- 05.05.2010, 09:47:00
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WWF: Öl darf Mangrovenküste nicht erreichen
WWF fordert weltweites Netz von Meeresschutzgebieten
Wien/New Orleans. (OTS) - "Es stinkt wie auf einer nicht
gereinigten Toilettenanlage. Wenn man an den ölverseuchten Stränden
geht, muss man mit Übelkeit, Brechreiz und Kopfschmerz rechnen",
schildert WWF-Sprecher Franko Petri die schrecklichen Eindrücke, die
er bei seinem Einsatz 2002 beim Untergang des Öltankers Prestige vor
der spanischen Küste miterlebt hat. Der WWF fordert nun vom
BP-Konzern, dass das Öl die Küste nicht erreichen darf, denn ein
Reinigen der Mangrovenwälder und Schlickflächen ist praktisch
unmöglich. "Man kann zwar Felsen und Strände säubern, nicht aber
Mangrovenwälder", so Petri. Der WWF fordert ein weltweites Netz an
kontrollierten Meeresschutzgebieten um solche Unfälle in ökologisch
sensiblen Regionen zu verhindern.
Bei den Mangrovenwäldern, Schlickflächen und Salzwiesen ist eine
Reinigung deshalb nicht möglich, da der Bereich der Stelzwurzeln
unzugänglich ist. Selbst wenn der Schlick abgetragen werden könnte,
würde dadurch das Ökosystem zerstört. Im Schlick der Mangrovenwälder
leben Muscheln, Würmer und Schnecken, die das Öl in tiefere
Bodenschichten eintragen. Dort kann es ohne Luftzufuhr nicht abgebaut
werden und vergiftet Tiere und Pflanzen für Jahre.
400 bis 600 Arten sind nach Schätzungen des WWF von der Ölpest
bedroht. Vor allem Weisskopfseeadler und braune Pelikane, Basstölpel
und Seeschwalben sind von der Ölpest im Golf von Mexiko betroffen.
Besonders schlimm wirkt sich die Ölpest zu dieser Jahreszeit aus, da
gerade jetzt viele Zugvögel in den Küstengebieten brüten. Die Vögel
verwechseln die Ölflächen auf der Meeresoberfläche mit Rastplätzen
und landen direkt im Öl. "Wenn die Elterntiere im Öl sterben, bleiben
die Jungvögel in den Nestern zurück und verhungern", beschreibt Petri
die Lage am Golf.
Das Öl verklebt zudem die Kiemen der Fische. Der vom Aussterben
bedrohte Blauflossentunfisch ist ebenso gefährdet wie Haie und die
gesamte Fischwelt in den Mangrovensümpfen. Auch Meeressäugetiere wie
Wale und Delfine leiden unter der Ölpest. Ölklumpen werden auch von
Meeresschildkröten verschluckt. Muscheln reichern die giftigen Stoffe
im Organismus an und werden wieder von anderen Meerestieren
gefressen. "Wir befürchten in den nächsten Wochen und Monaten eine
Anreicherung der giftigen und krebserregenden Stoffe in der
Nahrungskette", befürchtet Petri. Die Ölkatastrophe wird Fischer, die
Gastronomie und den Tourismus hart treffen. Der WWF rechnet mit
Milliardenforderungen der Wirtschaft an BP.
Die Umweltorganisation fordert, dass BP alle Mittel einsetzt um das
Leck so schnell wie möglich zu stopfen und so viel Öl aus dem Meer
abzupumpen wie möglich. Der Fall der Deepwater Horizon zeigt, dass in
solchen hochsensiblen Meeresregionen keine Ölförderungen stattfinden
dürfen. Auch die Bohrungen in Tiefen, in denen nur noch Tauchroboter
arbeiten können, sollen weltweit verboten werden. Für die Zukunft
schlägt der WWF ein weltweites System von kontrollierten
Meeresschutzgebieten vor, in deren Zonen weder Ölabbau noch Fischerei
zulässig sein soll. "Das Zeitalter der fossilen Brennstoffe muss
endlich auslaufen, denn sie schädigen nicht nur unser Klima sondern
auch unsere Meere", so Petri.
Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, WWF-Sprecher, Tel. 01-48817-231 oder 0676-83488231, Email: [email protected]
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