Arbeitslose deutlich öfter im Krankenstand: WKÖ fordert rasche Gegenmaßnahmen

Fehlzeitenreport 2009 zeigt auf: Etwa 2,5-mal mehr Krankenstandstage bei Arbeitslosen - Krankheit verlängert Arbeitslosengeldbezug - Krankenstände kosten 17,6 Mrd. Euro

Wien (OTS/PWK432 ) - "Arbeitslose weisen deutlich mehr Krankenstände auf als Erwerbstätige. Hier gilt es gegenzusteuern in erster Linie im Interesse der Betroffenen aber auch um unser Sozialsystem nachhaltig abzusichern und letztlich um dem Wirtschaftsstandort nicht zu schaden", sagte Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), zum aktuellen Wifo-Fehlzeitenreport 2009, der sich schwerpunktmäßig mit dem Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Krankenständen befasst.

Gleitsmann betont die große Sorge der Wirtschaft über die erhöhten Krankenstände, deren Kosten enorm sind: 7,7 Mrd. Euro volks- und betriebswirtschaftliche Kosten sowie 6,7 Mrd. Euro Gesundheitsausgaben. Hinzu kommen noch die Kosten für Pensionen (ca. 2,9 Mrd. Euro) und Unfallversicherungsrenten (261 Mio. Euro). "Die gesamtwirtschaftlichen Kosten für Krankenstände belaufen sich pro Jahr auf 17,6 Mrd. Euro. Wir müssen daher die Ursachen erforschen und wirkungsvolle Schritte setzen, um Krankenstände signifikant zu senken: Ein Absinken um zehn Prozent würde zum Beispiel eine Ersparnis von 1,8 Mrd. bringen", unterstrich Gleitsmann.

"Bei der Kassenkonsolidierung wurden bereits einige gute Maßnahmen getroffen", betonte Gleitsmann, "nicht jedoch beim Krankengeld. Hier besteht akuter Handlungsbedarf!" Die Ausgaben für Krankengeld sind innerhalb von zwei Jahren um ca. 21% auf 509 Mio. Euro angestiegen. Dies entspricht einem Plus von etwa 89 Mio. Euro. Die Gebarungsvorschau für 2010 rechnet mit einem weiteren Anstieg der Ausgaben für das Krankengeld auf circa 547 Mio. Euro. Dieser Betrag kann sich jedoch durch die steigende Arbeitslosenzahl stark vermehren. Denn im Durchschnitt verzeichnen Arbeitslose etwa 2,5-mal mehr Krankenstandstage als Beschäftigte. Allein die Pro-Kopf-Zahl der Krankenstandstage infolge von psychischen Leiden liegt in Arbeitslosigkeit achtmal höher als in Beschäftigung.

Brisant sind aus Sicht der WKÖ die gesetzlichen Rahmenbedingungen:
Momentan verlängert der Krankengeldbezug den Arbeitslosengeldbezug, da hier keine Anrechnung auf die Bezugsdauer erfolgt. Diese Gesetzeslage kann zu Missbrauch führen. Daher fordert Gleitsmann:
"Nach unserer Einschätzung ist der Einfluss dieses Effekts äußerst kostenrelevant. Nachdem die Krankengeldkosten für Arbeitslose enorm ansteigen, sollte der institutionelle Rahmen einer eingehenden Prüfung unterzogen und gegebenenfalls angepasst werden, um Missbrauch entgegenzusteuern."

Generell sollte jedoch auch mehr Gesundheitsförderung und Prävention durchgeführt werden, so der WKÖ-Sozialpolitikexperte: "In die Vorsorge investiert Österreich vergleichsweise wenig. Die Ausgaben für öffentliche Gesundheits- und Präventionsprogramme liegen mit 1,9 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben deutlich unter dem OECD-Mittel von drei Prozent." Durch den Ausbau der betrieblichen Gesundheitsförderung und einer steuerlichen Entlastung für Betriebe, die BGF Maßnahmen durchführen, würden sowohl Mitarbeiter, Betriebe als auch die Gesellschaft profitieren. (AC)
SPERRFRIST 18:30 Uhr

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