• 21.04.2010, 15:43:24
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Vulkanausbruch verdeutlicht Notwendigkeit von Agrar-Sicherheitsnetzen

Historische Eruptionen im Fokus - Hautzinger fordert Getreide-Krisenlager

Wien (OTS/aiz) - Wie kaum ein anderes Naturereignis in den letzten
Jahren zeigt der Vulkan Eyjafjallajökull Europa seine Grenzen,
insbesondere in der Luftfahrt, auf. Die Landwirtschaft ist vorerst
"nur" regional betroffen, allerdings gibt es im Laufe der Geschichte
einige größere Ausbrüche, die das Klima empfindlich gestört und zu
massiven Missernten und Hungernöten geführt haben. Vor diesem
Hintergrund warnen Landwirtschaftsvertreter davor, in der
europäischen und nationalen Agrarpolitik gänzlich auf
Sicherheitsnetze zu verzichten. Franz Stefan Hautzinger, Vorsitzender
des Ausschusses für Ackerkulturen der LK Österreich und
Verwaltungsratsvorsitzender der Agrarmarkt Austria, fordert im
Hinblick auf solche Situationen ferner, dass ein eigenes nationales
Krisenlager für Brot- und Futtergetreide eingerichtet wird.

Historische Vulkanausbrüche führten zu Missernten und Hungersnöten

Wie der Geschichtsprofessor Christian Rohr von der Universität
Salzburg gegenüber aiz.info berichtete, galt etwa 1816 nach dem
Ausbruch des Tambora-Vulkans in Indonesien als "Jahr ohne Sommer", in
dem es aufgrund der Aschewolken kaum Sonne gab, was zu katastrophalen
Missernten, hohen Rohstoffpreisen und Hungersnöten in der durch die
napoleonischen Kriege ohnehin geschwächten Bevölkerung führte. Da
diese Situation auch das Saatgut betreffe, bleibe die Situation nach
solchen Naturkatastrophen in den darauffolgenden ein bis drei Jahren
ebenso angespannt, betonte Rohr.

Ein anderes Beispiel ist laut dem Universitätsprofessor der
Ausbruch des isländischen Laki-Vulkans im Winter 1783/84, der zu
massiven Aschenwolken und einem regelrechten Jahrtausendwinter
geführt habe. Die Landwirtschaft sei unmittelbar weniger betroffen
gewesen, allerdings habe es extreme Vereisungen der Flüsse gegeben.
Im Frühjahr sei es dann überall in Europa zu massiven Eisstößen
gekommen und die Schollen hätten teilweise auch die Felder bedeckt,
was auf zahlreichen Bildern und Kupferstichen dargestellt sei, so
Rohr. Diese Situation habe natürlich auch Auswirkungen auf die
Landwirtschaft gehabt. Beispielsweise das Marchfeld sei stark
betroffen gewesen.

"Auch vom Beginn des 14. Jahrhunderts wird von einer weltweiten,
längeren Extremwetterphase berichtet, an dem ein großer
Vulkanausbruch schuld gewesen sein muss", so Rohr. "Es gibt also sehr
wohl Wechselwirkungen zwischen Vulkangroßausbrüchen, dem Klima und
den landwirtschaftlichen Erträgen." Diese Auswirkungen seien in der
Regel nur wenige Jahre unmittelbar spürbar, allerdings könnten sie
äußerst gravierend sein.

Kleinerer Eyjafjallajökull-Ausbruch behindert Luftfahrt

Der Ausbruch des Eyjafjallajökulls sei im Vergleich zu den
genannten Eruptionen als klein zu verstehen und mit bereits erlebten
Ausbrüchen des sizilianischen Ätna vergleichbar. Ins Zentrum der
allgemeinen Aufmerksamkeit sei er vor allem deshalb gerückt, weil die
vom ungünstigen Wind vertragenen Aschepartikel genau in die
Luftschicht geraten seien, durch die die Flugzeuge hindurch müssten.
Außerdem halte die Hochdruckwetterlage bereits seit Tagen an. Beim
ersten großen Tiefdruckgebiet und Regen könnte das Problem, sollten
keine neuen Eruptionen stattfinden, somit gelöst sein, meinte Rohr.
Wer mit den Auswirkungen allerdings noch länger zu kämpfen haben
wird, sind die isländischen Bauern.

