Gabriele Heinisch-Hosek: Gerechte Entlohnung von Teilzeitarbeit braucht Einkommenstransparenz!

Informationspflicht für Betriebe einführen - Teilzeitkräfte auf offene Vollzeitstellen aufmerksam machen, bevor sie ausgeschrieben werden

Wien (OTS) - "Teilzeit ist weder gut noch böse. Teilzeit ist eine Realität. Teilzeitarbeit für Frauen ist nicht gleich Teilzeitarbeit für Männer", sondern es gäbe große Unterschiede in der Qualität der Arbeit, im Stundenausmaß der Beschäftigung oder zwischen der Teilzeitbeschäftigung von Männern und Frauen, so Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Diesen Unterschieden und den Gründen dafür wurde nun eine Studie gewidmet, die das Frauenministerium bei der L&R Sozialforschung und beim Forba-Institut (Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt) in Auftrag geben hat. Die Frauenministerin präsentierte heute gemeinsam mit Claudia Sorger, einer der Studienautorinnen, die Ergebnisse und zog Schlussfolgerungen für die Politik.

"In Österreich arbeiten rund 700.000 Frauen Teilzeit und fast die Hälfte davon entscheidet sich bewusst dafür, aufgrund von Betreuungspflichten", so Heinisch-Hosek. Hier zeigte die Studie einen der wesentlichen Unterschiede zur männlichen Teilzeitbeschäftigung:
Für Männer sind Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen der häufigste Grund für Teilzeitarbeit, nur drei Prozent nutzen sie für die Kinderbetreuung. Das schlägt sich auch in der Altersgruppenverteilung nieder: Während Männer vorwiegend zu Beginn oder gegen Ende ihrer Berufslaufbahn einem Teilzeitjob nachgehen, ist der größte Anteil der weiblichen Teilzeitbeschäftigten in der Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen zu finden, also während der Haupterwerbsphase. Im Geschlechtervergleich zeigt sich auch, dass Frauen wesentlich länger in Teilzeitjobs verweilen als Männer.

Mehr als die Hälfte der Frauen arbeitet weniger als 24 Wochenstunden, doch es gäbe häufig einen Wunsch zur Aufstockung: "Jede vierte Frau würde gerne ihre Arbeitzeit erhöhen", so die Frauenministerin. Dem werde jedoch oft nicht entsprochen. "Außerdem bedeutet Teilzeit oft eine Abqualifizierung. Jede fünfte Frau findet nach ihrem Wiedereinstieg in einen Vollzeitjob keine Beschäftigung, die ihrer Ausbildung entspricht. Den Unternehmen muss bewusst gemacht werden, dass ihnen dadurch wertvolle Ressourcen verloren gehen", sagte Heinisch-Hosek.

Drastisch sind auch die Lohnunterschiede zwischen Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung: Vergleicht man die Brutto-Stundenlöhne, so verdienen Teilzeitkräfte bis zu 30 Prozent weniger als Vollzeitangestellte. "Auf dieses Missverhältnis muss aufmerksam gemacht werden. Daher ist eine Einkommenstransparenz in den Betrieben unverzichtbar", so die Frauenministerin, die sich vehement für eine Offenlegung der Löhne einsetzt.

Die Regierung habe bereits einige wichtige Schritte gesetzt, um die Situation von Frauen am Arbeitsmarkt zu verbessern. So fördere das einkommensabhängige Kindergeld einen rascheren Wiedereinstieg nach der Karenz und sei ein Anreiz für Männer, in Väterkarenz zu gehen. Positiv sei auch die Möglichkeit der Elternteilzeit bis zum 7. Lebensjahr des Kindes zu bewerten. Heinisch-Hosek forderte darüber hinaus weitere Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie: "Wir müssen noch mehr Kinderbetreuungsplätze schaffen. Eine Umschichtung von Finanzmitteln kann das ermöglichen. Ich greife den Vorschlag des WIFO auf, den Alleinverdienerabsetzbetrag für Frauen, die keine Kinder mehr betreuen, abzuschaffen ", so die Ministerin, die mit dieser Umschichtung 60 Millionen Euro in Kinderbetreuungsplätze investieren möchte. Auch gelte es, die Akzeptanz der Väterkarenz in den Unternehmen zu stärken. Und schließlich sollte es mehr Transparenz geben, nicht nur bezüglich der Einkommen: "Es muss eine interne Informationspflicht in Betrieben eingeführt werden, die alle Beschäftigten über offene Vollzeitstellen informiert, bevor diese extern ausgeschrieben werden", so Heinisch-Hosek.

Die Studie über die Qualität von Teilzeitbeschäftigung und die Verbesserung der Position von Frauen auf dem Arbeitsmarkt kann auf der Website des Frauenministeriums unter folgendem Link abgerufen werden:
http://www.frauen.bka.gv.at/site/5461/default.aspx#a5

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Mag. Dagmar Strobel
Pressesprecherin der Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek
Tel: (01) - 53115 - 2149
E-Mail: dagmar.strobel@bka.gv.at

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