArbeitnehmerInnen prägen. Lückenlose Erwerbsbiographien samt
lebenslangen 40- Stunden-Anstellungen dürften die Ausnahme, nicht die
Regel darstellen. Auf diese Herausforderungen muss sich auch das
Sozialsystem einstellen. Ein leistungsfähiges unteres soziales Netz
ist eine notwendige Antwort gegen Armut in einer sich verändernden
Arbeitswelt, die nicht mehr dem Arbeitnehmer-Bild der 1960er und
1970er Jahre entspricht.
* Statistik Austria (2010): EU-SILC 20008
Rückfragehinweis:
Die Armutskonferenz
www.armutskonferenz
0664/ 544 55 54 oder 01/ 409 80 01
Koordinationsbüro: 01/ 402 69 44
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