• 12.04.2010, 10:30:53
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Greenpeace besetzt ÖBB-Zentrale: Hände weg vom Lech!

Umweltorganisation fordert Stopp der drohenden Enteignung von Bergbauern

Wien (OTS) - Dreißig Greenpeace-Aktivisten besetzen seit heute
Früh die Zentrale der ÖBB-Holding AG am Wienerberg. Grund für die
Protestaktion sind der Ausbau des ÖBB Kraftwerks Spullersee in
Vorarlberg und die dafür geplante Enteignung von hundert Bergbauern.
Um dieses Vorhaben zu verhindern haben sich die Aktivisten als
Bergbauern verkleidet und das Betriebsgebäude der ÖBB symbolisch
enteignet. "Mit dieser Aktion soll die Enteignung auch für die
Bundesbahnen fühlbar werden", erklärt Greenpeace-Sprecher Niklas
Schinerl. "Schließlich versucht das Unternehmen, die Grundbesitzer
mit einem Butterbrot abzuspeisen. Anders kann es nicht verstanden
werden, dass die ÖBB den Bauern ursprünglich eine einmalige Zahlung
von 250 Euro angeboten haben. Sollten die Bauern dies nicht
akzeptieren, werden sie gezwungen die Wasserrechte abzutreten", so
Schinerl weiter. Um den ÖBB das gleiche Recht zuteil werden zu
lassen, verteilen die Aktivisten Butterbrote und Vorarlberger
Bergkäse an die Angestellten der ÖBB Holding AG.

Schon seit Beginn des Jahres protestieren Greenpeace, WWF und
viele andere Naturschutzorganisationen gegen die von der ÖBB-Bau AG
beabsichtigte Kraftwerkserweiterung, mit welcher das Unternehmen
einigen Zubringerbächen des Lech das Wasser zu entziehen plant. Diese
Gebirgsbäche sollen das notwendige Wasser für den Speicher-Ausbau für
das Kraftwerk Spullersee in Vorarlberg liefern. Werden die Pläne
ausgeführt, dann landen 24 Millionen Kubikmeter Wasser nicht mehr im
Lech, sondern fließen stattdessen über das Kraftwerk Spullersee in
den Rhein. "So wird einem der letzten noch weitgehend intakten
alpinen Flüsse wortwörtlich das Wasser abgegraben. Die erzeugte Menge
Strom macht hingegen lediglich ein Vierzigstel des ÖBB-Strombedarfs
aus. Die wenigen Kilowattstunden sind es nicht wert, dem letzten
wilden Alpenfluss das Wasser zu nehmen", rechnet Schinerl vor.

Der Lech ist europaweit Referenz für ein alpines Wildflusssystem
mit natürlichen und naturnahen Gewässerabschnitten, Au-Landschaften
und Schluchten. Er ist durch nationales und internationales
Naturschutzrecht streng geschützt - das Projekt Spullersee würde
zusätzlich gegen Flora-Fauna-Habitatrichtlinie,
EU-Vogelschutzrichtlinie, Aarhus-Konvention und Alpenkonvention
verstoßen. "Die geplante Erweiterung des Spullersee-Kraftwerks würde
einen Präzedenzfall für den weiteren rücksichtslosen
energiewirtschaftlichen Ausbau des Lech und seines Einzugsgebiets
schaffen", befürchtet Niklas Schinerl.

Derzeit verfügen zwei Alpgemeinschaften mit über hundert Bauern
über die Wasserrechte für die betroffenen Lechquellen. Diese Bauern
sollen jetzt zwangsenteignet werden. Wird die Enteignung eingeleitet,
so ist das ein unwiderruflicher Schritt. Dann wird es kaum noch zu
verhindern sein, dass dem Lech Millionen von Kubikmetern an Wasser
entzogen werden. "Soll das Flussjuwel Lech tatsächlich Stromexporten
ins Ausland zum Opfer fallen?", fragt Schinerl. "Die ÖBB berichten in
ihrem heurigen Nachhaltigkeitsbericht, dass sie bis 2015 das
nachhaltigste Unternehmen Europas sein wollen. Die Erweiterung des
Kraftwerks Spullersee steht diesem Anspruch diametral gegenüber",
moniert Schinerl. "Die ÖBB müssen aus dem Projekt Spullersee
aussteigen und von der Enteignung der Grundstücksbesitzer Abstand
nehmen", lautet die abschließende Forderung des Greenpeace-Sprechers.

Rückfragehinweis:
Melanie Beran, Pressesprecherin Greenpeace
Tel.:+43 664 612 67 18
Niklas Schinerl, Klima- und Energiesprecher Greenpeace
Tel.:+43 664 612 67 04

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