"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Angst vor Hyperinflation gerechtfertigt?" (Von ALOIS VAHRNER)

Ausgabe vom 17. April 2010

Innsbruck (OTS) - An der Preisfront könnte es bald wieder sehr turbulent werden. Die ersten Anzeichen für eine kräftige Teuerung sind schon da.

Gab es in Österreich jahrelang überschaubar niedrige und stabile Inflationsraten, so gleicht die Preisentwicklung zuletzt immer mehr einer Hochschaubahn. Vor zwei Jahren stöhnten die Österreicherinnen und Österreicher unter einer Preislawine, vor allem unter Rekordpreisen bei Energie wie Treibstoffen und Heizöl. Die Inflationsrate kletterte auf bis zu 3,9 Prozent - ehe im Vorjahr die mit voller Wucht hereingebrochene Finanz- und Wirtschaftskrise den Auftrieb jäh stoppte. Die Teuerung kam in Österreich fast zum Stillstand, im Juni 2009 gab es erstmals seit dem Jahr 1966 eine Null-Inflation.

Jetzt ist die kurze Verschnaufpause für die Konsumenten wieder vorbei, der Pfeil zeigt wieder steiler nach oben. Lag die Inflationsrate im Februar erst bei 1 Prozent, so hat sie sich im März auf 2 Prozent verdoppelt. Hauptverantwortlich dafür waren erneut die zuletzt wieder kräftig angezogenen Energiepreise.

Für Kassandras aller Art ist die Zeit recht günstig: Wurde im Vorjahr noch eher das Gespenst einer Deflation (allgemein sinkende Preise) an die Wand gemalt, so kommen jetzt zunehmend Warnungen vor einer möglichen Hyperinflation (eine Form einer fast unkontrollierbaren Inflation, in der sich das Preisniveau sehr schnell erhöht). Eine solche Hyperinflation gab es etwa 1924, woraufhin der Schilling die schwer angeschlagene Krone abgelöst hat. Eine Hyperinflation scheint ausgeschlossen, ungewohnt hohe Inflationsraten von 5 bis 8 Prozent oder sogar noch mehr mittelfristig hingegen nicht. Denn sobald die Wirtschaft wieder anspringt, droht das Preiskarussell bei Energie, allen voran bei Öl, erst so richtig in Fahrt zu gelangen. Und die Staaten werden über eine höhere Inflation gar nicht so unfroh sein, um ihre außer Rand und Band geratenen Schulden bedienen zu können.

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