• 31.03.2010, 12:36:48
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Landwirtschaftsminister Berlakovich darf Lechbauern nicht enteignen

Offener Brief: Hundert Bauern wehren sich gegen ÖBB-Pläne

Wien/Bregenz. (OTS) - Es könnte pikanter nicht sein, denn hundert
vorarlberger Bauern sollen ausgerechnet von Landwirtschaftsminister
Nikolaus Berlakovich enteignet werden. Wegen dem Bau einer Beileitung
für das Kraftwerk Spullersee, das die ÖBB betreibt, sollen den Bauern
der Agrargemeinschaften Alpe Pazüel-Tritt und Alpe Zürs die
Grundeigentums- und Wassernutzungsrechte genommen werden. Die Bauern
wollen aber ihre Rechte nicht für die Gewinne der ÖBB aus dem
internationalen Stromhandel abtreten. Die beteiligten Landwirte
fürchten, dass über den ÖBB-Konzern die Wassernutzungsrechte
irgendwann im Ausland landen und für die Nachkommen der Bauern nicht
mehr verfügbar sind. Der Landesrat und vorarlberger Bauernbundobmann
Erich Schwärzler steht auf der Seite der Bauern. Bundesminister
Berlakovich ist selbst Obmann des burgenländischen Bauernbundes. "Nun
liegt es an unseren beiden Obmännern, für unsere Rechte einzutreten",
so Bauernvertreter Josef Nessler. Die Bauern wollen die Bäche für die
Zukunft ihrer Kinder schützen statt sie den kurzfristigen
Profitinteressen der ÖBB zu opfern.

Das wasserrechtliche Verfahren zum ÖBB-Projekt ist im Ministerium
Berlakovich anhängig und wird auch dort entschieden. Wenn die Sektion
Wasserwirtschaft des Ministeriums das ÖBB-Projekt genehmigt, muss
Berlakovich als Landwirtschaftsminister paradoxerweise gegen die
Interessen der Bauern entscheiden. "Unser Minister ist hier in einer
Zwickmühle und muss nun Farbe bekennen ob er lieber die
Profitinteressen der ÖBB oder die Lebensinteressen der Bauern und den
Schutz der Umwelt bedienen will", so Nessler. Die beteiligten Bauern
haben nun einen Offenen Brief an Bundesminister Berlakovich
geschrieben und fordern einen Runden Tisch zusammen mit Landesrat
Schwärzler und den beteiligten Umweltorganisationen im Ministerium
bis spätestens 12. April. Anschließend wird am 13. April ein letztes
Gespräch von Landesrat Schwärzler mit den ÖBB und den Bauern
stattfinden.

Mehrere nationale und internationale Umweltschutzorganisationen und
Wissenschaftler hatten wiederholt gegen die Pläne der ÖBB
protestiert. Denn neben den Zwangsenteignungen droht durch den Bau
der Beileitung eine massive Verschlechterung des Flussjuwels Lech:
"24 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr würden dem Flusslauf durch
die geplante Umleitung fehlen und damit wäre die Überlebensfähigkeit
des Flusses gefährdet", warnt WWF-Experte Christoph Walder
Der Lech ist europaweit eines der besten Beispiele für ein alpines
Wildflusssystem mit natürlichen und naturnahen Gewässerabschnitten,
Aulandschaften und Schluchten. Er ist durch nationales und
internationales Naturschutzrecht streng geschützt. Erst vor wenigen
Jahren haben die ÖBB den Lech zum "Fahrziel Natur" und als besonders
schützenswert erklärt, erinnert der WWF. "Die Erweiterung des
Spullersee-Kraftwerks bedroht aber den Lech und seine Einzugsgebiete
massiv", so Walder.

Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231 oder 0676-83488-231, Email: [email protected]. Offener Brief an BM Berlakovich: www.wwf.at/presse.

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