Dorner: Reform der Ärzteweiterbildung notwendig

Prinzipielle Zustimmung zu Wissenschaftsministerin Karl - Facharztausbildung unmittelbar nach Studium - Allgemeinmedizin auf Facharztniveau

Wien (OTS) - Die heute von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl im Hörfunk geäußerten Absichten zur Sicherung der ärztlichen Ausbildungsqualität finden die prinzipielle Zustimmung der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK). Nach Ansicht von ÖÄK-Präsident Walter Dorner müsse die fachärztliche Ausbildung unmittelbar nach dem Medizinstudium beginnen können. Der bisherige Turnus sei durch ein Praxisjahr während des Studiums und durch eine vertiefte und verbreiterte, mindestens fünfjährige Weiterbildung zu einem neuen Spezialfach Allgemeinmedizin zu ersetzen, sagte Dorner Samstag in einer ersten Stellungnahme.

Die fachärztliche Ausbildung müsste ohne Verzögerung nach dem Medizinstudium einsetzen, so Dorner. Diese Bedingung sei gegenwärtig "bei weitem nicht erfüllt", da viele junge Medizinerinnen und Mediziner nach dem Studium den Umweg über die allgemeinmedizinische Weiterbildung - den Turnus - gingen. Erst dann würden sie in die Facharztausbildung einsteigen können. "Das kostet Zeit und Geld, vergeudet Ressourcen und strapaziert durch überlange Wartezeiten die Nerven der angehenden Ärztinnen und Ärzte", erklärte Dorner. Angesichts des in den Spitälern und in den Ordinationen in einigen Jahren möglichen Fachärztemangels seien strukturelle Reformen "ein Gebot der Stunde". Der Ärztepräsident: "Wir müssen alles unternehmen, um diese Entwicklung unter Wahrung unserer hohen Qualitätsansprüche zu stoppen. Die effiziente Ausnutzung der Ressourcen ist vordringlich sicherzustellen."

Weitere Prioritäten bei der Reform der ärztlichen Ausbildung sieht der oberste Ärztevertreter in der Vereinheitlichung der Medizinstudien in Wien, Graz und Innsbruck sowie im Einbau eines Praxisjahres am Ende des Studiums. Diese Schritte seien zur internationalen Harmonisierung notwendig. Die damit erworbene Teilberechtigung, Patientinnen und Patienten zu behandeln, könne darüber hinaus verhindern, dass "Jungmediziner als Lückenbüßer mit Mindestlöhnen" eingesetzt würden. Dieses Praxisjahr allein könne jedoch nicht den Turnus als unverzichtbare Etappe der allgemeinmedizinischen Weiterbildung ersetzen. Auch sei mit dieser Teilapprobation keinesfalls die Berechtigung zur vollen eigenverantwortlichen und selbstständigen ärztlichen Tätigkeit verbunden.

In diesem Zusammenhang strich Dorner sogar verschärfte Voraussetzungen als langjähriges Konzept der Ärztekammer hervor: Nur eine erweiterte und vertiefte praktische Weiterbildung zur Allgemeinmedizin sei in der Lage, den modernen Ansprüchen einer umfassenden medizinischen Basisversorgung mit "ausgeprägter Lotsen-und Managementfunktion" gerecht zu werden. (ms)

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