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DER STANDARD-KOMMENTAR "Vielleicht fad, aber nicht dumm" von Michael Völker
Heinz Fischer kann man vieles vorwerfen - sicher nicht seine Konkurrenten - Ausgabe vom 2.4.2010
Wien (OTS) - Ist Heinz Fischer feige? Ja, behaupten seine
Konkurrenten. Ja, behaupten manche Medien. Weil er "kneift". Weil er
sich seinen Konkurrenten nicht stellt, weil er einer direkten
Auseinandersetzung, vom ORF inszeniert, aus dem Wege geht.
In jedem längeren, kritisch angehauchten Porträt des Heinz Fischer
wird gerne eine Anekdote erzählt, die seine ausweichende Haltung
demonstrieren soll. Fischer hört das gar nicht gerne, und ob die
Anekdote wirklich stimmt, weiß man nicht. Es sei Bruno Kreisky
gewesen, der in den 80ern so oder so ähnlich über seinen Freund
geredet hat: "Aus dem Heinzi wird noch was - immer wenn's schwierig
wird, ist er am Klo und kommt zurück, wenn die Sache ausgestanden
ist." Wenn es nicht wahr ist, ist es gut erfunden. Und es bezeichnet
Heinz Fischers Weg in die Hofburg. Er ist tatsächlich etwas geworden.
Fischer ist tatsächlich der abwägende Mensch, immer vorsichtig, oft
unverbindlich. In manchen Formulierungen muss man den Unterton lange
suchen. Fischer bekennt sich zur leisen Diplomatie. So war er immer,
und so findet er, dass ein Bundespräsident sein muss: für alle da,
sich nicht viel einmischen, nicht stören. So wollen das die Leute,
das ist eine strategische Überlegung, und so ist er, da kann er gar
nicht anders.
Fad? Mag sein. So sieht es die bürgerliche Presse. Einige
Bobo-Journalisten hätten gerne mehr Abenteuer im Kopf, mehr
Querdenken, weniger Konvention. Aber wehe, der Bundespräsident wäre
tatsächlich einmal frech und würde aus der Rolle fallen. Gut, bei
Heinz Fischer besteht diese Gefahr nicht. Wen es befriedigt:
langweilig. Geschenkt. Aber Fischer ist kein Unterhaltungskasperl in
der Hofburg, dafür eignet sich das Amt des Bundespräsidenten auch
nicht.
Ist er deswegen feige?
Er ist mit Sicherheit nicht dumm. Das wäre er, würde er sich mit den
beiden Menschen, die gegen ihn antreten und die aus dem Wahlkampf
eine Folkloreveranstaltung machen, in direkter Auseinandersetzung
messen. Dazu gibt es keinen Anlass.
Fischer wäre ganz schlecht beraten, würde er Barbara Rosenkranz oder
Rudolf Gehring, beide auf ihre Art skurrile Randerscheinungen der
österreichischen Politik, eine Bühne bieten. Er ist der
Bundespräsident. Warum sollte er politischen Leichtgewichten und
Nullgewichten die Möglichkeiten einräumen, ihn zu beflegeln? Denn
diskutieren kann man mit den beiden nicht. Soll man Rosenkranz den
Nationalsozialismus erklären? Mit ihr über Gaskammern diskutieren?
Gehring wirkt wie ein netter älterer Herr, auf den ersten Blick
völlig normal, sympathisch fast. Beim Nachfragen und Bohren stellt
sich allerdings heraus, dass er ein religiös eifernder Sonderling
ist, der mittelalterliche Ansichten vertritt, gefährlich und
intolerant. Würde dieser Mann Zustrom haben, man müsste sich
fürchten.
Beide Kandidaten sind unter Heinz Fischers Niveau. Unvorstellbar,
dass er sich mit ihnen gemeinsam vor eine Kamera stellt und zu
streiten beginnt.
An dieser Stelle muss man beklagen, dass es keine anderen Kandidaten
gibt, dass es ÖVP_und Grüne verabsäumt haben, ihren Wählern ein
Angebot zu machen: Sie lassen sie im Stich. Es ist ein Liebesentzug
dieser Parteien gegenüber ihrer jeweiligen Gefolgschaft, es ist eine
Missachtung ihrer Sympathisanten, es ist eine Geringschätzung des
Anlasses und des Amtes.
Am Schluss bleibt stehen: Diese Wahl bietet keine Wahl.
Rückfragehinweis:
Der Standard
Tel.: (01) 531 70 DW 445
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