Greenpeace besetzt ÖBB-Zentrale: Hände weg vom Lech!

Umweltorganisation fordert Stopp der drohenden Enteignung von Bergbauern

Wien (OTS) - Dreißig Greenpeace-Aktivisten besetzen seit heute Früh die Zentrale der ÖBB-Holding AG am Wienerberg. Grund für die Protestaktion sind der Ausbau des ÖBB Kraftwerks Spullersee in Vorarlberg und die dafür geplante Enteignung von hundert Bergbauern. Um dieses Vorhaben zu verhindern haben sich die Aktivisten als Bergbauern verkleidet und das Betriebsgebäude der ÖBB symbolisch enteignet. "Mit dieser Aktion soll die Enteignung auch für die Bundesbahnen fühlbar werden", erklärt Greenpeace-Sprecher Niklas Schinerl. "Schließlich versucht das Unternehmen, die Grundbesitzer mit einem Butterbrot abzuspeisen. Anders kann es nicht verstanden werden, dass die ÖBB den Bauern ursprünglich eine einmalige Zahlung von 250 Euro angeboten haben. Sollten die Bauern dies nicht akzeptieren, werden sie gezwungen die Wasserrechte abzutreten", so Schinerl weiter. Um den ÖBB das gleiche Recht zuteil werden zu lassen, verteilen die Aktivisten Butterbrote und Vorarlberger Bergkäse an die Angestellten der ÖBB Holding AG.

Schon seit Beginn des Jahres protestieren Greenpeace, WWF und viele andere Naturschutzorganisationen gegen die von der ÖBB-Bau AG beabsichtigte Kraftwerkserweiterung, mit welcher das Unternehmen einigen Zubringerbächen des Lech das Wasser zu entziehen plant. Diese Gebirgsbäche sollen das notwendige Wasser für den Speicher-Ausbau für das Kraftwerk Spullersee in Vorarlberg liefern. Werden die Pläne ausgeführt, dann landen 24 Millionen Kubikmeter Wasser nicht mehr im Lech, sondern fließen stattdessen über das Kraftwerk Spullersee in den Rhein. "So wird einem der letzten noch weitgehend intakten alpinen Flüsse wortwörtlich das Wasser abgegraben. Die erzeugte Menge Strom macht hingegen lediglich ein Vierzigstel des ÖBB-Strombedarfs aus. Die wenigen Kilowattstunden sind es nicht wert, dem letzten wilden Alpenfluss das Wasser zu nehmen", rechnet Schinerl vor.

Der Lech ist europaweit Referenz für ein alpines Wildflusssystem mit natürlichen und naturnahen Gewässerabschnitten, Au-Landschaften und Schluchten. Er ist durch nationales und internationales Naturschutzrecht streng geschützt - das Projekt Spullersee würde zusätzlich gegen Flora-Fauna-Habitatrichtlinie, EU-Vogelschutzrichtlinie, Aarhus-Konvention und Alpenkonvention verstoßen. "Die geplante Erweiterung des Spullersee-Kraftwerks würde einen Präzedenzfall für den weiteren rücksichtslosen energiewirtschaftlichen Ausbau des Lech und seines Einzugsgebiets schaffen", befürchtet Niklas Schinerl.

Derzeit verfügen zwei Alpgemeinschaften mit über hundert Bauern über die Wasserrechte für die betroffenen Lechquellen. Diese Bauern sollen jetzt zwangsenteignet werden. Wird die Enteignung eingeleitet, so ist das ein unwiderruflicher Schritt. Dann wird es kaum noch zu verhindern sein, dass dem Lech Millionen von Kubikmetern an Wasser entzogen werden. "Soll das Flussjuwel Lech tatsächlich Stromexporten ins Ausland zum Opfer fallen?", fragt Schinerl. "Die ÖBB berichten in ihrem heurigen Nachhaltigkeitsbericht, dass sie bis 2015 das nachhaltigste Unternehmen Europas sein wollen. Die Erweiterung des Kraftwerks Spullersee steht diesem Anspruch diametral gegenüber", moniert Schinerl. "Die ÖBB müssen aus dem Projekt Spullersee aussteigen und von der Enteignung der Grundstücksbesitzer Abstand nehmen", lautet die abschließende Forderung des Greenpeace-Sprechers.

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Niklas Schinerl, Klima- und Energiesprecher Greenpeace
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