- 27.05.2010, 11:00:20
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Elektrofahrräder im Test: Deutliche Leistungsunterschiede
"Konsument": Teils große Differenzen bei der Reichweite und den Akku-Ladezeiten
Wien (OTS/VKI) - Elektrofahrräder sind "in": Das zeigen
Konsumentenanfragen, die Absatzzahlen im Handel und das
Förderinteresse der Politik, die die Anschaffung eines
Elektrofahrrades mit Beträgen von bis zu 400 Euro unterstützt. Doch
wie alltagstauglich sind sie? Der Verein für Konsumenteninformation
hat acht Elektrofahrräder in der Preisklasse von 1.400 bis 2.350 Euro
getestet und damit mehr als 3.000 Kilometer zurückgelegt - eine
Strecke, die dreimal der Distanz Wien - Paris entspricht. Drei
wichtige Komponenten des Elektrofahrrades wurden dabei besonders
unter die Lupe genommen: der Akku, der Antrieb und die elektronische
Steuerung in Form der Bedienkonsole.
"Alles in allem hat uns der Test positiv überrascht - insbesondere
bei der Reichweite mit einer Akkuladung. Im Durchschnitt kann man bei
minimaler Unterstützung durch den Elektromotor 68 Kilometer
zurücklegen", so Ing. Franz Floss, Geschäftsführer des Vereins für
Konsumenteninformation und Leiter des Bereichs Untersuchung. "Eine
detailliertere Betrachtung zeigt allerdings, dass die
Leistungsunterschiede deutlich ausfallen. Sie reichen von gerade
einmal 37 Kilometern bei Gepida bis hin zu 99 Kilometer bei
Testsieger KTM." Ein ähnlich differenziertes Bild zeigt sich bei der
Ladedauer, die zwischen drei Stunden (KTM) und rund sieben Stunden
(Genesis und Schachner) liegt. Von den insgesamt acht getesteten
Elektrofahrrädern wurden vier mit gut und vier mit durchschnittlich
bewertet. Gute Räder gibt es ab etwa 2.000 Euro: KTM, Flyer, Kettler
und Matra Sports.
Akku - Deutliche Unterschiede
Wie lange der Akku hält, hängt neben den Gelände- und
Witterungsbedingungen (zum Beispiel Gegenwind) vom Fahrergewicht, dem
Fahrverhalten ("schaltfaul" oder nicht) sowie von der gewählten
"Unterstützungsstufe" ab, von denen alle gesteten Elektrofahrräder
zumindest zwei haben. Bei geringer Unterstützung durch den
Elektromotor lag die Reichweite bei 68 Kilometern, bei normaler
Unterstützung schafften die Räder im Schnitt 50 Kilometer und mit
voller Power immerhin noch 35 Kilometer im Mittel. Möglich werden
diese Reichweiten durch den Einsatz von Lithiumtechnologie. Die
besten Reichweitenergebnisse erzielten die getesteten Räder von
Giant, KTM und Flyer, während Gepida deutlich hinter den Erwartungen
zurückblieb.
"Wer bei längeren Radtouren auf Nummer sicher gehen will, sollte
mit einem Ersatzakku oder einem Ladegerät ausgerüstet sein.
Ersatzakkus gehen mit 500 bis 800 Euro jedoch ins Geld - ganz
abgesehen davon, dass man zusätzliche zwei bis rund vier Kilogramm
durch die Gegend kutschiert", weiß VKI-Projektleiter Franz Wallner.
Auch die Mitnahme eines Ladegerätes ist nicht der Weisheit letzter
Schluss: Bei den Rädern von Genesis und Schachner braucht der Akku
nahezu sieben Stunden, bis er wieder aufgeladen ist. Doch selbst
Testsieger KTM zwingt mit rund drei Stunden Ladedauer zu einer
längeren Einkehr.
Antrieb - Die Qual der Wahl
Bei der Antriebsart stehen KonsumentInnen vor folgender Wahl:
Hinterrad-Nabenmotor, Vorderrad-Nabenmotor oder Tretlagermotor:
- Hinterrad-Nabenmotor/Heckantrieb: Dieser arbeitet nahezu lautlos
und greift beim Anfahren auch bei glattem oder sandigem Untergrund
gut. Eine Rücktrittbremse ist hier nicht möglich. Tendenziell wird
das Fahrrad etwas hecklastig, vor allem, wenn der Akku am
Gepäckträger montiert ist und zusätzlich mit Gepäck oder einem
Kindersitz belastet wird. Im Test: KTM, Matra Sports.
- Tretlagermotor: Dies ist meist die kompakteste Bauform. Motor
und Akku befinden sich zentral am Tretlager, also den Pedalen. Das
bringt einen gut gelagerten Schwerpunkt des Fahrrades mit sich. Eine
Rücktrittbremse steht hier ebenfalls nicht zur Verfügung. Die Kosten
sind konstruktionsbedingt meist etwas höher. Der Motor ist leicht
hörbar. Im Test: Flyer, Kettler, Gepida.
- Vorderrad-Nabenmotor/Frontantrieb: Dieser erlaubt die Verwendung
aller Schaltungsarten, die Rücktrittbremse bleibt erhalten. Bei der
Beladung des Gepäckträgers stellt der Antrieb ein gutes Gegengewicht
dar. Das Fahrverhalten ist aber teils gewöhnungsbedürftig: Bei
glattem oder sandigem Untergrund neigt das Rad zum Wegrutschen. Der
Motor ist hörbar. Im Test: Genesis, Giant, Schachner.
Welches Konzept das beste ist, hängt von den eigenen
Fahrgewohnheiten ab, wie man das Rad nutzt (z.B. für den Einkauf, mit
Kindersitz) und mit welchem Antrieb man sich de facto am besten
zurechtfindet. "Das zeigt aber erst der Praxistest. Daher ist es
ratsam, das Rad vor dem Kauf Probe zu fahren", rät Franz Wallner.
"Zudem ist es vorteilhaft, auf eine Gewichtsverteilung möglichst in
Schwerpunktnähe zu achten."
Bedienkonsole - großteils zufriedenstellend
Die Bedienkonsole gibt Auskunft über die gerade aktive
Unterstützungsstufe, zeigt die gefahrene Geschwindigkeit und die
zurückgelegten Kilometer an. Auch den Akkustand sollte man hier
mühelos und exakt ablesen können. Bei Giant Twist Elegance CS war das
nicht der Fall - die restlichen Räder überzeugten jedoch in diesem
Punkt.
Tipp des VKI-Experten:
Elektrofahrräder wiegen in der Regel um fünf bis zehn Kilogramm
mehr als herkömmliche Räder und sind ohne Motorunterstützung schwerer
zu lenken. Wie gut sich ein Rad ohne Unterstützung durch den
Elektromotor fährt, darauf sollte man idealerweise bereits beim Kauf
achten. Im Test gab es hier lediglich zwei "gute" Bewertungen: KTM
und Matra Sports.
Einige Räder (KTM, Matra Sports) sind zudem mit der sogenannten
Rekupationstechnologie ausgestattet. Diese soll dazu dienen, während
des Bremsens Energie zurückzugewinnen. In der derzeitigen Form
erweist sich die Energierückgewinnung jedoch als nicht ausreichend
und kann wohl vorrangig als Verkaufsgag gesehen werden.
Weitere Informationen zum Test gibt es auf www.konsument.at und im
Juni-"Konsument".
Rückfragehinweis:
Verein für Konsumenteninformation/Testmagazin "Konsument"
Mag. Andrea Morawetz, Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 01/588 77 - 256
mailto:[email protected]
www.konsument.at
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