Copa/Cogeca: Angesichts von Naturkatastrophen solide Agrarpolitik
wichtig

Pekka Pesonen, der Generalsekretär der Dachverbände der EU-Bauern
und ihrer Genossenschaften, Copa und Cogeca, betonte angesichts
dessen in Brüssel: "Die isländischen Landwirte haben aufgrund des
Ausbruchs des Vulkans Eyjafjallajökull große Schwierigkeiten zu
meistern. Die vom Ausbruch des Vulkans betroffene Region ist ein für
die Landwirtschaft bedeutendes Gebiet, das 15% des isländischen
Viehs, 6% des Schafbestands und 17% des Pferdebestands, umfasst. Auch
Milch und Milchprodukte werden in der unmittelbaren Umgebung des
Ausbruchsgebiets hergestellt. Die Vulkanasche enthält für Menschen
und Tiere potenziell gefährliche Toxine. Die meisten Landwirte in den
betroffenen Gebieten haben ihre Pferde und Schafe zusammengetrieben
und sie in Stallungen untergebracht. Eine der Hauptgefahren, die
durch den Vulkanausbruch auftreten, sind Überschwemmungen. Daher
sprechen Copa und Cogeca den isländischen Landwirten ihr tiefstes
Mitgefühl aus. Der Vulkanausbruch zeigt die desaströsen Auswirkungen,
die Naturkatastrophen auf die Landwirtschaft haben können -
unvorhersehbare Ernten, Preisvolatilität und Einkommenseinbußen. Eine
solide Agrarpolitik, welche die Ernährungssicherheit gewährleistet
und den Landwirten ein faires Einkommen garantiert, ist daher von
größter Bedeutung."

Hautzinger fordert nationales Krisenlager für Brot- und
Futtergetreide

Angesichts der Krisensituation haben auch die Börsen reagiert und
die Getreidepreise sind ordentlich in die Höhe gegangen. "Man wird
nervös und es ist wichtig, dass die Sicherheitsnetze gespannt sind",
betonte Hautzinger, auch "in Zeiten, in denen 40% des Welthandels
über den Flugverkehr abgewickelt werden". "Da die EU die
Getreide-Intervention in den letzten Jahren zurückgefahren hat,
brauchen die Mitgliedstaaten eine neue Einrichtung, um die immer
heftiger werdende Volatilität des Marktes in den Griff zu bekommen.
Wir fordern daher abermals mit Nachdruck, dass ein eigenes nationales
Krisenlager für Brot- und Futtergetreide eingerichtet wird", betonte
der Vorsitzende des Ausschusses für Ackerkulturen der LK Österreich.

Extreme Volatilität bei Getreidepreisen dadurch abmildern

"Die meisten Länder Europas sind als Mitgliedstaaten der NATO
ohnehin dazu verpflichtet, neben einem Krisenlager für Erdöl und
Erdgas auch ein Getreidekrisenlager zu halten. Österreich braucht
ebenso ein solches - in der Größenordnung von mindestens 150.000 t.
Dies entspricht in etwa einer Drei-Monatsvermahlung", so Hautzinger.
In Krisensituationen, wie etwa Naturkatastrophen, sei es von
entscheidender Bedeutung, auf derartige Reserven zurückgreifen und
die Versorgung der Bevölkerung und Tierbestände gewährleisten zu
können. "Durch ein solches Lager kann sichergestellt werden, dass bei
extremen Preissituationen einerseits die Interessen der Konsumenten
gewahrt werden, denen sonst bei geringer Getreideernte hohe
Lebensmittelpreise drohen würden. Andererseits sollen sich dadurch
die Einkommen der Landwirte, die ohne Marktmaßnahmen bei einer
übergroßen Ernte mit einem massiven Preisverfall zu kämpfen hätten,
in einem wirtschaftlich vertretbaren Rahmen bewegen", erklärte
Hautzinger, der hofft, dass es bald gelingen wird, die
Verantwortlichen von der Notwendigkeit eines solchen Lagers zu
überzeugen und entsprechende Schritte zu setzen.
(Schluss) jun

Rückfragehinweis:
aiz.info - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst,
Tel.: 01/533 18 43, Fax: 01/535 04 38,
Web: aiz.info, mailto: [email protected]

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